VOD

"München - Im Angesicht des Krieges": So relevant ist der Netflix-Film für heutige Konflikte | Interview

Im neuen Netflix-Film "München - Im Angesicht des Krieges" versuchen zwei Spione den zweiten Weltkrieg zu verhindern. Im Interview verraten Regisseur Christian Schwochow und Hauptdarsteller George MacKay und Jannis Niewöhner, warum die Beschäftigung mit der Geschichte auch heute noch so wichtig ist.

Affiliate-Hinweis für unsere Shopping-Angebote
Die genannten Produkte wurden von unserer Redaktion persönlich und unabhängig ausgewählt. Beim Kauf in einem der verlinkten Shops (Affiliate-Link) erhalten wir eine geringfügige Provision, die redaktionelle Selektion und Beschreibung der Produkte wird dadurch nicht beeinflusst.
muenchen-im-angesicht-des-krieges
Hugh und Paul wollen den Ausbruch des Krieges verhindern. Foto: Frederic Batier / Netflix
Inhalt
  1. "München - Im Angesicht des Krieges": Darum geht es im neuen Netflix-Film
  2. Regisseur Christian Schwochow: "Auch unsere Demokratie kann Risse bekommen"
  3. Hauptdarsteller Jannis Niewöhner: Verbindung zum 2. Weltkrieg durch seine Großeltern
  4. Hauptdarsteller George MacKay: "Miteinander zu diskutieren, ist gesund"

Es gibt bereits so einige Filme, die sich mit dem zweiten Weltkrieg beschäftigen. Auch die neue Netflix-Produktion "München - Im Angesicht des Krieges", der ab morgen beim Streaming-Anbieter verfügbar ist, tut dies. Und doch wird hier eine neue Perspektive auf die Zeit vor dem Ausbruch des Krieges gezeigt.

 

"München - Im Angesicht des Krieges": Darum geht es im neuen Netflix-Film

Mittelpunkt des Thrillers ist die Münchener Konferenz von 1938, bei der Großbritannien, Frankreich, Italien und das Deutschen Reich in einem Abkommen festhielten, dass die Tschechoslowakei das Sudetenland an Hitler abtreten muss. Das Ziel - vor allem vom britischen Premierministers Chamberlain (großartig gespielt von Jeremy Irons) - ist es mittels Diplomatie eine friedliche Lösung des Konflikts zu finden.

Auch interessant:

Dass die Zuschauer:innen wissen, dass dieser Plan letztendlich scheitert und somit das Ende des Films eigentlich kennen, sieht Regisseur Christian Schwochow (unter anderem "The Crown") nicht als Nachteil. "Ich fand es interessant, eine Situation zu zeigen, bevor ein Konflikt ausbricht und die Frage zu stellen ‚Was ist unsere Verantwortung, von jedem einzelnen?‘", so Schwochow im Interview mit TV Movie Online.

 

Regisseur Christian Schwochow: "Auch unsere Demokratie kann Risse bekommen"

Der Film sei auch auf die heutige Zeit übertragbar. "Ich habe das Gefühl, dass es auch in der Welt von heute Konflikte gibt und wir uns auch hier in Deutschland immer sehr sicher fühlen. Aber auch unsere Demokratie kann Risse bekomme. Und da stellt sich die Frage: ‚Wo sind wir da als Einzelner und wie können wir dem entgegenwirken?'", erklärt der Filmschaffende. Zudem sei ihm wichtig gewesen mit Chamberlain einen Politiker zu zeigen, der daran glaube, "dass man mit Diplomatie Blut vergießen verhindern kann."

christian-schwochow
Christian Schwochow am Set des Films. Foto: Frederic Batier / Netflix

"München - Im Angesicht des Krieges" ist aber nicht nur eine Rückschau auf ein reales Ereignis. Die Verfilmung des Buches von Robert Harris zeigt auch die Geschichte der zwei Freunde Hugh und Paul, gespielt von George McKay und Jannis Niewöhner. Der eine arbeitet für den britischen Premierminister, der andere kämpft in Deutschland als Mitglied einer Widerstandszelle gegen Hitler. Als Spione versuchen die Beiden auf der Konferenz Hitler aufzuhalten.

Auch für George MacKay (unter anderem "1917") hat der Film eine große Relevanz für die heutige Zeit. "In dem Moment, in dem wir uns gerade befinden, in dem sich in dieser Welt so viel ändern müsste – politisch wie sozial – und es die entsprechende Politik auch gibt, stellen wir uns auch die Frage: Gehe ich auf die Straße und protestiere? Wie ändern wir die Gesetze? Was braucht es für eine Bewegung? All diesen Fragen geht der Film auf den Grund", so der Mime im Interview mit TV Movie Online.

jannis-niewoehner-muenchen
Paul (Jannis Niewöhner) will Hitler aufhalten. Foto: Frederic Batier / Netflix

In dem Sinne könne der Film auch einen weiteren Zugang zu Geschichte liefern, erklärt Schauspieler Jannis Niewöhner im Interview. Auch er selbst habe manchmal kein wirkliches Interesse an Historischem. Das ändere sich jedoch, wenn er sich in die Geschichten hineinversetzen kann. "Und das kann ich durch Hugh oder Paul oder Lena. Durch Freundschaft, die passiert. Durch Liebeskummer auf eine Art. Durch Verantwortungsbewusstsein, was jemand verspürt und Figuren, die nicht so weit weg von einem selbst scheinen, weil sie der englische Premierminister waren oder Adolf Hitler."

 

Hauptdarsteller Jannis Niewöhner: Verbindung zum 2. Weltkrieg durch seine Großeltern

"München - Im Angesicht des Krieges" ist eine deutsch-britische Koproduktion. Die Zusammenarbeit mit dem deutschen Team habe ihm eine neue Perspektive auf das Thema gegeben, erzählt George MacKay: "Ich habe erkannt, wie einseitig die Geschichten, die ich in der Schule gelernt habe, sind. Es ist nicht bewusst manipuliert worden, aber es war eine einseitige Betrachtung der Geschehnisse. Mit deutschen Kreativen zu arbeiten hat meine Perspektive verändert, in dem Sinne, die Nuancen zu verstehen."

Während der 29-Jährige sich im Schulunterricht mit dem Thema auseinandergesetzt hat, hat sein Kollege Jannis Niewöhner die Verbindung zu der Geschichte vor allem durch seine Großeltern. "Das ist ein großer Teil meines Lebens. Mein Opa war im Krieg und all meine Großeltern haben den Krieg mitbekommen. Ihre Geschichten tragen zu dem Bild und dem Gefühl bei, das ich zu dieser Zeit habe", betont der Darsteller.

Von Faschismus geht auch heute eine Gefahr aus - Christian Schwochow hat das mit seinem Film "Je suis Karl", in dem Jannis Niewöhner die Hauptrolle verkörpert, im vergangenen Jahr eindrucksvoll auf die Leinwand gebracht. In dem Streifen geht es um die neuen Rechten und ihren manipulativen Methoden, mit denen sie junge Leute auf ihre Seite ziehen.



"Mir macht extrem Angst, dass wir in einer Welt leben, in der Menschen Anführer-Positionen für sich proklamieren. Diese Menschen denken, sie wüssten die Wahrheit und sie möchten, dass Anhänger:innen ihnen folgen. Das beunruhigt mich wirklich", gesteht der Regisseur.

 

Hauptdarsteller George MacKay: "Miteinander zu diskutieren, ist gesund"

Auch die Frage, wie wir miteinander umgehen und diskutieren, treibe ihn um, so Schwochow. "Ich habe die Hoffnung, dass meine Filme das ausdrücken können. Wie Paul und Hugh miteinander diskutieren, das wünsche ich mir. Dass man miteinander redet, ohne dass es den Anspruch gibt, das es ein Richtig und ein Falsch gibt."

george-mackay
George MacKay spielt den britischen Spion Hugh. Foto: Frederic Batier / Netflix

Tatsächlich schaffen es Hugh und Paul trotz ihrer unterschiedlichen Ansichten und Vorgehensweisen freundschaftlich verbunden zu bleiben und sich die Meinung des anderen anzuhören. Eine besondere Stärke des Films, findet auch George MacKay. "Hugh und Paul erkennen, dass miteinander zu diskutieren gesund ist, solange der Standpunkt des anderen respektiert wird. Das Problem momentan ist: Sobald jemand etwas sagt, ist er mit dieser Meinung gebrandmarkt. Und deshalb haben die Menschen Angst, ihre Meinung zu sagen", betont der Brite. Das bedeute nicht etwa, dass diese Ansichten richtig seien, dennoch sei es wichtig, Dinge zu hinterfragen.

"München - Im Angesicht des Krieges" streamt ab dem 21. Januar bei Netflix.

 


*Affiliate Link



Tags:
Das könnte Sie auch interessieren
TV Movie empfiehlt