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Jennifer Aniston: "Ich habe schlimme Verluste erlebt!"

Offen und ehrlich wie nie spricht Jennifer Aniston über die dunklen Momente in ihrem Leben - und darüber, warum sie trotzdem immer verzeiht.

Jennifer Aniston
Jennifer Aniston (Getty Images) Getty Images

"Ich  habe heftig geweint", gesteht Jennifer Aniston in einem langen Interview mit dem "Hollywood Reporter". Doch sie redet nicht von ihrer Reaktion auf die ausgebliebene Oscar-Nominierung, sondern von ihren ganz persönlichen, privaten Kämpfen. "Ich habe immensen Verlust erlebt. Jeder, der schon einmal Schmerz oder Verlust, der dich in die Knie zwingt, gespürt hat, weiß, wie es ist. 

Mit 45 Jahren hat Jennifer Aniston eine aufreibende Kindheit und Jugend hinter sich. Die Traum-Ehe mit Brad Pitt ging in die Brüche. Während der Scheidung starb ihre geliebte Therapeutin. Ja, Jennifer Aniston hat schon einige Rückschläge erleiden müssen. Trotzdem steckt in der sonst so unbeschwert wirkenden Frau eine beinharte Kämpferin.

Erstmals erklärt sie öffentlich, dass sie an Legasthenie leidet. Eine Erkrankung, durch die sie nur mit Mühe Lesen und Schreiben kann. Doch diese Diagnose erhielt sie erst in ihren frühen Zwanzigern. Vorher dachte sie: "Ich bin nicht schlau. Ich konnte einfach nichts behalten." Diese Erfahrungen haben Aniston offensichtlich schwer zugesetzt. Als bei ihr schließlich Legasthenie festgestellt wurde, war es eine Erleichterung. "Es gab diese großartige Entdeckung. Ich fühlte mich, als seien all meine Kindheits-Traumata, Tragödien und Dramen erklärt." 

Doch nicht nur ihre Lese- und Schreibschwäche kratzte am Selbstbewusstsein der jungen Jennifer. Auch ihre Mutter gab ihr Bestes, um die Kleine zurechtzustutzen. "Sie war kritisch. Sie war sehr kritisch mit mir. Weil sie ein Model war, sie war wunderschön, atemberaubend. Ich nicht. Ich war es nie. Ich sehe mich ehrlicherweise bis heute nicht in diesem Licht und das ist okay." Die Beziehung zwischen Jennifer Aniston und ihrer Mutter Nancy Dow verschlechterte sich im Laufe der Jahre so sehr, dass sie irgendwann keinen Kontakt mehr hatten. "Sie war sehr aufbrausend. Ich kann das nicht tolerieren. Sie war auch sehr nachtragend und hegte so viel Groll, was ich unbedeutend fand." Mittlerweile haben sich die beiden Frauen ausgesöhnt und der Hollywood-Star Frieden mit ihrer Vergangenheit geschlossen.

Ihr Bemühen, Menschen, die sie verletzt haben zu verzeihen, ist eine Eigenschaft, die Jennifer Aniston beeindruckend stark erscheinen lässt. "Es gibt Leute in meinem Leben, die sagen, 'Wie kannst du immer noch mit diesem Typen reden?' Aber was habe ich davon, an meinem Ärger festzuhalten? Das ist so giftig. Wir sind Menschen. Menschen machen Fehler. Menschen sind nicht perfekt. Und jemandem nicht zu verzeihen erlaubt Menschen nicht, sich zu entwickeln und bessere Menschen zu werden." Weise wie ein Buddha.

Ebenso ruhig und besonnen geht sie mit dem meistdisktuierten Thema um ihre Person um: die Ehe und Scheidung von Brad Pitt. Aniston und Pitt waren Ende der 90er und Anfang der Nuller-Jahre das schönste Glamour-Pärchen, das durch Hollywood flanierte. Als Brad Pitt die Nette 2004 für Angelina Jolie verließ, waren die Rollen schnell verteilt: Er, der gemeine Betrüger, sie, das arme Opfer. In den 10 Jahren seit ihrer Scheidung wurde Jennifer Aniston unzählige Male auf ihr Verhältnis zu ihrem Ex-Mann angesprochen. Doch anders als Klatsch-Zeitschriften vermuten lassen, gab es keine soap-verdächtige Dreiecksbeziehung voller Lust, Streit und Tränen. "Wenn die Welt einfach aufhören könnte", beklagt sich der Star aus "Cake". "Es gibt keine Story. Niemand hat etwas falsch gemacht. Wir wünschen einander nichts als wundervolle Dinge."

In die stressige Zeit während der Scheidung platzte die Todes-Nachricht ihrer langjährigen Therapeutin. "Ich habe so viel in den vier Jahren, die wir zusammengearbeitet haben, von ihr gelernt. Als sie dann von uns gegangen ist, erinnere ich mich, dass ich dachte, 'Wow, alles, worüber wir sprachen und diskutierten, erlaubt mir, Frieden in all dem zu empfinden". Ich meine, es gab menschliche Momente. Aber ich war wirklich schockierend okay."

Die Fähigkeit, nach jeder Niederlage - sei es der Verlust eines Menschen, eine schlechte Kritik oder die private Niederlage in einer Beziehung - wieder aufzustehen, macht Jennifer Aniston zu einer beeindruckenden Frau. Doch so ganz angekommen scheint der Superstar trotz aller Erfolge, die sie zweifellos vorzuweisen hat, nicht. "Ich habe Lust, etwas größeres zu tun. Es könnte mehr Arbeit sein, mehr Kreatives oder Gemeinnütziges in der Welt. Es kann wie ein Baby aussehen."

Denn auch wenn Jennifer Aniston für ihre Arbeit und vor allem für ihren letzten Fillm, "Cake", in den höchsten Tönen gelobt wird, so fehlt doch eine Sache im Auge der Zuschauer: eine Familie. Mit dem Schauspieler und Autor Justin Theroux hat Jennifer einen starken Halt gefunden. Das Paar ist seit fast zwei Jahren verlobt, doch offiziell noch nicht verheiratet. "Wir haben keinen Hochzeitsdatum. Ich würde es auch nicht erzählen, wenn wir eins hätten", erklärt sie. Wer weiß, vielleicht wird 2015 ein familiengeprägtes Jahr für den "Friends"-Star. Ein Baby schließt sie nicht mehr aus: "Es war immer ein Wunsch. Wir tun unser Bestes." Aber selbst wenn nicht, dann wird die sympathische Schauspielerin eine andere Aufgabe für sich finden. "Ich weiß, ich habe eine größere Bestimmung. Es ist ein Puzzle und ich habe dieses Puzzle noch nicht ganz zusammengesetzt. Aber etwas größeres ruft nach mir."

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