Fernsehen

Talkshow-Gast nimmt sich das Leben - „Jeremy Kyle Show“ wird abgesetzt

Nachdem ein Talkshow-Gast Selbstmord begangen hat, wird die „Jeremy Kyle Show" abgesetzt. Kritische Stimmen sind sich sicher: Die Show trägt eine Mitschuld.

"Jeremy Kyle Show" nach Suizid eines Gasts eingestellt
Die „Jeremy Kyle Show“ des Senders ITV wird eingestellt, nachdem sich ein Talkshow-Gast das Leben genommen hat. Foto: PAUL ELLIS/AFP/Getty Images

Die Ära der Talkshows, in denen Fremdgehgeständnisse, Vaterschaftstests und öffentlich Heiratsanträge an der Tagesordnung waren, ist in Deutschland vorbei. In den 90er Jahren gab es sie zu Hauf; bei Andreas Türk, Arabella, Sonja & Co. trugen Privatmenschen ihre Beziehungsstreitigkeiten und andere intime Angelegenheiten vor der Kamera aus.

In anderen Ländern wie Großbritannien oder den USA sind Talkshows dieser Art noch heute beliebt. Zu den bekanntesten britischen Formaten gehört die „Jeremy Kyle Show“, in der Gäste versuchen, ihre Beziehungsprobleme oder andere Konflikte (teils mit Hilfe eines Lügendetektortestes) zu lösen.  

Wie britische Medien berichten, scheint dieses Konzept nun einem Gast zum Verhängnis geworden zu sein, denn nach seiner Teilnahme an der Show nahm sich der Mann das Leben.

Anfang Mai war der frischgebackene Großvater mit seiner On-off-Partnerin bei Showmaster Jeremy Kyle zu Gast gewesen. Diese hatte ihm einen Seitensprung vorgeworfen. Mit Jeremy Kyles Hilfe wollte der Mann seine Unschuld beweisen, fiel jedoch vor laufenden Kameras durch den Test und wurde in Folge dessen als Lügner und Betrüger dargestellt. Seine Verlobte habe sich daraufhin von ihm getrennt und aus der gemeinsamen Wohnung geschmissen, so „The Guardian“.

Seine letzte Nachricht soll die Botschaft „Ich kann nicht ohne dich leben“ gewesen sein. Wenige Tage später sei er tot in seiner Wohnung aufgefunden worden. Die Polizei geht von einem Suizid aus. Die Vermieterin des Mannes gab zudem an, nach der Aufzeichnung der Show sei der 62-Jährige schluchzend und völlig aufgelöst nach Hause gekommen. "Ich bin überzeugt, dass die Show ihren Teil zu seinem Suizid beigetragen hat", erklärte sie.

 

„Jeremy Kyle Show“ nach Suizid eines Gasts eingestellt

Als Folge des tragischen Zwischenfalls wurde die „Jeremy Kyle Show“ nun aus dem Programm genommen. Carolyn McCall, Geschäftsführerin des britischen Senders ITV, bestätigte, dass die Show nicht zurückkehren wird. „Angesichts der Schwere der jüngsten Ereignisse haben wir beschlossen, die Produktion der ‚Jeremy Kyle Show‘ einzustellen. Die […] Show hat ein treues Publikum und wird seit 14 Jahren von einem engagierten Produktionsteam produziert. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für das Ende der Show“, so die Erklärung. Alle bei ITV seien in Gedanken bei der Familie und den Freunden des Verstorbenen.

McCall gab weiterhin an, der Sender werde trotz allem auch in Zukunft mit Talkshow-Moderator Jeremy Kyle zusammenarbeiten und plane weitere Projekte mit ihm.

Der Sender hatte nach dem traurigen Todesfall erst einmal an seinem Sendeplan festgehalten, geriet dann aber seitens verschiedener Organisationen für seelische Gesundheit unter Druck. Selbst seitens der höchsten politischen Instanz kam schließlich Kritik - direkt aus der Downing Street. McCall habe den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen am Montag mitgeteilt, das Unternehmen habe beschlossen, die Produktion einzustellen, allerdings um "die Show" und das Produktionsteam zu schützen, so „The Guardian“.

Zuschauer und Kritiker der Sendung warfen der „Jeremy Kyle Show“ schon seit geraumer Zeit vor, Gäste gegeneinander auszuspielen und sie öffentlich bloßzustellen.

Ehemalige Teilnehmer gaben gegenüber „The Guardian“ an, sie hätten sich mit dem Wunsch nach Hilfe und Unterstützung an die Show gewandt, sich im Anschluss allerdings von den Produzenten manipuliert gefühlt. Auch andere Gäste des Formats erklärten, ihre negative Darstellung hätten sie zu einem Selbstmordversuch veranlasst.

Hinweis der Redaktion:

Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden oder jemanden kennen, der daran leidet, suchen Sie das Gespräch mit ihren Mitmenschen oder lassen Sie sich von der Telefonseelsorge helfen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

 


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