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Patrick Lindner in "Die Herzblut-Aufgabe" | "Pflegekräfte brauchen mehr als Applaus"

Der beliebte Sänger durchlief für die SAT.1-Reihe Reihe „Die Herzblut-Aufgabe“ ein Praktikum im Krankenhaus.

Patrick Lindner
Sänger Patrick Lindner arbeite auf einer HNO-Station des Klinikums Berlin-Buch. Foto: SAT.1 / André Kowalski

Ab dem kommenden Montag, 18. Oktober, zeigt SAT.1 jeweils zur Primetime die fünfteilige Reportage-Reihe „Die Herzblut-Aufgabe“.

Für die Dreharbeiten, die den Alltag von Pflegekräften in Deutschland dokumentieren, absolvierten Wayne Carpendale, Jenny Elvers, Faisal Kawusi, Lilly Becker, Jorge González und Patrick Lindner jeweils ein vierwöchiges Praktikum in einem Berliner Krankenhaus. Auf einen Crash-Kurs inklusive praktischem Abschlusstest folgten vier Wochen Arbeit auf Station.

 

„Die Herzblut-Aufgabe“ will den realen Klinikalltag zeigen

Patrick Lindnder
Patrick Lindner war mit ganzem Herzen bei der Sache. Foto: SAT.1 / André Kowalski

„Uns war es wichtig, nicht als Promis aufzutreten, die Musik machen oder in Filmen mitspielen. Wir wollten einfach zum Team gehören. Während unsere Zeit im Krankenhaus hatten wir neben unseren Mentoren auch viel Kontakt mit anderen Pflegern und den Ärzten“, erzählt uns Sänger und Musiker Patrick Lindner (61) im Interview zum Sendestart. Allen Beteiligten sei wichtig gewesen, dass „Die Herzblut-Aufgabe“ am Ende keinen Spielfilmcharakter hat, sondern die Realität zeigt.

TV Movie Online: Herr Lindner, Sie haben ihre Mutter während ihrer letzten Lebensjahre zuhause gepflegt. Haben Sie sich anfangs mit dieser Aufgabe überfordert gefühlt?

Patrick Lindner: „Ich glaube, es ist ganz normal, dass man zuerst unsicher ist. Man möchte nichts falsch machen. Aber ich habe auch schnell dazugelernt, Routine bekommen. Leider entspricht es heute eher dem Zeitgeist, Aufgaben wie die Pflege von Angehörigen nur zu delegieren, um selbst möglich wenig Berührungsunkte mit Krankheit und Tod zu haben. Wir schieben diese Themen nur allzu gern weg. Ich hoffe, dass hier die Generationen und Familien wieder näher zusammenrücken, auch um die Pflege zu entlasten.“

TV Movie Online: Hat die Pandemie Ihren Blick auf die Pflege in Deutschland noch einmal verändert?

Lindner: „Das gesamt letzte Jahr hat uns alle daran erinnert, wie wichtig die Pflegeberufe sind, aber auch an den Fakt, dass die Fachkräfte maßlos unterbezahlt sind. Bei 2500 Euro Brutto-Gehalt für Berufsanfänger kann ich verstehen, dass sich viele junge Leute beruflich anders orientieren. Hier steckt ein Appell an die Politik: Seit der Zivildienst weggebrochen ist, fallen auch viele Hilfskräfte im Gesundheitswesen weg. Man könnte beispielsweise darüber nachdenken, einen verpflichtenden sozialen Dienst für junge Leute einzuführen. Und wenn nur für drei bis sechs Monate. Davon könnten beide Seiten profitieren. Ich glaube, dass junge Menschen viel Wertvolles für ihr weiteres Leben aus so einer Erfahrung mitnehmen würden. So wie wir aus den vier Wochen Praktikum.“

TV Movie Online: Wurden Sie im Krankenhaus immer sofort erkannt?

Lindner: „Nein, schließlich trugen wir Corona-bedingt Masken. Faisal Kawusi, der auf der Geriatrie arbeitete, ist sicherlich eher der jüngeren Zielgruppe ein Begriff, wogegen mich die Leute auf seiner Station häufiger kannten. Eines Tages kam er zu mir und sagte: ‘Mensch, Patrick, ich wusste gar nicht, dass du ein richtiger Rockstar bist! Einer der Patienten bei uns würde dich so gerne kennenlernen.‘ Die folgende Begegnung war sehr rührend. Es ist schön, Menschen ein positives Gefühl geben zu können. Mit Musik genauso wie mit der Arbeit im Krankenhaus. Dennoch habe ich geweint, als ich an diesem Abend zuhause war.“

TV Movie Online: Fiel Ihnen die Arbeit auf Station schwer?

Lindner: „Ich war auf einer HNO-Station mit onkologischem Schwerunkt und erlebte viele Patienten über einen längeren Zeitraum. Von der Ankunft im Krankenhaus bis zur OP und danach. Viele waren verängstigt. Ich habe oft mit ihnen gelitten. Aber man erlebt eben auch viel Schönes, nämlich wie sich alles schrittweise wieder ins Positive umkehrt. Da war beispielsweise eine junge Frau, die einen schwereren Eingriff an der Schilddrüse vor sich, und furchtbare Angst hatte, nach dem Eingriff nicht wie vorher sprechen zu können. Für sie brach eine Welt zusammen. Einige Tage später kam ich in ihr Zimmer. Da konnte sie schon wieder aufstehen und saß auf einem Stuhl. ‘Herr Lindner‘, sagte sie, ‘meine Mutter kann gar nicht glauben, dass Sie hier sind. Können wir vielleicht ein Foto zusammen machen?‘ Auch diesen schönen Moment werde ich so schnell nicht vergessen.“

TV Movie Online: Gelang es Ihnen, Ihre Erlebnisse nach Dienstschluss im Krankenhaus zu lassen?

Lindner: „Pflege ist kein Job, den man nach seiner Schicht beim Pförtner abgibt. Teils war ich nach einem Praktikumstag so fertig, dass ich um 19 Uhr todmüde ins Bett fiel. Natürlich nimmt man die Geschichten von Station mit nach Hause, die Schicksale der Menschen.“

„Die Herzblut-Aufgabe“ will Anlass sein, hinzugucken!

TV Movie Online: Was ist Ihr Resümee nach den vier intensiven Wochen auf Station?

Lindner: „Pflegekräfte leisten trotz geringer Bezahlung mental und körperlich so viel - und gehen trotzdem nicht in den Streik. Sie können ihre Patienten ja nicht im Stich lassen. Wirklich: Einmal am Tag für sie zu applaudieren reicht als Wertschätzung für ihre Arbeit lange nicht aus. Durch unsere Teilnahme an ‘Die Herzblut-Aufgabe‘ möchten wir alle weiter Aufmerksamkeit für dieses Problem schaffen. Die Pflegeberufe müssen besser bezahlt und anerkannt werden. Ich selbst komme aus einem der geburtenstarken Jahrgänge. Klar frage ich mich manchmal, wie es sein wird, wenn ich mal nicht mehr kann.:.“

Interview: Maryanto Fischer

„Die Herzblut-Aufgabe“ startet am kommenden Montag, 18. Oktober, um 20.15 Uhr auf SAT.1. Insgesamt sind fünf Folgen geplant, die jeweils montags zur Primetime ausgestrahlt werden.

 
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