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Sebastian Ströbel ist der neue "Bergretter" im ZDF

Der Bergretter Sebastian Ströbel
Sebastian Ströbel wandelt als "Bergretter" immer nahe am Abgrund /ZDF/Thomas R. Schumann

Nach Martin Grubers Ausstieg brauchte man beim ZDF einen echten Kerl, der die Hauptrolle in der Reihe "Die Bergretter" glaubhaft verkörpern kann. Mit Sebastian Ströbel haben sie einen echten Kerl gefunden, der auch noch Traummann-Potenzial hat. Im Gespräch mit TV Movie Online-Redakteurin Laura Schäfer wirkte er gleichermaßen leidenschaftlich und reflektiert - und vor allem eins: interessant!

Ja, ich gebe es zu, ich kenne Sebastian Ströbel noch aus Sat.1-Feel-good-movies wie "Wenn Liebe doch so einfach wär'" und "Plötzlich fett". Da war er immer der Coole, der Schöne, der Traumtyp. Nun hatte ich die Gelegenheit, ihn zum Start der neuen Staffel von "Die Bergretter" persönlich kennenzulernen und war erstaunt, wie ehrlich er über seine Branche spricht und wie nachdenklich er privat ist. Gut sieht er aber auch weiterhin aus...

TVM: Am Anfang Ihrer Karriere haben Sie in „Powder Park“ mitgespielt, nun bei den „Bergrettern“: Berge scheinen Ihnen zu liegen...

Sebastian Ströbel: Da schließt sich ein Kreis. (lacht) Ich hoffe nicht, dass das schon das Ende ist. Aber ich liebe die Berge! Ich liebe es, draußen zu sein, klettern zu gehen. Skifahren und Snowboarden konnte ich auch wieder – perfekt!

TVM: Wie gefährlich sind die „Bergretter“-Dreharbeiten eigentlich?

Ströbel: Ich behaupte, die Dreharbeiten sind die anspruchsvollsten im deutschen Fernsehen. Wir drehen im hochalpinen Gelände - da ist es ist immer gefährlich! Wenn Steinschlag aus vier Metern Höhe herunterkommt und man keinen Helm trägt, kann das tödlich sein. Und dann geht es schon mal 40, 50 Meter herunter. Dessen muss man sicher immer bewusst sein.

TVM: Was macht für Sie die Faszination des “Bergretters” aus?

Ströbel: Zum einen der Umgang mit Seilen und Karabinern, das hat etwas Archaisches…da ist der Mann noch Mann! Das ist eine viel einfachere Welt, wo Kraft und Technik zählen. Da gibt’s eine ganz klare Aufgabe: Hol den Menschen vom Berg. Zum anderen bedienen wir mit der Reihe ein unglaublich breites Spektrum und das ist auch das Erfolgsgeheimnis. Es gibt sonst nur feste Genres wie Krimi oder Heimatfilm, aber Action eingebettet in hochdramatische Fälle ist etwas Besonderes. Und ich glaube, wir sind mit dieser Entwicklung noch lange nicht am Ende. 

TVM: Ihre Figur, der neue Bergretter Markus Kofler, beschreiben Sie als bindungsscheu. Warum ist das heutzutage scheinbar Mode, sich nicht festlegen zu wollen?

Ströbel: Ich glaube, das hat mit sich auflösenden Strukturen und zunehmenden Unsicherheiten im Leben zu tun. Früher war es so, als ob man ein altes Haus hätte und damit zufrieden war, auch wenn nicht immer alles Luxus war. Heute wird alles abgeklopft und man versucht, alles zu verändern. Es wird immer schwieriger, jemanden zu finden, der dazu passt, weil man ständig vergleicht. 

TVM: Sie leben das Gegenmodell, sind seit einigen Jahren verheiratet, haben drei Kinder. Wie wichtig ist Ihnen Familie?

Ströbel: Das ist das Wichtigste, das ist meine Basis! Ich glaube und hoffe, dass dieses in der unsicheren Welt wieder das Modell für die Zukunft wird. Auf was will man sich sonst verlassen? Das, was bleibt, ist die Erinnerung derer, die einen lieben. Mir wäre es lieb, wenn meine Kinder mal sagen, „Der war toll. Der hat sich eingesetzt. Der war da.“  Sie sind das Feuer, an das ich immer wieder zurückkomme. Auch, um die Flamme für neue Abenteuer zu entfachen.

TVM: Schauen Sie selbst gerne Serien?

Ströbel: Ich liebe sie! Das ist die Zukunft! Sie revolutionieren unser Sehverhalten. Vor ein paar Jahren war noch undenkbar, dass man die horizontalen Erzählungen so ausschlachtet. Damals war das Kino noch das Nonplusultra und mittlerweile ist es die Serie. Es gibt nach wie vor tolle Kinofilme, aber was die emotionale Bindung an eine Figur angeht, hat das Kino nichts mehr zu bieten. In einer Serie kann ich meine Figur begleiten und das Visuelle ist mittlerweile so großartig, dass man die große Leinwand gar nicht mehr vermisst. Das Kino muss sehen, dass es nicht nur noch von Effekten lebt.

TVM: Wäre es denn eine Perspektive für Sie, auch selbst als Autor oder Produzent neue Stoffe zu entwickeln und voranzutreiben?

Ströbel: Definitiv. Mein Pool an Kontakten wächst und ich möchte eigene Sachen verwirklichen. Ich  habe auch schon ein Drehbuch geschrieben, wo ich versuche, Grenzen zu überschreiten, und meinen eigenen Weg zu finden. Ich würde mir auch Regie zutrauen, aber wenn ich alles selbst machen würde, würde es mich vermutlich auffressen. Mein Drehbuch würde ich auch Herrn Schweiger in die Hand drücken und sagen, ‚Hier mach und ich spiele die Hauptrolle‘. Und selbst das müsste ich nicht. Hauptsache, es wird gemacht. Ich bin da relativ uneitel.

TVM: Dabei galten Sie lange Zeit als “Der Schöne”. Nervt sowas?

Ströbel: Was soll ich machen? Ich empfinde mich ja gar nicht selbst so. Es ist Fluch und Segen zugleich. Tatsache ist, dass mir dieses Klischee geholfen hat, aber natürlich nervt dieses Schubladendenken. Schön heißt ja oftmals auch gleich dumm oder ich habe ständig eine andere. Völliger Quatsch! Ich möchte gar nicht so denken wie andere. Ich will tun, was ich für richtig halte und was ich liebe. Mittlerweile habe ich meinen Frieden damit gemacht.

TVM: Sie machen einen sehr reflektierten, nachdenklichen Eindruck. Hadern Sie oft mit sich und Ihrer Umwelt?

Ströbel: Ja, sehr. Ich hänge oft zwischen Höhen und Tiefen – das ist wohl typisch Schauspieler. Ich spüre Schmerz sehr tief und empfinde Emotionen sehr stark. Ich kann sehr melancholisch sein. Mein Beruf ist es, Geschichten von Menschen für Menschen zu erzählen. Und wenn man sich mit Menschen beschäftigt, gehört es dazu, sich mit deren Leid auseinanderzusetzen. Seit ich Familie habe, fallen mir manche Themen schon schwerer. Die erträgt man dann einfach nicht mehr. Gleichzeitig sind sie mein Anker und mein großes Glück.

 

 



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