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Princess Charming: Damit unsere Enkel nicht mehr wissen, was ein Outing ist

Die erste Staffel „Princess Charming“ war gleichzeitig auch die erste lesbische Dating-Show, die weltweit jemals ausgestrahlt wurde. Warum die Sendung für junge Menschen interessant und für ältere vielleicht sogar unverzichtbar ist. Ein Kommentar von Eileen Meinke.

Princess Charming Irina Schlauch und Lou
Bei „Princess Charming“ suchte Irina (links) nach der großen Liebe und fand dabei so viel mehr. Foto: TVNOW
Inhalt
  1. Princess Charming: Es ist Zeit Tabus zu brechen 
  2. Princess Charming: Offene Worte vs. Diskriminierung 
  3. Princess Charming: Leidenschaft und körperliche Auseinandersetzungen
  4. Princess Charming: Fazit
  5. Princess Charming: Enkel, die nicht mehr wissen, was ein Coming-Out ist

„Egal welches Geschlecht, die Liebe zwischen zwei Menschen kann einfach nur etwas wundervolles sein", so eröffnete die „Princess“ Irina Schlauch in der ersten Folge ihre Liebesreise. Und was für eine Reise es war. Es war bunt, es war laut, leise, überraschend, traurig und vor allem: Eine Premiere. Denn mit „Princess Charming“ wurde auf TVNOW die erste lesbische Dating-Show weltweit ausgestrahlt. Und es war an der Zeit, denn die Sendung hat gezeigt, dass es noch Redebedarf gibt. 

Irina Schlauch / Princess Charming
Irina war die erste „Princess“. Sie wollte dadurch nicht nur die große Liebe finden, sondern auch andere dazu ermutigen zu ihrer Homosexualität zu stehen. Foto: TVNOW / René Lohse
 

Princess Charming: Es ist Zeit Tabus zu brechen 

Lesbischer Sex - für viele noch ein Tabuthema. In Folge 6 räumten Irina und die anderen Kandidatinnen genau deshalb mit Klischees auf. Sie zeigten damit, dass Gespräche über sexuelle Vorlieben kein Tabu sein müssen, auch nicht im Fernsehen. Ganz offen sprachen sie über ihre Vorlieben und versuchten dem Hetero-Publikum zu vermitteln, dass es für guten Sex nun wirklich keinen Mann und auch keinen Penis braucht. „Auf einer Skala von 1 bis 10, wie gern leckt ihr?“, fragte Irina die anderen Kandidatinnen bewusst ganz direkt. Nachdem beinahe alle „10“ geantwortet hatten und sich das Grinsen nicht verkneifen konnten, tauschten sie sich noch über ihre liebsten Sex-Stellungen und Sextoys aus. Doch in der Folge erfuhren wir nicht nur viel über die Vorlieben der Kandidatinnen und offenen Umgang mit Sex, sondern auch darüber, wie unterschiedlich sie alle sind. Insgesamt zeigte sich auch hier, wie so oft in der Sendung, dass die Teilnehmerinnen gut ausgewählt wurden. Sie alle trugen durch ihre teils sehr unterschiedliche Art dazu bei, im Laufe der Wochen viele verschiedene Facetten lesbischer Liebe zu repräsentieren.  

 

Princess Charming: Offene Worte vs. Diskriminierung 

Da wäre zum Beispiel Gea, die sich als non-binär definiert. „Das heißt, dass ich mich weder als Mann, noch als Frau fühle“, erklärte die 28-Jährige Berlinerin. Gea polarisierte durch einige ihrer Aussagen während der Sendung. Vor allem eine davon stieß bei einigen Kandidatinnen auf Unverständnis: „Wenn man auf Frauen steht, dann steht man auch auf Frauen mit Trans-Hintergrund. Wenn man das ausschließt, ist das eine Form der Diskriminierung und Transfeindlichkeit.“ Das entfachte eine Diskussion zwischen den Teilnehmerinnen, wo sexuelle Präferenzen enden und Diskriminierung anfängt. Auch wenn sie sich nicht wirklich einigen konnten, zeigte dieser Moment eindrücklich, wie wichtig es ist offen über Dinge zu sprechen und andere Meinungen auszuhalten

Princess Charming Irina und Lou
Lou bekam von Irina die letzte Kette. Doch das war gar nicht unbedingt das Highlight der Staffel. Foto: TVNOW
 

Princess Charming: Leidenschaft und körperliche Auseinandersetzungen

Darin waren die Kandidatinnen die ganze Staffel über ziemlich gut. Bis auf einen Vorfall in Folge 1, bei dem es zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen Sonja und Ulrike kam, ging es sehr friedlich zu. Die Teilnehmerinnen wurden nach der Folge direkt nach Hause geschickt und RTL entschied sich, die Szenen nicht auszustrahlen. Eine Vorgehensweise, die der Sendung sehr gut tat. Denn die Staffel hob sich von anderen Kuppelshows ab. Statt Streit und Eskalationen, gab es ein freundschaftliches, teils auch sehr liebevolles Miteinander. Dass gipfelte in Folge 7 darin, dass Finalistin Elsa alle anderen Teilnehmerinnen leidenschaftlich küsste. So viel Zuneigung unter den Kandidaten gab es noch in keinem anderen vergleichbaren Format! Auch nicht bei dem männlichen Ableger „Prince Charming“

 

Princess Charming: Fazit

Was auch auffällt, ist, dass eine neue Dynamik entsteht, wenn die Teilnehmer in der Villa auch Interesse an der Konkurrenz entwickeln könnten. Aber das ist nicht neu, so war es bei „Prince Charming“ schon und so war es auch jetzt in der ersten Staffel „Princess Charming“. Hier bahnte sich kurzzeitig eine Dreiecksbeziehung zwischen Bine, Saskia und Iry an.

Bei all den Botschaften und dem harmonischen Miteinander ging Irinas Liebesreise fast ein bisschen unter. Am Ende entschied sie sich für die 21-jährige Lou, das war aber auch schon einige Folgen vor dem großen Finale sehr absehbar. Weil der Konkurrenzkampf insgesamt eher harmonisch verlief, war der Spannungsfaktor in dieser Staffel somit auch nicht wirklich so hoch wie bei vergleichbaren Dating-Formaten. Dafür bekamen die Zuschauer aber ganz viel anderes. Sie sahen, wie vielfältig lesbische Liebe sein kann. Die Kandidatinnen ihrerseits zeigten, dass sie sich nicht länger verstecken müssen - und sollten. Miri fand während des großen Wiedersehens besonders schöne Worte dazu: „Ich selbst hatte keine lesbischen Vorbilder. Ich hoffe wir können das mit dieser Sendung nun für viele Jugendliche da draußen ändern".  

 

Princess Charming: Enkel, die nicht mehr wissen, was ein Coming-Out ist

Und das braucht es auch. Der berührendste Moment der Staffel war vielleicht jener, in dem Kandidatin Wiki ein selbstgeschriebenes „Coming Out“-Gedicht vorlas: „Ich träume davon - und ich weiß, wir sind irgendwann da - dass wir unseren Enkelkinder erzählen müssen, weil sie es einfach nicht wissen, was ein verf*cktes Outing war“. Irina und alle anderen hatten Tränen in den Augen, die wohl auch jedem Hetero-Zuschauer deutlich vermittelten, dass schwierige Coming-Outs und Ablehnung definitiv noch ein aktuelles Thema sind.

Auf die Frage, was sich in der Gesellschaft noch ändern muss, damit Coming-Outs oder Homophobie kein Thema mehr sind, sagte „Princess“-Irina: „Die jungen Menschen heutzutage sind schon viel toleranter und offener, da ist Homosexualität oft kein Thema mehr. Ich hoffe wir erreichen mit der Sendung Menschen, bei denen das noch nicht angekommen ist". Das wünschen wir uns auch. Deshalb freuen wir uns schon jetzt auf die erst kürzlich bestätigte 2. Staffel von „Princess Charming. Wenn ihr selbst die erste Staffel „Princess Charming“ mit Irina noch einmal Revue passieren lassen wollt, könnt ihr hier jederzeit alle Folgen auf TVNOW streamen.

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