Sport

MotoGP am Sachsenring: Eve Scheer über Stefan Bradls Chancen

Am Wochenende ist die MotoGP zu Gast am Sachsenring. Wir haben mit Rennfahrerin und ServusTV-Moderatorin Eve Scheer über Stefan Bradls Chancen gesprochen. 

Eve Scheer
Eve Scheer ist seit dieser Saison Moderatorin bei der MotoGP Foto: Neumayr

Frau Scheer, Sie waren selbst Auto-Rennfahrerin und sind auch schon auf dem Sachsenring gefahren. Sind Sie auch schon mal mit dem Motorrad auf dem Sachsenring gefahren? 

Eve Scheer: "Nein, auf dem Sachsenring tatsächlich noch nicht. Mit dem Motorrad kenne ich zum Beispiel Hockenheimring und Brünn, letzterer ist ja auch Teil des MotoGP Kalenders. Den Sachsenring kenne ausschließlich auf vier Rädern (lacht), allerdings mit verschiedenen Rennautos."

Mögen Sie die Strecke?

Scheer: "Super gerne. Ich bin am Nürburgring beheimatet. Die Nordschleife ist meine Lieblingsstrecke, sie ist natürlich um einiges länger als der Sachsenring, aber ich mag diese Rollercoaster-Strecken: das Hoch und Runter und die Enge der Strecke. Ich bin kein großer Fan der Nicht-Retorten-Formel-1-Strecken. Deswegen finde ich den Sachsenring super." 

Wünschen Sie sich, den Sachsenring mal mit dem Motorrad zu fahren?

Scheer: "Also ich glaube es ist gut, dass ich am Wochenende nur am Mikrofon bin (lacht). Das Motorradfahren überlasse ich lieber Kollegen wie Stefan Bradl oder Alex Hofmann."

Stichwort Stefan Bradl, er ersetzt dieses Wochenende ja Jorge Lorenzo im Honda-Werksteam. Wie schätzen Sie seine Chance ein?

Scheer: "Ich habe mir eben das erste und zweite Freie Training angeguckt und Stefan ist bereits innerhalb einer Sekunde und in den Top 14. Davor kann ich nur meinen Hut ziehen. Er ist zwar Honda-Testfahrer, aber so kurzfristig auf Jorge Lorenzos Bike zu springen, finde ich absolut beeindruckend. Klar, hatte er ein bisschen Vorlauf, aber jetzt in einem so kompetitiven Feld zu fahren, in dem wir 22 Fahrer zählen, die die ganze Saison über fahren, da schätze ich seine Leistung sehr hoch ein. Er würde es bestimmt selbst so nicht sagen, aber ich denke, die Top 10 sind das Ziel und Punkte Minimum. Ich lasse mich gerne überraschen."

Konnten Sie mit ihm reden, ob er nervös ist?

Scheer: "Gestern habe ich ihn gefragt, da war er erstaunlich entspannt. Aber da ging es ja auch noch um nichts (lacht). Nach der ersten Zeitenjagd heute habe ich ihn noch nicht gesprochen. Er ist voll im MotoGP-Modus drin, morgen werden wir ihn sicher ans Mikrofon bekommen, aber heute lassen wir ihn mal in Ruhe seine Runden drehen."

Was erwarten Sie vom Wochenende? Der Sachsenring ist DIE Marc Marquez Strecke...

Scheer: "Wenn man sich an die Statistiken halten würde, dann erwartet jeder seinen siebten MotoGP-Sieg infolge. Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren und habe auch ein bisschen die Hoffnung, dass bei Yamaha was geht. Bei Vinales, der in Assen endlich seinen Sieg feiern konnte, und bei Rossi sieht es gut aus. Ich glaube, die Fans würden sich freuen, wenn es vielleicht mal einen anderen Sieger am Sachsenring geben würde. Es wäre natürlich auch für die Meisterschaft spannend, vor allem wenn der direkte Meisterschaftsgegner Ducati Punkte auf Marquez gut machen könnte, und die WM vor der Sommerpause noch offener bleibt."

Jetzt sind Sie ja als Frau in einer ziemlichen Männer-Domäne unterwegs. Wie setzt man sich da durch und wie kam bei Ihnen die Leidenschaft für den Motorsport?

Scheer: "Klar ist es eine Männer-Domäne, aber ich wollte ja schon seit ich zwölf bin Rennfahrerin werden, da war ich bei meinem aller ersten Formel-1-Rennen live vor Ort. Das war nicht der „Traum" meiner Eltern, sondern meiner. Der Rest kam über Kontakte, Glück und auch über den Job als Moderatorin im Motorsport. Ich bin dann sieben Rennsaisons die kompletten Meisterschaften gefahren, wofür ich unendlich dankbar bin. Seit letztem Jahr bin ich nun im historischen Motorsport unterwegs, ohne den ganzen technischen Schnickschnack, also ohne ABS, Tracktionskontrolle und so weiter, das macht einfach riesig Spaß und geht auch neben meinen Jobs. Aber ich verfolge als echter Rennsport-Fan auch schon sehr lange die MotoGP, auch schon zu Zeiten von Mike Doohan und Max Biaggi. MotoGP ist einfach das purste Racing. Im Automobil-Sport wird das ja leider immer weniger."

Was fesselt Sie so am Motorsport?

Scheer: "Er ist laut, er ist schnell und auch sehr nah an den Fans. Das ist das Schöne hier bei der MotoGP, das es so eine tolle Fan-Kultur gibt. Ich meine wir erwarten am Wochenende über 200.000 Menschen. Welche Rennserie hat das noch? Diese Atmosphäre ist wirklich großartig."

Hilft es, wenn man als Moderatorin selbst eine Expertise in Sachen Rennsport hat?

Scheer: "Also hier bei der MotoGP muss ich noch einiges lernen. Auch was Regularien und die Technik angeht. Das ist natürlich eine Herausforderung, aber es hilft natürlich, wenn man selbst Boxengassen-Erfahrung hat. Wenn man selbst vom Racing kommt, versteht man auch das ein oder andere Manöver besser, interpretiert zum Beispiel eine Zweikampf-Situation dann auch nicht nur rein journalistisch, sondern stellt sich vor, wie man vielleicht selbst reagiert hätte. Es hilft auf jeden Fall, einerseits die journalistische, aber auch die Motorsport-Erfahrung zu haben."

Hatten Sie privat einen Fan-Moment, als Sie zur MotoGP kamen? Gerade, weil Sie den Sport auch schon so lange verfolgen.

Scheer: "Es war schon was Besonderes als ich zum ersten Mal Valentino Rossi interviewen durfte, den ich gut 20 Jahre lang vor dem Fernseher begleite hatte. Ich hatte ziemlich viel Herzklopfen und war sehr nervös, aber im positiven Sinne. Er hat auch viel gelächelt, ganz schlecht hab ich mich wohl nicht angestellt (lacht)."

Interview: Madita Eggers



Tags:
Das könnte Sie auch interessieren
TV Movie empfiehlt