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Spieletipp: Death Stranding - Im Kosmos von Hideo Kojima

"Death Stranding" ist anders, radikal und außergewöhnlich. Für wen das neue Spiel von Hideo Kojima geeignet ist, verraten wir im Artikel.

Death Stranding Norman Reedus
Eine Welt in Tränen: In "Death Stranding" müssen wir als Bote die Vereinigten Staaten wieder zusammenbringen. Politische Implikationen eindeutig gewollt! Bild: Sony

Mit Schweiß auf der Stirn habe ich das GD-Gebiet verlassen. In einer ziemlich unwegsamen Schlucht hat mich ein plötzlicher Regenschauer auf meinem Motorrad überrascht. Doch der Weg war schon so lang und das Ziel so nah. Also will ich mich geschickt an den schwebenden Fieslingen in der Welt von „Death Stranding“ vorbeischleichen. Doch schneller als mir lieb ist, ist nicht nur meine komplette Fracht auf dem steinigen Gebirgsboden verteilt, sondern ich auch in einer Art Zwischenwelt, in der mir ein gewaltiger, pechschwarzer Fischgegner auflauert, den ich nur mit verdammt viel Mühe und Kletterarbeit abschütteln kann. Der Regen ist plötzlich verschwunden. Ich sammele meine beschädigte Fracht auf, beruhige mein BB, steige über den Bergkamm und sehe in weiter Ferne eine weitere Stadt, die ich ans chirale Netzwerk anschließen muss. Beim Anblick der unfassbaren Kulisse bekomme ich umgehend Gänsehaut, die noch weiter verstärkt wird, als im Hintergrund "Asylums for the Feeling" von den "Silent Poets" zu hören ist. "Death Stranding" ist weird, manchmal anstrengend und teilweise auch repetitiv. Doch wie kein anderes Spiel kreiert es viele unvergessliche Momente für die Ewigkeit.

Death Stranding mit Norman Reedus
Unterwegs mit Sam Porter Bridges (Norman Reedus) in "Death Stranding"      Sony Playstation
 

Death Stranding: Das erwartet euch | Inhalt und Mechanik

GDs? BBs? Und schwarze Fische? Nach einem fast schon postapokalyptischen Ereignis namens "Der gestrandete Tod" ist in der Welt von "Death Stranding" tatsächlich fast nichts mehr, wie es war. Die Menschheit lebt abgeschottet in Städten und Außenposten und versucht die Kontakte nach außen so minimal wie nur möglich zu halten. Denn da draußen wartet nicht nur der gefährliche Zeitregen, der alles in sekundenschnelle Altern lässt, sondern eben die GDs, schwebende geisterhafte Erscheinungen, die Tod und Verwüstung mit sich bringen. Doch so ganz ohne Menschen geht es eben auch nicht: Irgendjemand muss doch für die Grundversorgung sorgen bzw. wichtige Materialien und Lebensmittel in die Städte bringen?

Dafür sind die Boten zuständig, solche wie Sam Porter Bridges (verkörpert von "The Walking Dead"-Star Norman Reedus), in dessen Rolle ihr "Death Stranding" unterwegs seid. Damit die Menschheit überhaupt eine reelle Chance auf eine Zukunft hat, plant Präsidentin Bridget die zersplitterte Zivilisation der Vereinigten Staaten unter dem Banner der UCA (United Cities of America) wieder zusammenzubringen. Und nur Sam Porter Bridges scheint der "Mission Impossible" überhaupt gewachsen zu sein. Von der Ostküste zur Westküste müsst ihr nicht nur eine Vielzahl an Boten-Aufträgen übernehmen, sondern letztendlich auch die Menschheit wieder zusammenbringen.

Im Kern und in den meisten Aufträgen in der Welt von „Death Stranding“ müsst ihr also Pakete von A nach B bringen. Das Ganze wird durch ein hochkomplexes Fortschrittssystem im Laufe der Zeit grundsätzlich einfacher, weil ihr nicht nur Fahrzeuge und Zweirad-Vehikel nutzen könnt, sondern auch immer bessere Ausstattung findet, um euch im unwegsamen Terrain fortzubewegen. Gleichzeitig wird der Kampf gegen die GDs und die garstigen Mules, das sind einstige Boten, die nun als Diebe ihr Dasein fristen und euch mit Gewalt um eure Fracht bringen wollen, immer komplexer und schwieriger. Auch deshalb mag das Grundkonzept von "Death Stranding" vielleicht simpel klingen, doch die Ausführung ist immer wieder überraschend und sehr abwechslungsreich.

 

Death Stranding: Im cineastischen Mindset von Hideo Kojima

Death Stranding mit Norman Reedus und Lea Seydoux
Das Star-Ensemble in "Death Stranding" Sony Playstation

Daneben besticht „Death Stranding“ mit einer der schönsten Präsentationen der aktuellen Konsolengeneration. Die von "Horizon: Zero Dawn" geliehene "Decima"-Engine zaubert wirklich fantastisch aussehende Landschaften und ein unglaubliches Gefühl von Weite auf die Bildschirme. Doch das Highlight sind vor allem die grandiosen Figuren-Modelle sowie die unfassbare Detailarbeit, mit der bspw. selbst feinste Falten im Anzug von Hauptfigur Sam Porter Bridges sichtbar werden. Kojima selbst bleibt seiner Linie treu, die er bereits mit seiner „Metal Gear Solid“-Reihe eingeschlagen haben: Die außergewöhnliche narrative Komponente, die aufwendigen Zwischensequenzen und die unheimlich cineastische Regie sind wieder typische Kojima-Trademarks, die auch in "Death Stranding" hervorragend funktionieren. 

Und natürlich kann er sich auch auf sein hervorragendes Cast verlassen: Neben Hauptdarsteller Norman Reedus glänzen auch Mads Mikkelsen, Léa Seydoux, Margaret Qualley und Troy Baker in weiteren Rollen.

 

Death Stranding: Unser Eindruck nach 20 Spielstunden

Nach über 20 Stunden in "Death Stranding" bleibt festzuhalten: Eine komplett neuartige Spielerfahrung bietet Hideo Kojimas neues Epos zwar nicht, doch die Mechanismen, die unfassbar ansehnliche Präsentation und die starke Narration greifen perfekt ineinander und lassen uns in eine tatsächlich aufgrend andere Spielewelt abtauchen. Inwiefern sich das Ganze auch in der zweiten Spielhälfte so offenbart, werden wir an dieser Stelle in unserem fertigen Test feststellen.

Doch zur Ausgangsfrage: Wie schon die ersten Kritiker-Stimmen festgehalten haben, ist „Death Stranding“ absolut kein Spiel für Jedermann. Mit ein wenig Geduld und viel Liebe für außergewöhnliche Konzepte kann man in diese einzigartige Spielwelt jedoch umso intensiver eintauchen und erlebt Momente, die man in dieser Brillanz so nur sehr selten zu sehen bekommt.

"Death Stranding" ist seit dem 08. November 2019 auf PS4 und PS4 Pro erhältlich. Eine PC-Version ist für Sommer 2020 geplant. Eindrücke von "Death Stranding" seht ihr in diesem Video:

 

 



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