Fernsehen

Rettet Steffen Hallaschka den Samstagabend?

Steffen Hallaschka
Steffen Hallaschka

Am 21.9. versuchen Sie sich mit „Wie tickt Deutschland?“ erstmals als Moderator einer Live-Show am Samstagabend – oder wollen Sie damit nur wieder in die übergroßen Fußstapfen Ihres Vorgängers Jauch treten?
 
Ich werde bei allem, was ich fortan tue, nicht vermeiden können, dass es immer schon andere gab, die ähnliches getan haben. Aber wir haben lange überlegt, was im Bereich Show zu mir und meinen Qualitäten passt. Ich würde Leute ungern über einen Seifenparcours schicken – das ist nicht meine Disziplin. Jetzt haben wir eine Show entwickelt, die auch ein journalistisches Profil hat. Wir wollen mit repräsentativen Umfragen und Spielen ein Stimmungsbild abliefern, ein Gesellschaftsporträt von Deutschland. Es geht in den Quizfragen um Vorurteile, Ehrlichkeit, Sexualität – all das ist nicht ohne Relevanz.
 
Hatten Sie die Idee zur Show?
 
Nein, das ist eine Entwicklung von RTL und i & u, der Produktionsfirma von Günther Jauch. Und ich bin froh, dass man dabei an mich gedacht hat. Ich bin nun mal kein steppender Entertainer, der die Showtreppe runter tanzt.
 
Günther Jauch produziert ja auch „stern tv“. Wie können wir uns das vorstellen: Ruft er Sie an und rät Ihnen, wie Sie was machen sollen? Oder welche Fehler Sie gemacht haben?
 
Nein, da muss ich Sie enttäuschen. Günther Jauch hat eine große Qualität: Er ist ein wahnsinnig gelassener Mensch, der abgeben und loslassen kann. Vor „stern tv“ hat er mir alles Gute gewünscht und sich von da an vor allem um seinen Talk gekümmert. Ab und an gibt er ein Feedback, wenn er die Sendung gesehen hat. Über das neue Showformat haben wir konkret noch gar nicht gesprochen. Wenn wir uns sehen, reden wir über ganz andere Dinge – Teeküchengespräche. Ich bin nicht sein Schüler.
 
Wird „Wie tickt Deutschland?“ für Sie ein einmaliger Ausflug auf den Showsamstag sein?
 
Ich hoffe natürlich auf einen Erfolg. Außerdem bin ich ja bei einem Sender, der vor dem Lockruf einer guten Einschaltquote nicht die Ohren verschließt. 
 
Haben Sie Show-Vorbilder?
 
Glauben Sie es mir oder nicht: Aber als Jugendlicher habe ich beim Hausaufgabenmachen immer Bayern 3 mit Günther Jauch und Thomas Gottschalk gehört – nicht wegen der Musik, sondern  wegen der beiden. Das war Radio und Moderation, wie es mich interessiert hat. Das hat mich sicher geprägt. Und jetzt verrate ich Ihnen ein gut gehütetes Geheimnis: In meiner Garderobe in Köln hängt ein Original-Anzug von Thomas Gottschalk. Günther Jauch hat den mal in einer Rückblick-Sendung getragen und dann wurde der in meinem Schrank vergessen. An Karneval habe ich mir den Anzug dann mal ausgeliehen – er war mir etwas zu kurz, aber mit blonder Perücke sah ich fast so gut aus wie Gottschalk.
 
Wo ist Ihre Schmerzgrenze? Wann platzt Ihnen der Kragen?
 
Mir platzt da der Kragen, wo Menschen ignorant sind. Sätze wie: „Das ist doch nicht mein Problem“ gehören für mich auf den Index. Ohne menschliches Miteinander geht Zusammenleben nicht.
 
Für Ihre neue Show haben Sie sich für einen Test als Obdachloser verkleidet und an die Straße gesetzt. Wie war das?
 
Eine beklemmende Erfahrung. Aber mein Vorurteil, das ich damit austesten wollte, wurde enttäuscht. Ich bin tatsächlich auf mehr Hilfsbereitschaft gestoßen, als ich erwartet hatte.
 
Haben Sie denn immer Kleingeld in der Tasche?
 
Meistens. Tatsächlich nehme ich den Verkäufern von Obdachlosenzeitungen immer ein Exemplar ab und gebe ihnen einen Euro. Ich habe auch die Schirmherrschaft für eine Hamburger Obdachlosen-Tagesstätte in Altona übernommen, für die ich jetzt schon öfter bei Gameshows Gewinne einsammeln konnte. Für mich ein Weg, die Arbeit dort zu unterstützen.

INTERVIEW: Katharina Hofmann


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