Kino

James Cameron holt die Mythbusters

Das nasse Finale von "Titanic" ist wirklich Herz zerreißend - aber ist es auch plausibel?

Wer bei der Szene kein Tränchen im Auge spürt, hat kein Herz: Die "Titanic" auf dem Meeresgrund, Rose frierend - Jack erfrierend. Sie auf dem Wasser - er im Wasser... DAS ist wahre Ritterlichkeit - und zwar gefälligst bis zum Tode. So weit, so episch. Wer aber nach dem Weinkrampf das Hirn wieder in Stellung bringt, wird ziemlich schnell auf die richtige Frage kommen: "Warum ist die Bratze denn nicht einfach ein Stück rübergerutscht? Jack klettert mit rauf, man wärmt sich gegenseitig - und sie lebten glücklich und zufrieden bis..." "So leicht wenn's gewesen wär", lamentiert Regisseur James Cameron jedes Mal wenn er auf diesen Logikbruch angesprochen wird. Und das ist nicht gerade selten - speziell jetzt, da die Titanic noch einmal in 3D ihr nasses Grab findet. Dazu herrscht kein Mangel an experimentierfreudigen Rechthabern, die das Internet mit Bildern bereicherten, wo Pärchen auf Planken dieser Größenordnung problemlos Platz fanden. Alles Quatsch: "Das ist keine Frage des Platzes sondern des Auftriebs", beteuert Cameron. "Jack hievt Rose auf das Floß. Dann versucht er selber drauf zu kommen - er ist ja kein Idiot, er will ja nicht sterben. Doch das Floß sinkt ein und beginnt sich zu drehen - somit ist klar, dass der Auftrieb nur für eine Person genügt. Also trifft er seine Entscheidung." Und selbst, wenn das damalige Taumpaar Kate Winslet und Leonardo DiCaprio den Balanceakt geschafft hätten. Der Regisseur ist überzeugt: "Sie wären halb im Wasser gewesen und wären nur beide erfroren."

 

Die Mythbusters sollen's richten

Davon will er jetzt ein für alle Mal auch den Rest der Welt überzeugen. Und was macht man in dem Fall in Hollywood? "Who you gonna call?" Mythbusters! Die Legenden-Zerstörer des Discovery Channels, auch hierzulande bei RTL 2 ziemlich erfolgreich als TV-Desillusionierer, sollen dasselbe machen wie seinerzeit Jack und die Titanic - nämlich der Sache auf den Grund gehen. "Die Mythbusters werden das Problem in die Hand nehmen, und ich werde ihnen dabei helfen. Wir bringen's zu Ende", behauptete Cameron jetzt vor der Presse entschlossener denn je. Wie genau die beiden Special-Effects-Spezialisten Jamie Hyneman und Adam Savage der Mythos der sinkenden Meerjungfrau busten wollen, ist noch nicht bekannt. Die Frage ist nur, was Cameron macht, so sich die Planke als belastbar erweisen sollte. Einen Directors Cut mit Happy End in den Handel bringen? So oder so: Es wird ein Erfolg. Wie eigentlich alles, was der Regisseur von "Avatar" in die Hand nimmt. Schließlich war es nicht übertriebener Realismus, der die Abenteuer der Na'vi auf Pandora zum erfolgreichsten Film aller Zeiten hat werden lassen. Direkt gefolgt von "Titanic" - und zwar vermutlich wegen und nicht trotz des glücklosen Endes der Liebe von Jack und Rose.



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