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Kinotipp: Kajillionaire – Kleine Gaunereien, großes Kino!

Miranda July lädt in ihrem dritten Spielfilm "Kajillionaire" wieder in ihren ganz eigenen Filmkosmos: Und der ist wieder einmal so weird, so einzigartig, so gut.

Kajillionaire Evan Rachel Wood
Miranda July entwirft in ihrem dritten Spielfilm "Kajillionaire" wieder einen ganz eigenen Filmkosmos mit einzigartigen Figuren und ganz eigenen "Spielregeln"! 2020 Focus Features, LLC.

Zuletzt wurde in Berlin, ob fake oder nicht, ein Badezimmer als ultimativer WG-Preisbrecher angeboten. Der Raum sei viel wärmer als der Rest der Wohnung, während der Rest der Wohngemeinschaft den strikten Duschplan durchexerziert, darf man sogar mit dem dreibeinigen WG-Hund kuscheln und die Wanne sei der ultimative Deluxe-Schlafplatz – zumindest laut der Expertenmeinung der Freundin des Vormieters. Was das mit Miranda Julys "Kajillionaire" zu tun hat? Nun ja, zumindest in puncto Absurdität stehen Titelheldin Old Dolio (Evan Rachel Wood) und ihre Familie dem Berliner Vorbild in Nichts nach.

Fast tagtäglich rennen die Dynes mit Eimern bewaffnet durch ihr vermeintliches Wohnzimmer, ein leerstehender und abgewrackter Büroraum, um den Schaum aufzufangen, der von der angrenzenden "Bubble"-Fabrik (so ganz genau wird man nicht schlau, was die 'Nachbarn' da tatsächlich herstellen) aus den Wänden der dyneschen Behausung herausquillt. Generell ist der Alltag der Dynes streng koordiniert. Ihre drei Lebenssäulen: tricksen, betrügen, Geld machen. Während Old Dolio, benannt nach einem obdachlosen Lottogewinner, um die Gunst ihrer Eltern buhlt und selbst bei der kleinsten Fremdberührung innerlich zusammenzuckt, graust es Vater (Richard Jenkins) und Mutter (Debra Winger) vor der nächsten Rechnung. Das Leben der Dynes wird jedoch schnell auf den Kopf gestellt, als sie in einem Flieger die Bekanntschaft der lebensfrohen Melanie (Gina Rodriguez) machen.

Man fühlt sich so ein bisschen an "Parasite" und "Dogtooth" erinnert und dann doch wieder gar nicht, wenn Miranda July in ihrem dritten Spielfilm wieder einmal einen kleinen Filmkosmos entwirft, der doch so nah und gleichzeitig auch fernab von dem ist, was man sonst von einem Familiendrama so gewohnt ist. Denn im Kern ist "Kajillionaire" das schmerzhafte Porträt einer dysfunktionalen Familie – mit allen Wahrheiten, Zerwürfnissen und Enttäuschungen, die zwangsläufig unter der schaumigen Oberfläche schlummern. Und doch ist hier alles so herrlich bizarr, humorvoll, melancholisch und wundervoll inszeniert, dass es tatsächlich ein großes Geschenk ist, dass wir "Kajillionaire" trotz Corona & Co. in (zumindest einigen) Kinos zu sehen bekommen. Den Trailer zum Film seht ihr hier:

 

Kajillionaire ist seit dem 22. Oktober 2020 in den deutschen Kinos zu sehen. Was uns Hauptdarstellerin Evan Rachel Wood zu ihrer ungewöhnlichen Rolle verraten hat, seht ihr im nachfolgenden Artikel:

Text von: David Rams



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