Fernsehen

Nach Kritik am Drogenexperiment: Schmeißt Jenke von Wilmsdorff jetzt hin?

Jenke von Wilmsdorff hat „Das Jenke Experiment“ schon vieles ausprobiert. Jetzt wagte er das nächste Extrem: LSD, Ecstasy  & Co. Schmeißt er deswegen jetzt hin?

Jenke von Wilmsdorff
Jenke von Wilmsdorff ist bekannt für seine Selbstexperimente. RTL / Stefan Gregorowius

Alkohol und Gras? Alles schon gehabt! In der neuen Staffel von „Das Jenke Experiment“  greift der RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff zu härterem Zeug: Dieses Mal wollte er wissen, wie sich LSD, Ecstasy, Speed, Ritalin und K.O.-Tropfen auf den Körper auswirken - und probierte den Drogenrausch vor laufender Kamera aus. Zwar waren die Quoten mit 3,88 Millionen Zuschauern für das Drogenexperiment extrem gut, dennoch könnte Jenke von Wilmsdorff nach der jetzigen Staffel alles hinschmeißen!

Gegenüber "Bild" sagte er: "Wir haben vier Staffeln mit 16 starken Geschichten erzählt und ich finde, es reicht langsam. Ich gehe davon aus, dass das meine letzte Staffel sein könnte." Ob die Ankündigung der Medienaufsicht, zu prüfen ob die "Ausstrahlung jugendgefährdet gewesen ist", etwas mit seinen Gedanken ans Aufhören zu tun hat?

Jenkes Sohn Janik war jedenfalls alles andere als begeistert von dem Drogenexperiment seines Vaters: "Janik fand es albern und peinlich, wie die Drogen es geschafft haben, mich so lächerlich zu machen", so der 50-Jährige. 

Sender in der Kritik: Werden Drogen verherrlicht?

Noch während der Ausstrahlung sorgte die Sendung für allerlei Diskussionen. RTL musste sich den Vorwurf anhören, mit dem „Jenke Experiment“ Drogen verherrlichen zu wollen. Wie Jenke von Wilmsdorf nun gegenüber „Bild“ einräumte: „Das kann man natürlich so sehen.“ Doch ihm sei die Authentizität wichtig gewesen: „Ich habe die Drogen in diesem Moment wirklich so empfunden. Hätte ich das verschwiegen, hätte ich nicht den Punkt dokumentiert, der die Drogen so gefährlich macht.“ 

Eine RTL-Sprecherin wies den Vorwurf zurück: „Wir dokumentieren das Thema Drogen, anstatt es zu tabuisieren. Drogenkonsum wird nicht verherrlicht, sondern eingeordnet, um vor den zerstörerischen Konsequenzen zu warnen.“ 

Weiter hieß es von Seiten des Senders: "Wir setzen uns mit dem Thema Drogensucht auseinander, weil es in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen und damit höchst relevant ist. Dazu gehört die dokumentarische Darstellung des Missbrauchs und auch die berauschende Wirkung der Drogen, die ja die Sucht erst auslöst."

So lief das Drogenexperiment

Die Folge beginnt in einer Wohnung, in der drei maskierte Konsumenten Speed ziehen – und Jenke mitten drin. Er genehmigt sich allerdings lediglich eine Pille, die eine abgewandelte Form der Droge beinhaltet und im Internet legal zu bekommen ist. So bleibt er rechtlich auf der legalen Seite bei seinem Drogenexperiment. Dabei wird er von einem Experten für forensische Toxikologie, Volker Auweiler, und Ärzten begleitet.

Speed gilt als Wachmacher. Und auch bei Jenke schlägt die Pille an: 48 Stunden bleibt der Reporter Wach. Nach Speed wirft er Ecstasy ein – und feiert durch, bis er das Gefühl für seine körperlichen Grenzen gänzlich verliert. Stattdessen durchflutet Euphorie seinen Körper, er ist aufgeputscht, das Herz rast, der Blutdruck ist hoch. Alles, was für Jenke in diesem Moment zählt: Party! Sein Fazit: „Drogen sind etwas Wunderbares.“

Doch auch an den Schattenseiten spart der Sender nicht aus: Anschließend zeigt RTL den Reporter in einer Suchtklinik, in der auch Kinder mit ihren Müttern leben müssen. Wie Klinikleiter Volker Barth erklärt, gäbe es inzwischen nicht mehr so viele klassische Alkohol- oder Heroinabhängige, die den Entzug machen, sondern vor allem mehrfach Süchtige, die sich zum Feiern Crystal oder Ecstasy einwerfen, dann Alkohol oder Haschisch konsumieren, um runterzukommen.

In der Reportage kommen auch zwei Frauen zu Wort, die Erfahrungen mit Crystal oder Heroin gemacht haben. Beide werden Zeit ihres Lebens mit der Sucht zu kämpfen haben. Nur bei etwa 50 Prozent liegt die Chance, sie am Ende zu besiegen. Auch eine der Frauen wird es schaffen – die andere wird rückfällig, ihr Kind landet beim Jugendamt. Ein weiterer Patient der Klinik ist ein fünf Wochen altes Baby, dessen Mutter während der Schwangerschaft erst heroinabhängig war und schließlich ein Ersatzmedikament konsumierte – und damit auch ihr Kind süchtig machte.

LSD & K.O.Tropfen

Später folgt die Kamera Jenke in Portugal auf seinem LSD-trip. „Sehr ihr, wie dieses ganze Dach atmet – das ist echt irre“, schwärmt der Reporter in seinem traumartigen Zustand. Doch nach der anfänglichen Albernheit folgen bald Schwermut, Angst und Misstrauen. Ähnliches passiert Jenke auch in seiner zweiten Nacht auf Speed und Ecstasy: Die Euphorie ist verflogen, stattdessen Depression. Vier Tage lang fühlt sich der Reporter total abgeschlagen.

Auch K.O.-Tropfen will Jenke ausprobieren – auch, nachdem eine Betroffene erzählt, jemand habe ihr etwas ins Getränk gemischt und sie anschließend vergewaltigt. Der Reporter mischt die Tropfen mit Bier. Geschmack: Nichts Auffälliges. Gefühl: Entspannt, wie betrunken. Doch das bleibt nicht lange so, denn bald ist ihm alles immer gleichgültiger – und er das perfekte Opfer. Erinnern kann er sich am nächsten Tag an nichts.

Anschließend versucht er sich an Ritalin, niedrig dosiertem Kokain. Angeblich soll es als Aufputschmittel unter Studenten sehr beliebt sein. Doch trotz hoch gesteckter Ziele – Jenke will in einer Woche Arabisch lernen – kein Erfolg. Der Reporter ist unmotiviert und hat Kopfschmerzen.

Muss das sein?

Drogen, und was sie mit uns machen, sind aktuell wie nie zuvor. Dennoch ist es fraglich, ob so ein Experiment vor laufender Kamera wirklich nötig war. Denn was bei vielen hängen bleibt, ist vor allem eins: Die guten Auswirkungen, die einige der Substanzen auf den Reporter hatten. Ganz ehrlich: Bilder und Geschichten von Menschen, bei denen der Konsum schief ging, kennen wir zu genüge – und sind in dieser Hinsicht wohl leider schon viel zu abgestumpft…

 



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