Kino

Rassismusvorwürfe gegen Quentin Tarantino und „Once Upon a Time in Hollywood“

Quentin Tarantinos Darstellung von Kampfkunst-Legende & Schauspieler Bruce Lee wird von Kareem Abdul-Jabbar als rassistisch & verunglimpfend wahrgenommen.

Once Upon a Time in Hollywood Quentin Tarantino Brad Pitt
Ist Quentin Tarantinos Bruce Lee-Darstellung in "Once Upon a Time in Hollywood" rassistisch? Foto: Getty Images

NBA-Legende und Schauspieler Kareem Abdul-Jabbar hat seinem Ärger über Quentin Tarantinos Bruce Lee-Darstellung in seinem neusten Kinofilm „Once Upon a Time in Hollywood“ in seiner Kolumne in „The Hollywood Reporter“ Luft gemacht. Der Rekord-Basketballer, den eine Freundschaft zu Bruce Lee verband, prangert diese unter anderem als „rassistisch“ an und zeigt sich darüber äußerst enttäuscht.

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„Ich habe Bruce kennengelernt, als ich an der UCLA studiert habe, um mein Kampfsportstudium fortzusetzen, das ich in New York City begonnen hatte“, so Abdul-Jabbar in seinem Artikel. Daraufhin habe Lee ihm die Disziplin und Spiritualität der Kampfkunst nähergebracht, was maßgeblich dazu beigetragen habe, dass er zwei Jahrzehnte lang mit sehr wenigen Verletzungen in der NBA habe spielen können, erläutert Abdul-Jabbar zunächst seine Beziehung zu Bruce Lee. „Wir haben schnell eine Freundschaft sowie eine Schüler-Lehrer-Beziehung aufgebaut.“

Abdul-Jabbar, der betont, selbst Fan von Tarantinos Filmen zu sein, zeigt sich äußerst enttäuscht darüber, wie der Filmemacher Fakten verändert habe, um eine gute Geschichte zu erzählen. Dabei geht es ihm nicht nur um die gesamte Darstellung Lees im Film, sondern vor allem um eine Szene in „Once Upon a Time in Hollywood“, in der Brude Lee (gespielt von Mike Moh) am Set seiner Green Hornet-Serie damit angibt, Cassius Clay (alias Muhammad Ali) in einem Kampf bezwingen zu können. Nach einem Schlagabtausch wirft Stuntman Cliff Booth (gespielt von Brad Pitt) Bruce Lee schließlich gegen ein Auto und entlarvt ihn somit gewissermaßen als Aufschneider.

Auch Lees Tochter Shannon Lee hat die Darstellung in einem Interview mit der „Los Angeles Times“ als "respektlos" und "spöttisch" bezeichnet.

"Natürlich hat Tarantino die künstlerische Freiheit, Bruce so darzustellen, wie es ihm beliebt", so Abdul-Jabbar. „Aber auf solch schlampige und etwas rassistische Weise zu handeln, ist sowohl als Künstler als auch als Mensch eine Verfehlung. Das ist es, was die Bruce Lee-Szenen so enttäuschend macht, weniger auf der Fakten-Ebene, sondern eher als Fehltritt in Hinblick auf sein Kulturbewusstsein."

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Abdul-Jabbar gibt zudem an, Lee habe Zeit seines Lebens "leidenschaftlich darüber gesprochen, wie frustriert er über die stereotype Darstellung von Asiaten in Film und Fernsehen war". In Hollywoods Darstellung sei ihnen lediglich ein Platz in der Ecke „unergründlicher Bösewichte oder unterwürfiger Diener" eingeräumt worden. „Asiatische Männer wurden als geschlechtslose Accessoires zu einer Szene dargestellt, während die Frauen unterwürfig waren. So wurden auch afroamerikanische Männer und Frauen dargestellt, bis Sidney Poitier [damit brach].“ Bruce Lee habe dieses Image ändern wollen und sich für eine realistische Darstellung eingesetzt.  

"Deshalb stört es mich, dass Tarantino Bruce so eindimensional porträtiert", fährt Abdul-Jabbar fort. „Die John Wayne-Macho-Haltung von Cliff (Brad Pitt), einem alternden Stuntman, der den arroganten, hochmütigen Chinesen besiegt, geht auf die Klischees zurück, die Bruce zu dekonstruieren versuchte.“ Tarantinos Film vermittle allerdings eine gegenteilige Botschaft: „Natürlich kann der blonde, weiße Muskelprotz-Amerikaner [den asiatischen Kerl] besiegen, weil dieser fremde Mist hier eben nicht zieht.“

Nach Shannon Lees Kritik hatte sich Tarantino auf einer Pressekonferenz in Moskau zu der Angelegenheit geäußert und Bruce Lee als „arroganten Typ“ bezeichnet. Seine Darstellung des Kampfkünstlers und Schauspielers verteidigte er, indem er betonte, Bruce Lee habe Zeit seines Lebens in der Tat Aussagen getätigt, die der seiner Film-Figur nahegekommen seien.

"Ich habe nicht viel dazu erfunden", so Tarantino. „Ich hörte ihn so etwas sagen hören. Die Leute behaupten: ‚Nun, er hat nie gesagt, dass er Muhammad Ali verprügeln könnte.‘ Doch, das hat er! Hätte Cliff Bruce [Bruce] Lee verprügeln können? Brad hätte Bruce Lee nicht schlagen können, Cliff vielleicht schon. Wenn Sie mir die Frage stellen: ‚Wer würde in einem Kampf gewinnen, Bruce Lee oder Dracula?‘, kommt das aufs Gleiche hinaus. Er ist eine fiktive Figur. Wenn ich sage, Cliff könnte Bruce Lee verprügeln, dann könnte er Bruce Lee verprügeln, weil er eine fiktive Figur ist.“

Zu Kareem Abdul-Jabbars Kritik äußerte sich der Filmemacher bislang noch nicht. Fans und Kritiker wiesen jedoch darauf hin, dass die besagte Szene nicht versuche, reale Ereignisse abzubilden, sondern aus Sicht von Brad Pitts Figur Cliff Bruce erzählt werde und somit ebenfalls in die Kategorie Aufschneiderei seitens des Stuntmans fallen könne.

Kareem Abdul-Jabbar ist in seiner Kolumne dennoch daran gelegen, das Andenken an Bruce Lee zu wahren und sein Image wieder ins richtige Licht zu rücken: „Ich war mehrere Male mit Bruce [unterwegs], als irgendwelche Idioten Bruce lautstark zu einem Kampf herausgefordert haben. Er lehnte immer höflich ab und ging weiter“, so der ehemalige NBA-Spieler. „Die erste Regel von Bruces Fightculub war, nicht zu kämpfen - es sei denn, es gibt keine andere Option. Er hatte kein Bedürfnis, sich zu beweisen. Er wusste, wer er war und dass der wahre Kampf nicht auf der Matte stattfand, sondern auf der Leinwand, und zwar um Asiaten die Möglichkeit zu geben, mehr als nur grinsende Klischees zu sein. Leider bevorzugt es ‚Once Upton a Time in Hollywood‘ sich der alten [Klischees] zu bedienen.“

Auszüge der besagten Bruce Lee-Szenen sind im Trailer zu "Once Upon a Time in Hollywood" enthalten:

 
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