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"Dispatches from Elsewhere": HIMYM-Fans werden schlucken!

In der Amazon-Serie “Dispatches from Elsewhere“ spielt Jason Segel eine ernste, melancholische Rolle. Wer ihn nur als Marshall Eriksen kennt, muss sich umstellen!

Dispatches from Elsewhere - Jason Segel, Eve Lindley, Sally Field & Andre Benjamin
Jason Segel in "Dispatches from Elsewhere" zu sehen, wird für "How I Met Your Mother"-Fans nicht einfach sein! Bild: Amazon Prime Video

Peter (Jason Segel) ist single, unzufrieden mit seinem Job und pflegt nur wenige Sozialkontakte. Lächeln sieht man den Protagonisten der Serie „Dispatches from Elsewhere“ in den ersten Folgen der neuen Serie im Grunde nie. Wer den Schauspieler Jason Segel primär aus der Sitcom „How I Met Your Mother“ oder Komödien wie „Nie wieder Sex mit der Ex“ (Originaltitel: ‚Forgetting Sarah Marshall‘) kennt, der muss sich erst einmal an diese „traurige Version“ des sympathischen Darstellers gewöhnen.

„TV Movie Online“-Redakteurin Anna Peters traf Jason Segel zum Interview in Berlin und sprach mit ihm nicht nur über die Umstellung, die seine alten Fans erwartet, sondern auch über persönliche Ängste und den Entstehungsprozess der Serie.

 

Jason Segel im "Dispatches from Elsewhere"-Interview

Dispatches from Elsewhere
Bild: AMC/Amazon Prime

Tvmovie.de: Deine Figur, Peter, ist so unglaublich traurig. Glaubst du die Zuschauer*innen sind bereit, dich nach „How I Met Your Mother“ in einer so ernsten Rolle zu sehen – ich glaube nämlich nicht, dass irgendwer jemals über Marshall hinwegkommen wird!

Jason Segel: „Das höre ich gerne, danke! Marshall war aber auch manchmal traurig! Erinnerst du dich daran, wie Lily ihn verlassen hat, um in San Francisco ihrem Traum von der Kunst nachzujagen und Marshall allein gelassen hat?! Aber, um ehrlich zu sein, habe ich mir nie viele Gedanken darüber gemacht, wie mich andere Leute wahrnehmen, wenn ich schauspielere – um sich einen Kopf über die Meinung anderer zu machen, gibt es einfach zu viele Menschen. Das habe ich durch Twitter gelernt. Ich versuche, aus dem Bauch heraus zu schreiben und sehr ehrlich zu sein. Aber ich war auch in ‚Nie wieder Sex mit der Ex‘ sehr traurig. Darin wurde auch viel geweint.“

Wusstest du denn von Anfang an, dass du in der Show mitspielen möchtest und, dass du selbst Peter verkörpern wirst?

„Ja, ich glaube, dieses ganz Projekt dreht sich für mich eigentlich darum, den Federhandschuh in den Ring zu werfen und zu sagen: ‚Schaut her! Guckt euch an, was ich kann!‘ – wenn ich ganz ehrlich bin! Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich noch das tun kann, was ich als Kind getan habe und zwar sehr mutig zu sein.“

Die Serie fühlt sich sehr persönlich an!

„In jeder dieser Personen steckt ein Teil von mir. Ich glaube, anders kann ich gar nicht schreiben. Wenn ich eine Figur zu Papier bringe, dann verpasse ich ihr nie Gefühle, die ich selbst gar nicht habe. Ich lasse sie jene Emotionen empfinden, mit denen ich vertraut bin. Aber ich glaube eben auch, dass wir uns alle gleich fühlen – wir haben nur andere Panzer, hinter denen wir das verstecken.“

Wusstest du von Anfang an, wie „Dispatches from Elsewhere“ enden wird?

„Ja, ich bin auch besonders stolz auf das Ende. Mir ging bezüglich der Story ein Licht auf, als ich das Struktur-Problem endlich lösen konnte. Die ist hier nämlich besonders knifflig. Als ich herausfand, dass es darum geht, wer sich einen Flyer mitnimmt und warum, war alles klar. Es ist wie beim ‚Zauberer von Oz‘: Sie brauchen alle unterschiedliche Dinge, können diese aber gemeinsam auf derselben Reise finden.“

Wie bist du beim Casting-Prozess vorgegangen? Eve Lindley alias Simone ist der Hammer. Wie hast du sie gefunden?

„Judd Apatow, der einst mein Mentor war, hat mir beigebracht, dass alles mit dem Casting steht und fällt. Man erfindet eine Figur, dann castet man die Schauspieler und das nimmt man das Drehbuch wieder in die Hand und schneidet die Rolle auf die Darsteller und Darstellerinnen zu. Man presst sie nicht in die Rollen, man passt die Rollen an sie an! Eve Lindleys Performance beim Casting war so viel komplexer und detailreicher als alles, was ich jemals hätte schreiben können – sie hatte die Rolle sofort. Danach habe ich sie so gut es ging kennengelernt und ihr Simone auf den Leib geschneidert.“

Wie sehr hat sich das Drehbuch nach den Castings verändert?

„Immer wieder. Nach dem Casting, während des Drehs und so weiter. Ich versuche, starke Drehbücher zu schreiben, aber ich mag es auch, wenn Schauspieler*innen sich einbringen, wenn sie merken, dass eine Szene nicht funktioniert. Es gibt eine Reihe sehr aufgeladener Szenen zwischen Peter und Simone, die ich so nicht hätte schreiben können, denn ich weiß nicht, wie es wohl für eine Trans-Frau sein mag, in einer komplizierten Beziehung zu stecken. Ich kann mich wirklich glücklich schätzen, dass ich einer Schauspielerin zusammenarbeiten konnte, die bereit war, mir das zu sagen, zu zeigen, mit mir zu experimentieren und ab und an mit mir zu streiten. Das macht die Show lebendig.“

Hat das Schreiben für dich etwas Beruhigendes oder empfindest du es eher als stressigen Prozess?

„Ich finde das Schreiben als solches nicht besonders angenehm. Es hat für mich nichts Friedliches oder Beruhigens. Ich befinde mich eher in einem Krieg mit dem Stück, das ich schreibe. Ich kann mich nicht entspannen, bis es fertig ist. Ich habe auch Phasen, in denen ich es hasse. Ich glaube, dass jeder, der behauptet, er liebe das Schreiben in Wirklichkeit nie  schreibt - sonst würde er das nämlich nicht behaupten *lacht*. Bei keiner anderen Tätigkeit muss man so sehr gegen die Prokrastination ankämpfen. Niemand ruft: ‚Action‘. Ich finde, es ist das schwerste überhaupt. Das einzige, was ich daran mag, ist eine Idee zu haben und dann irgendwann ‚The End‘ zu schreiben, das wars. Ich mag das Erfolgserlebnis, wenn man fertig ist. Ich denke es ist mit Sport vergleichbar – nicht so, dass ich das beurteilen könnte *lacht*. Den Marathon zu schaffen, ist das Tolle, nicht für ihn zu trainieren!“

Wie steht es mit dem Regie-Part? Konntest du den wenigstens genießen?

„Ja, es war die eine Sache, die ich noch nie getan hatte. Und ich liebe es, etwas zu erschaffen. Ich mag es, mir etwas auszudenken und es dann zum Leben zu erwecken. Es war einfach Zeit dafür. Ich hatte mir vorgenommen, Regie zu führen, bevor ich 40 werde. Es hat sich aber angefühlt wie in einen reißenden Fluss zu springen, in dem man nicht mehr richtig manövrieren kann, also versuchst du Dinge zu umschiffen. Es wurde zu einer Übung darin, keine Scheiße zu bauen!“ *lacht*

Bereitet es dir eher Angst oder Freude Neues auszuprobieren?

„Bei diesem Projekt hatte ich in der Tat Angst. Aber ich ignoriere meine Ängste nicht, ich nehme sie an. David Bowie gab Künstlern einst einen großartigen Rat: Wenn du dich mit dem wohlfühlst, was du tust, dann erschaffst du vermutlich nichts Interessantes. Und wenn du ein bisschen weiter ins Wasser wartest, bis an die Stelle, an der deine Füße den Grund nicht mehr berühren und du Hunde-Paddel-Bewegungen machst, dann bist du genau da, wo du etwas Interessantes hervorbringen kannst. Und so habe ich mich gefühlt. Zwanzig Jahre lang habe ich kein einziges Mal gedacht: ‚Ich schaffe das vielleicht nicht!‘ und während ‚Dispatches from Elsewhere‘ hatte ich dieses Gefühl ständig. Aber immer, wenn ich dachte: ‚Es klappt vielleicht nicht‘, habe ich mir danach die fertigen Folgen geschaut und sie geliebt.“

Was genau hat dir denn Sorgen bereitet?

Zum einen die Frage, ob ich es gut genug geschrieben habe, um die Idee rüberzubringen, um die es mir geht? Existenzkrisen sind immerhin sehr komplex. Und dann war da noch die Angst, dass meine Annahme, dass wir tief unten alle das gleiche fühlen, falsch ist. Das möchte diese Show herausfinden: Warte, fühlt sich jeder so? Und das macht mir immer noch Angst, aber auf eine aufregende Art und Weise. Lasst es uns rausfinden!“

Die erste Staffel von "Dispatches from Elsewhere" ist seit dem 8. Mai 2020 auf Amazon Prime Video verfügbar!

Wer kein Amazon Prime-Abo hat und "Dispatches from Elsewhere" daher nicht schauen kann, kann sich mit Klick auf den unterlegten Link ein Test-Abo oder einen eigenen Account zulegen!​

 
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