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Shitstorm gegen Netflix: Regisseure wähnen ihre Werke in Gefahr

Der Streamingdienst Netflix hat mit seiner neuen Speed-/Bingewatch-Funktion den Zorn von Schauspielern und Filmemachern auf sich gezogen.

Shitstorm gegen Netflix
Gegen den Streamingdienst Netflix braut sich ein Sturm der Entrüstung zusammen. Netflix

Netflix testet derzeit auf der Android-App eine neue Wiedergabefunktion, die es Nutzern ermöglichen soll, Serienstaffeln im Schnelldurchlauf zu schauen. Neben der 1,5-fachen Geschwindigkeit ermöglicht das Feature auch das verlangsamte Schauen von Netflix-Inhalten. Obwohl derzeit nicht geplant ist, die Funktion einem größeren Benutzerkreis zugängig zumachen, braut sich in Hollywood ein Sturm zusammen.

Nachdem Schauspielern wie „Breaking Bad“-Star Aaron Paul sich bereits kritisch gegenüber Netflix' neustem Feature geäußert haben, erzürnen sich nun auch Filmemacher wie Judd Apatow (unter anderem bekannt für seine Netflix-Serie „Love“) und Brad Bird („Ratatouille“, „Mission: Impossible – Ghost Protocol“) darüber. „Nein Netflix, nein. Bitte zwingt mich nicht dazu, jeden Regisseur und Serien-Macher auf der Erde anrufen, um dagegen zu kämpfen“, schrieb Apatow beispielsweise auf Twitter. „Erspart mir die Zeit. Ich werde gewinnen, aber es wird eine Menge Zeit in Anspruch nehmen. [...]Wir geben euch schöne Dinge. Lasst sie so, wie sie gesehen werden sollten“, ließt sich sein wütender Apell weiter. Streamingplattformen dürften die Art und Weise, wie ein Inhalt dargestellt werde, nicht ändern. Dies ist ein Vertrauensbruch, so der Regisseur weiter.

Doch damit nicht genug. In den sozialen Netzwerken braucht sich gerade ein regelrechter Sturm der Entrüstung gegen Netflix zusammen. So bezeichnete Brad Bird die neue Funktion beispielsweise als "eine weitere [...] schlechte Idee und einen weiteren Schnitt eigentliche Kinoerlebnisse weiter auszubluten". Der "Tomorrowland"-Regisseur unterstellte dem Streamingrisen des weiteren, Filmen dadurch „zerstören" zu wollen. Das stehe konträr zu Netflix' Bemühungen "die Visionen von Filmemacher zu unterstützen und zu finanzieren". Beispiele hierfür sind Projekte wie "Roma" oder "The Irishman" als Beispiele.

Aaron Paul hatte seine Kritik im Vergleich zur heftigen Reaktion Apatows und Birds recht milde geäußert. Der Schauspieler geht nicht davon aus, dass Netflix die Funktion auf Massenebene einführen wird. Er glaube im Traum nicht, dass Netflix sein Vorhaben vorantreiben werde, so Paul auf Twitter. Andernfalls würde Netflix den Usern die Kontrolle über die Kunst überlassen und ihnen somit die Möglichkeit geben, diese zu zerstören. „Netflix ist viel besser als das. Habe ich recht, Netflix? Ich liebe Netflix. Habe ich immer. Werde ich immer. Das kann einfach nicht wahr sein. Das ist alles. Auf keinen Fall werden sie die Kunst zerstören, die sie auf ihrer Plattform haben. Punkt, aus, Ende."

 

Netflix verteigt neue Wiedergabefunktion

Netflix wehrt sich unterdessen gegen die Kritik. „[Unser] Test hat eine Menge Feedback hervorgerufen - sowohl negatives als auch positives. Wir nehmen Rücksicht auf die Bedenken der Entwickler und haben daher keine Tests mit größeren Bildschirmen, insbesondere Fernseher, einfließen lassen“, so Keela Robison, Vizepräsidentin von Netflix. Ein Sprecher des Dienstes verteidigte die Funktion für die Wiedergabegeschwindigkeit zudem in einem Statement gegenüber „Variety“: „Wir suchen immer nach neuen Möglichkeiten, um unseren Fans den Spaß an Inhalten zu ermöglichen, die sie lieben. Deshalb testen wir die Wiedergabegeschwindigkeitsoptionen auf Mobilgeräten." Ob sie das Feature letztlich dauerhaft für alle User einführt, hält sich Netflix zu diesem Zeitpunkt offen.

 


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