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Schuld! Das neue "Verbrechen"

Nach dem TV-Hit "Verbrechen" setzt das ZDF mit dem Nachfolgeprojekt noch einen drauf: Der Star ist Moritz Bleibtreu und gezeigt wurde die Serie schon vor dem TV-Start!

Moritz Bleibtreu
Moritz Bleibtreu in "Schuld"

Die Musik dröhnt, das Bier fließt, alle grölen auf dem ländlichen Volksfest fröhlich durcheinander. Niemand hört die verzweifelten Hilferufe. Hinter der Bühne wird die 17-jährige Kellnerin von neun maskierten Männern vergewaltigt, anschließend eiskalt unter dem Bretterboden entsorgt. Das Fest bleibt ungestört. Bis sich bei einem der Männer das Gewissen regt, anonym meldet er die Tat der Polizei. – Friedrich Kronberg (Moritz Bleibtreu) wird als einer der Pflichtverteidiger für die Täter bestellt. Er boxt sie raus. Und lebt seitdem mit einer Schuld, die nicht nur im Anwaltstalar hängenbleibt...

„Volksfest“ geht unter die Haut. Wie alle Episoden in dem ZDF-Sechsteiler „Schuld“, in denen vor kaum etwas zurückgeschreckt wird. Wahre Kriminalfälle, die der Strafverteidiger Ferdinand von Schirach (50) minutiös in seinem gleichnamigen Bestseller protokolliert hat. „Allerdings habe ich aus rechtlichen Gründen Details und Tatorte so beschrieben, dass man sie meinen realen Fällen nicht zuordnen kann“, gibt von Schirach im Gespräch mit TV Movie zu.

Sechs Blicke in den Abgrund

Die Messlatte für „Schuld“ liegt hoch: Der Vorgänger-Sechsteiler „Verbrechen“, der 2013 ebenfalls nach Kurzgeschichten von Ferdinand von Schirach mit Josef Bierbichler (66) in der Hauptrolle entstand, erzielte Spitzenwerte von bis zu sieben Millionen Zuschauern. „Für ,Schuld‘ haben wird uns höchstmöglichen Realismus mit einer neuen Form der Filmästhetik auferlegt“, sagt Produzent Oliver Berben (43; „Das Zeugenhaus“), der beide Serien entwickelt hat. „Die sechs Fälle führen in Abgründe extrem gewalttätiger Kapitaldelikte und rücken die großen Emotionen in den Mittelpunkt.“

Dazu ist Berben ein genialer Besetzungs- Coup gelungen: Nach 16 Jahren im Kino holt er Moritz Bleibtreu erstmals wieder vor eine TV-Kamera. All das ist so kriminell außergewöhnlich, dass auch das ZDF sich etwas Besonderes überlegt hat: Erstmals stellte der Sender ab dem 6.2. (zwei Wochen vor TV- Start!) alle sechs Folgen der Serie in die ZDF-Mediathek. Kostenlos. Ein Test – wenn er gut ankommt, könnte das künftig öfter so laufen. (Text: Uta Tiedemann)

Für „Schuld“ hat er nach über 40 Kinofilmen umgestoßen, was er immer eine „Grundsatz­entscheidung“ nannte: fürs Kino zu arbeiten. Nadine Liese traf Moritz Bleibtreu (43) in seiner Heimatstadt Hamburg zum Interview:

Herr Bleibtreu, warum drehen Sie nach 16 Jahren wieder fürs TV?

Meine Entscheidung war nie gegen das Fernsehen, sondern immer eine fürs Kino. Außerdem war Oliver Berben nach Jahren der Erste, der mich wieder für eine TV­Rol­le gewinnen wollte. Und dann auch noch für „Schuld“, wo ich doch den Vorläufer „Verbrechen“ schon so außerordentlich und großartig fand. Beides Serien, die vor einigen Jahren so im deutschen Fernsehen noch undenkbar waren.

Sie spielen einen Strafverteidiger – wäre das auch ein Job für Sie?

Ich würde daran zerbrechen. Es gibt sicher keinen anderen Beruf, in dem man so leicht verdorben werden kann wie als Strafverteidiger. Nach mehreren Gesprä­chen mit Ferdinand von Schirach weiß ich, die haben den härtesten Job der Welt.

Wie meinen Sie das?

Die Crux an dem Job ist doch, Schuld juris­tisch­analytisch zu bewerten und mit dem eigenen moralischen Verständnis von Schuld in Einklang zu bringen – auf Dauer fast unerträglich.

Sehen wir Sie nach „Schuld“ jetzt wieder öfter im TV?

Ob Fernsehen, Kino oder Internet ist mir egal. Wenn die Story, die Machart und meine Rolle gut sind, bin ich dabei!


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