Fernsehen

„Joko & Klaas live“: Sieben-Stunden-Doku über Pflegenotstand

Unter dem Motto #nichtselbstverständlich machen Joko & Klaas auf den Pflegenotstand aufmerksam.

„Joko & Klaas live“: Sieben-Stunden-Doku über Pflegenotstand
Joko und Klaas widmeten sich sieben Stunden lang dem Alltag einer Pflegekraft. Foto: Imago Images
Inhalt
  1.  „Joko & Klaas“: Das gab es noch nie im TV!
  2. #nichtselbstverständlich: Echtzeitdoku über eine Schicht in der Pflege
  3. „Corona ist das Brennglas, das alles in den Fokus gerückt hat“
  4. Die sozialen Medien explodieren vor lauter positiven Rückmeldungen – auch von der Konkurrenz

Bei ihrer Show „Joko & Klaas gegen ProSieben“ haben die beiden Entertainer mal wieder 15 Minuten Sendezeit auf ProSieben gewonnen. Schon in der Vergangenheit nutzen Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf ihre erspielte Zeit dafür, auf Gewalt und sexuelle Übergriffe an Frauen aufmerksam zu machen (Männerwelten) und die katastrophalen Verhältnisse in Moria (A Short Story of Moria). Auch an diesem Mittwochabend war klar: Es soll nicht nur locker leicht unterhalten werden. Die beiden wollen wieder ein Zeichen setzen. Und das ist diesmal sieben Stunden lang gewesen!

 

 „Joko & Klaas“: Das gab es noch nie im TV!

Bereits vor der geplanten Sendung verkündeten Joko & Klaas, dass sie diesmal den Sender ProSieben in ihre Absichten einweihen mussten. Nicht ganz freiwillig und leichtfertig, wie sie sagen, aber es ging nicht anders. Denn was die beiden vorhatten, gab es so noch nie in der Geschichte ihres Formats. Die Fans wurden zuerst aber im Dunkeln gelassen über die Thematik der abendlichen Show.

Um 20:15 Uhr starteten dann die 15 Minuten, die keine sein sollten: In einer kurzen Anmoderation geben Joko und Klaas erste Hinweise, was die heutige Botschaft sein soll. „Ein Thema, das uns alle betrifft, mitten aus dem Leben und dennoch zu oft am Rande der allgemeinen Wahrnehmung. Viele Themen im Leben bekommen erst dann den Stellenwert, den sie verdient haben, wenn man die Gelegenheit bekommt, sich in ein Leben hineinzuversetzen, das nicht zwangsläufig das eigene ist“, erklärt Joko und Klaas fügt hinzu: „Das funktioniert aber nur, wenn jemand bereit ist seine Welt zu öffnen. Mit Geduld und Beharrlichkeit und vielleicht auch schon zum wiederholten Mal bereit ist zu sagen, was es braucht, damit sich etwas zum Guten ändert.

 

#nichtselbstverständlich: Echtzeitdoku über eine Schicht in der Pflege

18. März 2021, 05:56 Uhr: Eine Frau parkt ihr Auto und macht sich auf den Weg in eine Klinik. Ihr Name ist Meike Ista und sie ist Fachgesundheits- und Kinderkrankenpflegerin für Intensivpflege und Anästhesie im Knochenmarktransplantationszentrum der Uniklinik Münster. Hier betreut sie todkranke PatientInnen.

Schnell wird klar, was Joko und Klaas mit dem „Hineinversetzen“ gemeint haben. Als Zuschauer begleiten wir Meike durch ihre komplette Frühschicht. Mit Hilfe einer umgehängten Kamera nimmt sie uns mit bei all ihren Arbeitsschritten, den Gesprächen mit KollegInnen, der Visite bei PatientInnen. Ungekürzt, ungeschönt und nicht selbstverständlich. Darum geht es nämlich in diesem Beitrag. Eingeblendet werden immer mal wieder per Splitscreen andere Pflegekräfte aus anderen Kliniken, die über ihren Alltag und ihre Erfahrungen sprechen. Aber auch über ihre Erschöpfung durch die krassen Bedingungen und über fehlende Anerkennung. Denn das ist, was sie alle und Meike sich wünschen: „Dass die Pflege die Anerkennung bekommt, die sie verdient und jede Pflegekraft nach dem Dienst zufrieden nach Hause gehen kann!

 

„Corona ist das Brennglas, das alles in den Fokus gerückt hat“

Ohne Pause folgen wir Meike durch die Klinik. Werbeunterbrechungen wurden an diesem Abend ebenso wie das geplante Fernsehprogramm gestrichen. Hautnah erleben wir den wirklichen Alltag einer Pflegekraft und werden währenddessen mit weiteren Informationen versorgt. Die Sieben-Stunden-Reportage ist vor allem eines: Eine heftige Kritik an der Pflege-Situation. Und die war schon vor Corona katastrophal. Eine der Pflegerinnen sagt deutlich: "Corona ist nicht schuld daran. Corona ist das Brennglas, das alles in den Fokus gerückt hat." Eigentlich sei es sehr traurig, dass es erst zu einer weltweiten Pandemie kommen musste, um diesen Menschen zuzuhören, sagt ein Pfleger. Gleichzeitig erzählen die Pflegekräfte mit einer solchen Liebe von ihrem Beruf. Er müsse dringend ansprechender gestaltet werden, damit mehr junge Leute sich für eine Zukunft in der Pflege entscheiden. Ein Appell an die Politik: Tut endlich was!

 

Die sozialen Medien explodieren vor lauter positiven Rückmeldungen – auch von der Konkurrenz

Im Vorfeld der Sendung riefen Joko und Klaas dazu auf, die Reportage tatkräftig auf twitter zu begleiten, von eigenen Erfahrungen zu erzählen und somit die gewünschte Aufmerksamkeit zu generieren. Die ZuschauerInnen waren begeistert. Noch während wir Meike begleiten, blendet ProSieben erste Reaktionen ein. Alle Kommentare laufen unter dem großen Hashtag #nichtselbstverständlich. Viele ZuschauerInnen bedanken sich bei den beiden und zollen den Pflegekräften Respekt. Konkurrent RTL spricht von einem „beeindruckenden Zeichen für die Pflege“, RTLZwei gibt virtuelle „Standing Ovations“ und Arte spricht von einem „Stück deutscher TV-Geschichte“. Auch der Stern bejubelte die Aktion und machte nochmal auf seine Petition vom Anfang des Jahres aufmerksam mit der Forderung „Für eine Pflege in Würde“, die sie mit 350.000 Unterschriften beim Bundestag eingereicht hatten.

 

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