Fernsehen

Rick Goldmann: "Vorteil für die Kleinen"

Das Olympische Eishockey-Turnier in Sotschi fand ohne die DEB-Cracks statt – peinlich! Die wollen sich nun bei der Weltmeisterschaft in Weißrussland (ab 9.5., Sport1) rehabilitieren. In einer Gruppe mit Kasachstan, Lettland, Finnland, Schweiz, Weißrussland, Russland und den USA wird der Viertelfinaleinzug nicht leicht. TV Movie sprach vor dem Turnier mit Ex-Nationalspieler Rick Goldmann (38), Experte bei Sport1.

Herr Goldmann, was muss das realistische Ziel für die deutsche Nationalmannschaft bei der WM sein? Ist das Viertelfinale drin?

Rick Goldmann: Wenn ich mir die Gruppe anschaue, muss ich sagen: Es wird schwierig. Mit Finnland, Russland und den USA sind drei große Nationen in der Gruppe. Das DEB-Team müsste dann quasi die Schweiz schlagen und sich gegen die vermeintlich Kleineren, alle aus Osteuropa, keinen Ausrutscher erlauben. Aber ein vierter oder fünfter Platz ist durchaus realistisch in dieser Gruppe.
 
Auf welche Spieler kommt es in Minsk besonders an, wer sind die deutschen Leistungsträger?

Rick Goldmann: Leider hat Christian Ehrhoff abgesagt. Doch es kommen einige Spieler zurück, die letztes Jahr die WM verpasst haben. Wie Constantin Braun, Kai Hospelt und Alex Barta – sie sind wichtige und erfahrene Stützen der deutschen Nationalmannschaft.
 
Um Super-Talent Leon Draisaitl gibt es derzeit einen Riesen-Hype. Zu recht?

Rick Goldmann: Er zeigt wahnsinnig gute Ansätze, ist für einen 18-Jährigen sehr weit entwickelt in puncto Technik, Gespür für Eishockey und Spielübersicht. Ich hoffe, dass er bei der WM dabei ist, weil interessant sein wird zu sehen, ob er sich auf so hohem Niveau durchsetzen kann.
 
Trainer Pat Cortina peilt mittelfristig die Rückkehr in die Top 8 der Welt an. Ein realistisches Ziel?

Rick Goldmann: Das muss der Anspruch des deutschen Eishockeys sein. Aber es ist sicherlich in den letzten Jahren schwieriger geworden: Es gibt die sechs Top-Nationen, die marschieren vorne weg. Und die Schweiz hat einen riesigen Schritt gemacht und uns überholt. Unter den fünf, sechs Nationen dahinter geht es unheimlich eng zu, da kommt es fast nur auf die Tagesform an.
 
Was muss sich ändern, damit es mit der Nationalmannschaft wieder aufwärts geht?

Rick Goldmann: Erstens ist es wichtig, dass die Nationalmannschaft professionell geführt wird. Als Aushängeschild ähnlich wie im Fußball, mit eigenem Manager, mit eigenen wirtschaftlichen Mitteln. Und der zweite Punkt ist die Nachwuchsförderung. Ein großes Problem seit Jahren im deutschen Eishockey, dort besteht Nachholbedarf. Die Schweiz hat uns zuletzt gezeigt, wie es besser geht.
 
War die verpasste Olympia-Qualifikation ein heilsamer Schock?

Rick Goldmann: Das ist auf jeden Fall eine Extra-Motivation für die Spieler. Weil sie damit immer wieder konfrontiert werden und die WM jetzt eine Art Wiedergutmachung sein kann. Daher ist es auch in den Köpfen der Aktiven, dass die Augen auf sie gerichtet sind und dass mehr gefordert wird, als einfach nur dabei zu sein.
 
Wer sind die Favoriten auf den Titel?

Rick Goldmann: Interessant wird sein, wie Russland unter dem neuen Trainer Snaroks agiert nach der Enttäuschung bei Olympia in Sotschi. Geben sich die Russen als Einheit, zählen sie immer zu den Top-Favoriten. Auch die Schweden gehören als Titelverteidiger zum Kreis der Titelkandidaten. Aber es ist auch so, dass die kleinen Nationen im Olympiajahr einen Vorteil haben. Die großen Nationen kommen dann oft nicht mehr mit diesem Biss, der Extra-Motivation zur WM.

INTERVIEW: Thomas Hillmann


Tags:
Das könnte Sie auch interessieren
TV Movie empfiehlt