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Jason Segel: „Ich habe mich immer wie ein Außenseiter gefühlt“ | Dispatches from Elsewhere

In seiner neuen Serie „Dispatches from Elsewhere spielt Jason Segel den einsamen, isolierten Protagonisten Peter. Auch er selbst fühlte sich immer als Außenseiter.

Dispatches from Elsewhere - Jason Segel im Interview
Jason Segel fühlte sich Zeit seies Lebens wie ein Außenseiter. Das verriet er uns im Interview zu "Dispatches from Elsewhere". Bild: Amazon Prime Video

Peter aus „Dispatches from Elsewhere“ ist ein unglücklicher Typ. Das strahlt er mit jeder Pore seines Körpers aus. „How I Met Your Mother“-Star Jason Segel in dieser Rolle zu sehen, dürfte für viele Zuschauer*innen eine Umstellung sein, denn in HIMYM spielte er den albernen Marshall Eriksen – eine Rolle, mit der er bis heute oft in einen Topf geworfen wird. Dabei ist Jason Segel gar kein Spaßvogel, sondern eine sehr tiefgründige Person, die stets ein Hauch Melancholie umweht. Beim Interview in Berlin kam „TV Movie Online“-Redakteurin Anna Peters in den Genuss, den 40-Jährigen persönlich kennenzulernen. Dabei zeigte er nicht nur seine ernstere Seite, während er einen kleinen Blick in seine Seele zuließ, er verriet auch viele spannende Details über die Entstehung der Serie.

Ich habe mich immer wie ein Außenseiter gefühlt, oder wie jemand, der versehentlich eingeladen wurde“, verrät Jason Segel gleich zu Beginn des Gesprächs. Er habe diese Position aber immer genossen, da sie einen anderen Blick auf die Dinge ermöglichte. Genau so verhält es sich auch mit und in seiner ersten eigenen Serie: „Darum geht es in der Show: Um das Gefühl, dass das Leben mehr Schein als Sein ist, obwohl du nur einen anderen Blickwinkel brauchst oder eine andere Entscheidung treffen musst und schon ist da Magie.“

Wie viele seiner Gedanken und Gefühle Segel in „Dispatches from Elsewhere“ goss, wird im Gespräch mit dem Schauspieler, der sich nun das erste Mal als Regisseur versuchte, schnell deutlich. „Der Gedanke, dass in jedem der vier Protagonist*innen ein Teil von mir steckt, ist nicht allzu weit hergeholt. Und ich bin mir sicher, dass da auch Teile von jedem einzelnen Zuschauer in den Figuren steckt. Daran glaube ich fest. Deswegen habe ich mich für vier so unterschiedliche Charaktere in unterschiedlichen Lebenskrisen entschieden und die Zuschauer zu Beginn einer jeden Episode aufgefordert, sich vorzustellen, sie seien der oder die jeweilige Protagonist*in. Am Ende wird man dann aber feststellen, dass sie alle eine Person sind.“

Dispatches from Elsewhere - Jason Segel, Eve Lindley, Sally Field & Andre Benjamin
"Dispatches from Elsewhere" mit Jason Segel, Eve Lindley, Sally Field & Andre Benjamin. Bild: Amazon Prime Video

Seine Show will er als eine kleine Hommage an „Der Zauberer von Oz“ verstanden wissen. „Ich glaube nicht, dass die Reise [der Suche nach sich selbst], jemals endet! Eigentlich wollte ich in Interviews gar nicht darüber sprechen, aber ich glaube, es ist einfach die beste Beschreibung der Show. Es ist meine Version des ‚Zauberers von Oz‘. In den ersten vier Episoden von ‚Dispatches‘ entsteht der Song eines jeden Protagonisten: Der hier braucht ein Herz, der hier braucht ein Gehirn, der hier braucht Mut, der hier es nach Hause schaffen. Und sie glauben, wenn sie dieses Mädchen finden – oder eben Oz – dann finden sie die Antwort auf ihre jeweilige Frage. Doch die liegt in Wirklichkeit in ihrem Miteinander. Vielleicht trugen sie die Antwort von Anfang an in sich!?“

Auf das Endergebnis seines ersten kreativen Serien-Schreibergusses ist Segel sichtlich stolz. Der Weg dahin war aber alles andere als einfach. „Bei diesem Projekt hatte ich oft Angst. Aber ich ignoriere meine Ängste nicht, ich nehme sie an. David Bowie gab Künstlern einst einen großartigen Rat: Wenn du dich mit dem wohlfühlt, was du tust, dann erschaffst du vermutlich nichts Interessantes. Und wenn du ein bisschen weiter ins Wasser wartest, bis zu der Stelle, an der deine Füße den Grund nicht mehr berühren und du Hunde-Paddel-Bewegungen machst, dann bist du genau da, wo du etwas Aufregendes hervorbringen kannst. Und so habe ich mich gefühlt. Zwanzig Jahre lang habe ich kein einziges Mal gedacht: ‚Ich schaffe das vielleicht nicht!‘ und während ‚Dispatches from Elsewhere‘ hatte ich dieses Gefühl immer wieder. Aber immer, wenn ich dachte: ‚Es klappt vielleicht nicht‘, habe ich die danach die fertigen Folgen geschaut und habe sie geliebt.“

Letztlich hat „Dispatches from Elsewhere“ ihm sogar dabei geholfen, sich selbst ein wenig mehr zu akzeptieren und zu lieben. In einem Interview sagte Jason Segel einst, irgendwann müsse man es schaffen, sein eigener Freund zu werden. Daran arbeitet er bis heute. „Das ist ein David Forster Wallace-Zitat. Er sagte, die bedeutendste Beziehung, die er mit sich selbst gehabt habe, sei die zu dieser anderen Stimme in seinem Kopf gewesen. Die, die einem entweder sagst: ‚Du bist ein Haufen Scheiße‘, oder eben: ‚Du machst alles richtig‘. Mit dieser Stimme kämpfe ich noch immer. Aber ich werde immer besser darin, Frieden mit mir selbst zu schließen. Den Druck ein wenig wegzunehmen, hilft!“

Wir gratulieren Jason Segel zu seiner ersten eigenen Serie und dem erfolgreichen Regiedebüt. Sie haben eine göttliche Lässigkeit, Herr Segel!

 
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