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Oliver Kahn im TV Movie-Interview

TV Movie-Redakteur Thomas Hillmann sprach mit Oliver Kahn
TV Movie-Redakteur Thomas Hillmann sprach mit Oliver Kahn

Bayern, Dortmund, Bayer, Schalke: Champions-League-Experte Oliver Kahn spricht in TV Movie über Chancen, Favoriten – und Speckröllchen

Herr Kahn, ist eine Traumsaison wie die letzte wieder möglich: drei deutsche Teams im Achtelfinale, zwei davon im Finale?

Oliver Kahn: Ja, indem wir vier Teams im Halbfinale hätten (lacht). Ich glaube nicht, dass das eine zufällige Konstellation war. Borussia Dortmund ist nicht glücklich ins Finale vorgedrungen, sondern mit außergewöhnlichem Fußball. Der FC Bayern sowieso. Die Frage ist eher: Wo sind Leverkusen und Schalke anzusiedeln? Für Bayer ist eine starke Phase wie 2002 jederzeit wieder drin, bei Schalke bin ich eher skeptisch.

Bayern ist als Titelverteidiger automatisch Favorit. Wer noch?

Ich glaube, dass Barcelona seine absolute Superzeit hinter sich hat. Bei Manchester United muss man erstmal sehen, wie der neue Trainer David Moyes dort klarkommt – Ferguson hat ja aufgehört. Chelsea spielt wieder unter Mourinho, ist aber im Umbruch. Es gibt keine Übermannschaft in Europa, die eine deutsche Mannschaft fürchten müsste.

Bayern hat ebenfalls einen neuen Coach: Verändert Pep Guardiola zu schnell zu viel?

Der nachhaltige Bayern-Erfolg braucht auch immer Veränderung, neue Vorstellungen. Die Frage ist: Wie schnell schafft die Mannschaft es, das Guardiola-System, das auf offensive Mittelfelddominanz ausgerichtet ist, auch defensiv zu verstehen? Wie kann sie Löcher, die in diesem System automatisch entstehen, schnell wieder schließen? Ich glaube, dass das Team mit so vielen intelligenten Spielern diese Aufgabe gelöst bekommt.

Kann Dortmund den Coup der letzten Saison wiederholen?

Der BVB ist mittlerweile ein Top-Club: Die Mannschaft hat Erfahrungen gemacht, sie hat das Finale erreicht, weil sie ein außergewöhnliches Kollektiv ist. Das noch gezielt verstärkt wurde mit Mchitarjan und Aubameyang. Dass Jürgen Klopp ein großer Trainer ist, hat sich herumgesprochen: Er ist ein Starkmacher, ein Potenzialentwickler. Der frühere Expertenjob beim ZDF hat ihm da auch geholfen.

Inwiefern?

Was man als Experte von der analytischen Seite lernt, davon profitiert man. Zudem verbesserst du dich im Umgang mit den Medien – wichtig heute. Weil du das Mediengeschäft auch von der anderen Seite kennenlernst.

Sprechen Sie sich mit den ZDF-Moderatoren Jochen Breyer und Oliver Welke vor der Sendung ab oder lassen Sie sich von den Fragen überraschen?

Das komplette Überraschen macht nach dem Spiel Sinn, wenn es an die Analyse geht. Vor dem Spiel setzt man sich zusammen und diskutiert die Themen. Auch ich gebe ja viel rein: Für mich ist es wichtig, mich an meine Zeit als Fußballer zu erinnern. Mich in die Trainer hineinzudenken, um Dinge zu sehen, die man nur sieht, wenn man das Spiel selbst mal gespielt hat.

Sie selbst sind jetzt seit fünf Jahren aus dem Profifußball raus. Wie halten Sie sich seitdem fit?

Die ersten Jahre nach der aktiven Zeit habe ich noch viel gemacht, heute habe ich nicht mehr so viel Zeit. Ich mache meine Waldläufe, Gymnastik, gehe in den Kraftraum, Mobilität, Stabilität, um den Körper beweglich zu halten. Ab und zu spiele ich eine Runde Golf.

Neben dem Experten-Job im ZDF sind Sie nun auch Botschafter von Weight Watchers. Etwas überraschend: Wie kam es dazu?

Nach dem Karriereende als aktiver Sportler isst du erstmal so weiter wie bisher – viele Kohlehydrate. Das geht aber nicht, weil du die Belastungen nicht mehr hast. Ich habe angefangen zu studieren, mein eigenes Unternehmen aufgebaut – viel Kopfarbeit im Büro. Ehe du dich versiehst, spannts hier und da ein bisschen. Als die Weight Watchers irgendwann in meinem Büro saßen, um mich als Partner zu gewinnen, dachte ich: Hat man das  im Fernsehen etwa gesehen? Erst da wurde mir das Thema Ernährung wieder bewusst…

Mit Erfolg?

Als ich begonnen habe, mich mit Weight Watchers zu beschäftigen – Weight Watchers online für Männer plus der App –, hatte ich mein Gewicht nach vier bis fünf Monaten wieder da, wo ich mal gewesen bin. Jetzt war ich vier Wochen im Urlaub und habe nicht zugenommen! Ohne dass ich die App benutzt hätte – die hat sich in meinem Kopf verselbständigt. Ich finde es Klasse, dass ich in einem Jahr soviel über Ernährung gelernt habe, dass ich jetzt wirklich genau weiß, was ich mir gönnen darf und was nicht. Letztlich ernähre ich mich jetzt bewusst – und es ist alles erlaubt.

Die Disziplin als Leistungssportler hilft beim Abnehmen aber schon, oder?

Man braucht zum Abnehmen nicht die Disziplin eines Hochleistungssportlers. Aber eine gewisse Selbstdisziplin ist natürlich schon vonnöten.

Hat sich im Laufe ihrer langen Karriere das Thema Ernährung im Verein und in der Nationalmannschaft verändert?

Ernährung spielte immer eine Rolle, das Gewicht wurde regelmäßig kontrolliert. Was wir gegessen haben, änderte sich in diesen zwanzig Jahren kaum. Allenfalls, dass die Kohlenhydratzufuhr heute direkt nach dem Spiel stattfindet. Du kommst vom Platz in die Kabine der Nationalmannschaft und das stehen sofort Nudeln. Weil die Regeneration so schneller von statten geht, wenn die Kohlehydratspeicher sofort wieder aufgeladen werden.

INTERVIEW: Thomas Hillmann

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