Nach Fan-Wut über RTL-Morgen: Jetzt hat das „Frühstücksfernsehen“ das Nachsehen
Der Neustart am RTL-Morgen sorgte für Ärger, während Sat.1 starke Quoten feierte. Monate später überrascht „Deutschland am Morgen“ nun mit einem kleinen Erfolg.

Als RTL im Mai seine „Punkt“-Magazine durch „Deutschland am Morgen“ ersetzte, stieß das bei Teilen des Publikums auf wenig Gegenliebe. Statt der vertrauten Mischung aus Boulevard, Service und Unterhaltung rückten Nachrichten stärker in den Mittelpunkt. Gemeinsam mit ntv stellte der Sender sein Morgenprogramm neu auf – und musste sich anschließend einiges an Kritik anhören.
Ausgerechnet das Sat.1-„Frühstücksfernsehen“ schien damals von der Unzufriedenheit zu profitieren. Nun gelang RTL jedoch ein überraschender Erfolg: Am Dienstag, dem 20. Oktober, lag „Deutschland am Morgen“ beim jungen Publikum vor der Konkurrenz. Allerdings lohnt sich ein genauer Blick auf die Zahlen.
„Deutschland am Morgen“: Nach dem „Punkt 6“-Aus gab es Fan-Frust
Vielen Zuschauerinnen und Zuschauer fehlte nach dem Umbau vor allem die lockere Atmosphäre ihrer bisherigen Morgenbegleitung. In den Kommentaren auf Instagram wurde die neue Sendung als zu nüchtern empfunden. Manche kündigten sogar an, künftig lieber zur Konkurrenz zu wechseln. RTL bat angesichts der Beschwerden um Geduld. „Neues braucht manchmal etwas Zeit, um zu wirken. Wir bleiben dran“, schrieb der Sender damals in der Kommentarspalte.
Zunächst hatte allerdings Sat.1 Anlass zur Freude: Wie DWDL Ende Mai berichtete, erreichte das „Frühstücksfernsehen“ im Mai mehr als 21 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen. Dass tatsächlich frühere RTL-Fans für diesen Erfolg verantwortlich waren, ließ sich daraus jedoch nicht sicher ableiten.
Für „Deutschland am Morgen“ blieb der große Durchbruch bei RTL in den folgenden Monaten aus. Laut dem aktuellen DWDL-Bericht sahen dort im Durchschnitt weniger als 200.000 Menschen zu.
RTL zieht beim jungen Publikum am Sat.1-„Frühstücksfernsehen“ vorbei
Am Dienstag sah das Kräfteverhältnis überraschend anders aus. Sowohl „Deutschland am Morgen“ bei RTL als auch das Sat.1-„Frühstücksfernsehen“ erreichten durchschnittlich 50.000 Menschen zwischen 14 und 49 Jahren. Beim Marktanteil hatte RTL dennoch die Nase vorn: 13,1 Prozent standen 11,6 Prozent bei Sat.1 gegenüber.
Wie passt das zusammen? Die Formate laufen unterschiedlich lange: Während RTL seine Morgensendung zwischen 6 und 9 Uhr zeigte, war das „Frühstücksfernsehen“ von 5:30 bis 10 Uhr auf Sendung. Der Marktanteil hängt davon ab, wie viele Menschen im jeweiligen Zeitraum insgesamt fernsehen. Deshalb können gleich hohe durchschnittliche Reichweiten zu unterschiedlichen Prozentwerten führen.
Für RTL war das ein vergleichsweise guter Morgen. Sat.1 blieb beim jungen Publikum dagegen unter dem sonst üblichen Niveau.
Beim Gesamtpublikum bleibt das „Frühstücksfernsehen“ deutlich vorn
Ein vollständiger Rollentausch war der Dienstag allerdings nicht. Insgesamt erreichte Sat.1 durchschnittlich 270.000 Zuschauer, während bei RTL 140.000 Menschen „Deutschland am Morgen“ einschalteten. Auch bei den 14- bis 59-Jährigen gewann Sat.1: Hier standen 10,8 Prozent Marktanteil für das „Frühstücksfernsehen“ den 6,9 Prozent von RTL gegenüber.
Zusätzlich verfolgten bei ntv durchschnittlich 53.000 Menschen „Deutschland am Morgen“. Beim Gesamtpublikum bedeutete das für den Nachrichtensender gute 2,0 Prozent Marktanteil. In der klassischen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen waren es 1,3 Prozent.
Nach dem holprigen Neustart kann RTL damit zumindest einen Achtungserfolg verbuchen. Ob „Deutschland am Morgen“ der Konkurrenz nun häufiger gefährlich wird, müssen die kommenden Ausgaben zeigen. Eine dauerhafte Trendwende lässt sich aus diesem einzelnen Morgen noch nicht ablesen.






