„Lange und schmerzhafte Reise“

„Mad Max“-Star Kjell Nilsson starb mit 76 – das ist über die Todesursache bekannt

Es war seine erste Rolle – und sie machte ihn weltberühmt: Als Lord Humungus in „Mad Max“ schrieb Kjell Nilsson Filmgeschichte. Jetzt starb er im Kreis seiner Familie.

Kjell Nilsson als Lord Humungus in Mad Max II
Es war sein Filmdebut: Kjell Nilsson spielte in „Mad Max II“ Lord Humungus - und begeisterte damit weltweit die Fans. Foto: IMAGO / Allstar

Bei dem Namen Kjell Nilsson zucken die meisten Film-Fans vermutlich mit den Schultern. Dennoch ist der Schwede weltbekannt: Als Lord Humungus in „Mad Max II – der Vollstrecker“ wurde der schwedische Schauspieler über Nacht berühmt. Jetzt starb er in Australien an Nierenversagen, wie seine Familie auf seiner Facebook-Seite bekannt gab. Er wurde 76 Jahre alt.

Vom Profigewichtheber zum Weltstar – durch eine Rolle

Vor die Kameras kam Kjell Nilsson eher durch Zufall. Er wurde 1949 in Schweden geboren und war Profigewichtheber. 1980 zog er nach Australien. Dort trainierte er schwedische Athleten für die Olympischen Spiele. Und er lernte dort die Schauspielerin Kate Ferguson kennen, die er kurz darauf heiratete. Sie war es auch, die den muskulösen Schweden für die Schauspielerei begeisterte. Nur ein Jahr später gab er sein Filmdebüt in George Millers Fortsetzung zu seinem postapokalyptischen Klassiker „Mad Max – der Vollstrecker“. Darin übernahm der damals 32-Jährige die Rolle vonNilsson Lord Humungus, den gewalttätigen und charismatischen maskierten Anführer einer brutalen Motorradgang.

Danach stand er nur noch kurz vor den Kameras, spielt zum Beispiel in „The Pirate Movie“ mit. Es folgten noch einige Nebenrollen. Doch dann kehrte er der Filmindustrie den Rücken, arbeitete bei einer Software-Firma. Erst 2023 gab es „Howlin' Refrain“ ein kurzes Comeback. Was niemand damals ahnte: Kjell Nilsson kämpfte schon da gegen den Tod.

„Manche bezeichneten ihn als wandelndes Wunder“

Bereits 2022 wurde bei ihm eine schwere Nierenerkrankung diagnostiziert. Die Ärzte sagten ihm, dass er nicht einmal bis Weihnachten überleben würde, aber er „bewies ihnen das Gegenteil“, schreibt seine Familie auf Facebook. Dabei stand es wirklich schlecht für ihn. Denn: Nilsson erlitt schon vor Jahrzehnten eine schwere Blutgerinnung. Damals hatte er die Wahl sich beide Beine amputieren zu lassen oder sie mit eingeschränkter Funktion zu behalten, wobei er sich für Letzteres entschied – „entgegen medizinischem Rat“.

„Durch unermüdliches Krafttraining, Entschlossenheit und schiere Willenskraft zwang er Blut durch das verbliebene Netz winziger Kapillaren und erreichte, was viele für unmöglich hielten“, schrieb seine Familie. „Er hat den Experten das Gegenteil bewiesen, bis er stark genug war, um 'EINFACH WEGZUGEHEN'. Selbst in seinen letzten Tagen konnten viele Ärzte nicht vollständig erklären, wie er es getan hatte. Manche bezeichneten ihn als wandelndes Wunder. Aber es war kein Wunder. Es war unermüdliche Entschlossenheit, Selbstvertrauen und außergewöhnlicher Wille.“

Bis zum Schluss wollte Kjell Nilsson selbst entscheiden. „Es war eine lange und schmerzhafte Reise, voller zahlloser Kämpfe, darunter der allmähliche Verlust seiner körperlichen Selbstbestimmung", heißt es auf Facebook. „Diesen vergangenen Sonntag hat Kjell nach reiflicher Überlegung beschlossen, die Kontrolle über seinen Schmerz und seinen Körper zurückzugewinnen, indem er die Dialyse absetzt. Am Donnerstag, dem 2. Juli, verstarb Kjell friedlich im Schlaf, umgeben von seinen Söhnen. Die Tage vor seinem Tod waren erfüllt von Freude, Dankbarkeit, Frieden und Akzeptanz.“ Nilsson hinterlässt fünf Söhne.