Kino

Jetzt im Kino: "Stromberg - Der Film"

Manches ist anders, vieles besser: Nach zehn Jahren in Serie feiert Büro-Stinkstiefel Stromberg sein (vorläufiges) Ende im Kino. TV Movie traf Christoph Maria Herbst

Firmenfeiern sind wie das letzte Abendmahl. Immer zu wenig Weiber, das Essen ist schlecht, und am  Ende  gibts  Ärger!“  Bernd Stromberg, Abteilungsleiter für Schadensregulierung M – Z, weiß, wo der Hase in der Arbeitswelt lang läuft. Nach 46 Folgen in fünf mehrfach preisgekrönten Staffeln mit über zwei Millionen Zuschauern wagt  Deutschlands oberster Büro-Macho und inkompetenter Tyrann mit "Stromberg - Der Film" nach zehn Jahren den Sprung ins Kino. Da intrigiert er auf der 50-Jahr-Feier der Capitol-Versicherung zwischen Edelpuff, Rudelbums und Fettnäpfchen – und entdeckt ganz neue Helden-Qualitäten an sich.

Rund vier Millionen Euro hat der Film gekostet – eine Million Euro haben Fans gesammelt, per Crowdfunding ins Projekt gesteckt. „Sonst hätten wir den Film nicht finanzieren können. Bei Erfolg gibts das Investment mit Gewinn zurück“, verspricht „Stromberg“-Darsteller Christoph Maria Herbst (48).

Zum Interview erscheint er mit tomatenroter Wollmütze auf dem kärglich behaarten Haupt. Dem berüchtigten Klobrillenbart ist eine gepflegte Stoppelpracht gewichen. Nur das süffisante Lächeln und die blitzenden Augen – unverkennbar das grandiose Ekel.

Herr Herbst, wars das mit „Stromberg“?

Christoph Maria Herbst: Ja, mit dem Film machen wir den Sack zu. Ich bin einerseits fertig mit dem Kerl – andererseits ist er eine wunderbare Figur, nach der du dir als Schauspieler alle Finger leckst.

Also gehts doch weiter?

Film ist ja noch weniger Ponyhof als Versicherung. Jetzt muss der Film, der von vielen unserer Fans per Crowdfunding kofinanziert wurde, erst mal gut im Kino laufen. Ich persönlich habe Bernd eine Menge zu verdanken – er mir aber auch. 

Sie haben diesen miesen intriganten und Leuteschinder in ihr Herz geschlossen?

Bernd Stromberg ist doch ein Fleisch gewordener Schrei  nach Liebe. Also mich rührt das. Er war und ist für mich einer, den ich in den Arm nehmen möchte, um ihm gleichzeitig in den Hintern zu treten.

„Stromberg“ wird im halbdokumentarischen Stil gedreht. für wie realistisch halten Sie als gelernter Bankkaufmann die Verhältnisse?

Für sehr realistisch. Allemal realistischer, als „Bauer sucht Frau“ das Landleben zeigt. Nirgendwo sonst habe ich so viele  Strombergs rumlaufen sehen wie bei der Bank. Für Bernd stand übrigens mein Chef der Scheckwechselabteilung Pate. Nicht vom Wesen, aber äußerlich, mit diesem flauschigen Haarkranz und fiesen Klobrillenbart.

Was haben Sie nach zehn Jahren von Bernd Stromberg gelernt?

Ganz klar, wie es nicht geht im Leben. Bernd ist geschieden, hat keine Freunde,  privat läuft nichts. Als Schauspieler konnte ich mich richtig in ihm austoben. Dass die Figur so weit  weg ist von mir selbst,  ist  ein  Grund, warum  sie  mir  so  gut gelingt.

Können Sie noch über ihn lachen?

Immer  –  am meisten über seine Kollegen.

Chefautor Ralf Husmann will noch nicht so ganz von seiner Figur lassen. Im Verlauf des Films dockt Stromberg bei der SPD an.  Warum gerade dort?

Aus der Not. Als Besserverdiener, der sich zur gesellschaftlichen Elite zählt, habe ich Bernd Stromberg immer bei der FDP verortet. Aber vor dem Filmdreh wurde es für die immer enger, da sind wir zu den Sozis, war sicherer.

Strombergs Zukunft ist also die Politik?

Abwarten. Als Bruce Willis der Quartalsberichte kann der Bernd ja nicht so einfach zum Helden der Arbeiterbewegung mutieren. Andererseits?! Da wäre dann nur noch Gott über „Stromberg“...

INTERVIEW: Uta Tiedemann

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