Kino

Markus Maria Profitlich: "Pubertät ist Superkraft genug"

Seit dem 27. September sind "Die Unglaublichen" wieder auf der Kinoleinwand im Einsatz. Wir haben uns mit Markus Maria Profitlich, der deutschen Stimme von Bob Parr zum Interview getroffen. Dabei redet der Comedian über die Arbeit als Synchronsprecher, Superhelden und seine Familie.

Markus Maria Profitlich Wall-E
Markus Maria Proftlich hat nach Wall-E wieder einer Pixar-Figur seine Stimme geliehen Bild: Getty Images

Markus, wie war deine Reaktion, als du gehört hast: Es kommt eine Fortsetzung zu „Die Unglaublichen“?

Ich habe es letztes Jahr bereits munkeln hören, dass da was in Planung ist. Natürlich habe ich mich total gefreut, dass es eine Fortsetzung gibt – schließlich ist „Die Unglaublichen“ wirklich fortsetzungs-würdig. Eigentlich hatte ich schon viel früher damit gerechnet, normalerweise dauert es ja nur 3 bis 4 Jahre, dann kommt der zweite Teil. Aber das der Film dann doch noch gekommen ist und sie mich sogar wieder angefragt haben, da war ich extrem stolz drauf.

War es denn schwer für dich, wieder in die Rolle des Bob Parr reinzukommen?

Ne. Das Gute damals war: Ich musste mich nicht groß verstellen. Jetzt musste ich ein wenig höher sprechen, meine Stimme ist in den 14 Jahren natürlich ein wenig dunkler geworden. Aber ansonsten musste ich mich nicht groß auf die Rolle vorbereiten. Es war ganz schön, ich bin da hingekommen, konnte mir den Film ein Mal komplett im Originalton ansehen, und ich war sehr schnell wieder drin.

Es ist ja durchaus ein Unterschied, ob man jetzt vor der Kamera oder hinter einem Mikrofon steht. Inwiefern arbeitet man da anders?

Das ist eine ganz andere Arbeit, das stimmt. Vor der Kamera kann man agieren, viel mit Gestik und Mimik arbeiten. Das fällt ja hier weg, man muss alles, was man ausdrücken will, in seine Stimme bringen und das übernehmen, was die Figur vorgibt. Trotz alledem ist es eine körperliche Arbeit. Man agiert selbst mit, man muss auf ein Zehntel genau die Lippensynchronität hinbekommen. Ich habe immer sechs bis sieben Stunden gesprochen, mit einer kleinen Pause natürlich, dann ist die Stimme aber auch irgendwann ermüdet. Dann geht man ins Hotel und spricht kein Wort mehr, außer vielleicht „Pizza!“

Trotzdem scheinst du Spaß an der Arbeit zu haben, du hattest ja auch Rollen bei „Himmel und Huhn“ und „Wall-E“.

Ja, es macht wirklich sehr viel Spaß. Aber als ich das vor 14 Jahren zum ersten Mal gemacht habe, hätte ich nicht gedacht, dass es so anstrengend ist.

Jetzt ist „Die Unglaublichen 2“ ein Film mit und über Superhelden. Da liegt natürlich die Frage nahe: Welche Superkraft hättest du denn gerne?

Ich wäre schon gerne wie Bob Parr. Ein Auto mit einer Hand hochheben, so wie im ersten Teil, das wäre schon klasse. Nur was dazukommen müsste wäre das Fliegen.

Also im Grunde genommen Superman?

Naja, Superman hat ja noch einen Hitzeblick, Kälteatem und 100 andere Sachen. Ne, nur Bob Parr plus Fliegen. Aber kein Cape.

Ein großes Thema des Films ist, ähnlich wie im ersten Teil, das Verbot für Superhelden. Glaubst du, so eine Regelung wäre realistisch, gerade im bürokratischen Deutschland?

Wenn dann hier. Da würde es sicherlich einen Paragraphenreiter geben der sagt: „Ne ne, hier dürfen sie nicht Superheld sein. Überall, nur nicht hier.“

Du kommst ja aus einer Familie mit fünf Geschwistern. Wer hat denn bei euch zu Hause am ehesten die Erziehung übernommen?

Da ich das letzte Kind war, haben das häufig die älteren Geschwister gemacht. Das ist aber normal in solchen Großfamilien, da übernimmt man das, was die Geschwister einem vorgeben oder sagen. Mein Vater war eher derjenige, der uns versorgt hat, er hat viel gearbeitet, hatte aber immer einen sehr netten, trockenen Humor.

Und wie lief das jetzt in deiner Familie, mit deinen Kindern?

Ich geh auch viel arbeiten und habe auch den Humor. Meine ältere Tochter ist inzwischen schon aus dem Haus, von der höre ich momentan nicht so viel, sie weiß aber, ich bin da wenn sie mich braucht. Die Kleine ist halt erst 13 Jahre alt und in der Pubertät. Das ist etwas anstrengend, aber auch für sie bin ich immer da.

Im Film wird ja dieses konservative Familien-Bild – Männer gehen arbeiten, Frauen bleiben zu Hause und hüten die Kinder – aufgebrochen.

Ja, das ist cool, das ist toll.

Also würdest du auch sagen, das ist in diesem Aspekt ein sehr moderner Film?

Auf jeden Fall. Ich mache meinen Job extrem gerne, ich liebe meine Arbeit, auf der Bühne zu stehen und Menschen zum Lachen zu bringen. Aber wenn meine Frau jetzt ein Angebot für ein oder zwei Jahre hätte, dann würde ich sagen: „Mach das, ich bleibe zu Hause.“ Wenn ich nach einer Tournee nach Hause komme, dann übernehme ich auch solche Sachen wie kochen oder einkaufen. Ich wasche auch meine Wäsche von Tourneen selbst. Alles bei 30 Grad, egal was.

Dann lass uns mal beide Punkte, Superkräfte und Familie, verbinden. Im Film hat man mit Jack-Jack ja einen besonderen Extremfall. Könntest du mit so einem Kind leben?

 Ich meinte ja, ich habe eine Tochter, die in der Pubertät ist, das ist Superkraft genug (lacht). Das wäre natürlich verrückt und extrem stressig mit so einem Kind. Bis man da alles unter Kontrolle hat, würde das einige Zeit dauern, aber klar, es ist ja immer noch das eigene Kind.

Nehmen wir mal an, deine Töchter hätten, neben der Pubertät, noch andere Superkräfte, wie würdest du damit umgehen? Im Film wollen die Parrs ja, dass sie die Kinder ihre Kräfte so selten wie möglich einsetzen.

Ich würde das genauso handhaben. Sie sollen erst mal lernen, mit dem normalen Leben umzugehen, Superkräfte kommen später. Das ist wie mit allen anderen Kindern auch, die wollen natürlich alles machen, dürfen sie aber nicht. Das müssen sie sich verdienen.

Zu guter Letzt: In dem Film haben wir einen Bösewicht, der Gedanken kontrollieren kann, was extrem beängstigend ist. Was wäre deine größte Angst, wenn man in einer Welt voll mit Superkräften leben würde?

Diese Gedankenkontrolle, die findet ja heutzutage schon statt. Wenn man mal sieht, was auf YouTube zu sehen ist oder was sich die Kinder manchmal angucken und wodurch sie geprägt werden. Da sitzen irgendwelche Pappnasen, die meinen, große YouTube-Stars zu sein, aber keinen geraden Satz heraus bekommen. Und die sollen dann Vorbilder für die Kinder sein. Das ist für mich eigentlich schon erschreckend genug. Aber in so einer Welt zu leben, in der das noch intensiver über den Bildschirm funktioniert, das wäre das Ende glaube ich.

Das wäre dann alles, vielen Dank für das Gespräch.



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