Kino

Keine Komödien mehr für Bill Murray

Die Ikone der heiteren Filmkunst mag nicht mehr lustig sein - und wenn doch, dann wenigsten gleich mit Selbstverfasstem.

Er ist seit Jahrzehnten eine Ikone der Komödie - und doch dabei, sich langsam von seinem Ur-Genre zu distanzieren: Bill Murray - der Pete Venkman der "Ghostbusters", der Phil Connors aus "Und täglich grüßt das Murmeltier" - der Mann, dessen Schauspiel so viele Filme von Regisseur Wes Anderson ihren skurrilen Humor verdanken... Nach Ansicht Millionen treuer Fans eine Katastrophe für das komplette Genre, ein unersetzlicher Verlust für alle Freunde absurder Situationskomik. Aha. Vermutlich halten sich der Herr nach 40 Jahren Hollywood für was Besseres... Weit gefehlt: Im Gegensatz zu Schauspiel-Kollegen, die sich im Laufe ihrer Karriere über das profane Gelächter des Publikums erheben wollen, hat Murray Angst, den Anforderungen moderner Komödien nicht mehr gerecht zu werden: "Die sind heute einfach anders. Anders als die, an die ich noch gewöhnt bin", erklärte er jetzt während eines Interviews. "Die frühen Filme haben wir einfach aus Spaß gedreht. Wenn's witzig war, hast du sie eben gemacht - da ging's nicht um Leben oder Tod. Das war im Stil von 'Kamera an - und los geht's'". Allerdings - leicht fällt ihm der geplante Abschied offensichtlich nicht: "Ich glaube schon, dass ich auch heute noch etwas zu einer Komödie beisteuern kann. Ich weiß nur nicht, wo. Ich habe sogar schon darüber nachgedacht, mir einen Manager zuzulegen." Klingt banal, wäre aber eine Revolution. Denn im Gegensatz zu seinen Kollegen besitzt der Meister des mimischen Understatements traditionell weder Agent, Manager noch Visagist oder sonstige Insignien des Ruhms. Andere Stars kommen zum Drehort mit Luxus-Karawane samt riesiger Entourage. Bill Murray mit dem Taxi.

 

Magische Momente

Doch es gibt Hoffnung: "Ich fürchte, wenn mir jemals wieder der Sinn nach einem lustigen Film steht, muss ich eben rausfinden, wie man selbst einen schreibt. Das schaffe ich dann aber auch noch." Ein verlockender Gedanke: Murray inszeniert Murray. Bis dahin kann den Joob aber ruhig weiterhin Wes Anderson erledigen. Denn dessen "Grand Budapest Hotel" wird dem Star demnächst filmischen Unterschlupf bieten - zusammen mit Owen Wilson, Tilda Swinton, "Adrien Brody", Jason Schwartzman und Jude Law. Und selbst, wenn man darüber streiten kann, ob die extravaganten Produktionen des Kult-Regisseurs eher Komödien oder Dramen sind: Solange Bill Murray auf der Besetzungsliste steht, wir man in ihnen immer einen Grund zum Lächeln finden. Und sei es nur aufgrund kleiner absurder Momente, wie im wundervollen "The Darjeeling Limited" - wo sein gesamter Auftritt darin besteht, hingebungsvoll einen Zug zu verpassen.



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