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„Into the Beat – Dein Herz tanzt”: Was kann der erste deutsche Coming-of-Age Tanzfilm?

Das Ballett ist Katyas Familientradition und bestimmt ihr Leben - doch beim Streetdance pulsiert sie und kann ganz sie selbst sein. Eine Filmkritik zu "Into the Beat - dein Herz tanzt" und wie dieser es verfehlt, sich als Coming-of-Age Film über das Tanz-Genre hinaus zu profilieren.

 „Into the Beat – Dein Herz tanzt”: Was kann der erste deutsche Coming-of-Age Tanzfilm?
"Into the Beat - Dein Herz tanzt" überzeugt mit tänzerischer Darstellung und guten Choreografien. Foto: Wild Bunch Germany

"Into the Beat - Dein Herz tanzt" kombiniert klassischen Tanzfilm mit typischer Comig-of-Age Problematik: Wer bin ich? Wer will ich sein? Wie kann ich ich selbst sein? Hübsch verpackt in der Symbolik der Gegensätze zweier Tanzwelten, schafft es der Film dennoch nicht über das Tanzfilm-Genre hinaus zu begeistern. Das liegt zum einen am Aufbau der Handlung, zum anderen aber auch an der Schauspielerei der Newcomer. Ob das stört, liegt jedoch im Auge des Betrachters. Fans und Freunde von beeindruckenden Tanz-Moves und Choreografien kommen hier nämlich voll und ganz auf ihre Kosten.

 

Für was tanzt dein Herz?

Katya (Alexandra Pfeifer) ist nach jahrelangem Training kurz davor, ein begehrtes Stipendium für die New Yorker Ballet Academy zu bekommen und eine großartige Ballerina zu werden. Ihr Vater Victor (Trystan Pütter), einst selbst ein erfolgreicher Ballettstar, setzt alles auf seine Tochter und sie somit stark unter Druck. Als Katya jedoch eines Tages zufällig auf eine Gruppe junger Breakdancer trifft, steht ihre (Tanz)welt plötzlich Kopf. Fasziniert von dem pulsierendem Streetdance ganz ohne Regel und Vorschriften lässt sie sich von dem jungen Tänzer Marlon (Yalany Marschner) in die Welt des Breakdance entführen und entwickelt ihren ganz eigenen Tanzstil. Schon bald kommen sich die Beiden näher, doch ihr Vater duldet weder Marlon noch Streetdance und so steht Katya vor einer folgenschweren Entscheidung.

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Was kann der Tanzfilm "Into the Beat" ... und was nicht?

Stefan Westerwelle wagt sich mit “Into the Beat – Dein Herz Tanzt“ als erster deutscher Regisseur an das Tanzfilm-Genre mit „Coming of Age“-Elementen heran. Trotz dem Aufgreifen von tiefgründigeren Themen wie Selbstfindung und Identitätskrise im jungen Alter verlässt er dabei leider nicht den vorgefertigten Pfad durch amerikanischen Tanzfilm-Versionen wie „Step Up“, „Honey“ oder „Street Dance“. Wer also einen frischen Handlungsverlauf erwartet, wird enttäuscht: Zwei Tanzwelten prallen aufeinander und am Ende steht die Audition, die die Protagonistin vor eine große Entscheidung stellt: Vernunft oder Leidenschaft? Auf einen überraschenden Plot-Twist wartet man bis zuletzt vergeblich.

Stereotype Charaktere

Neben der vorhersehbaren Dramaturgie wurde sich dazu auch noch großzügig am Klischee-Wühltisch bedient: So kommt die Protagonistin aus gutem Hause, wurde in naher Vergangenheit von einem schweren Schicksalsschlag getroffen. Dazu kommt ein strengen Vater, der sie unter Druck setzt und mit konventionellen Familien-Traditionen kontrollieren möchte. Der Protagonist hingegen kommt dann natürlich aus einer anderen Welt und einfachen Verhältnissen, ist eher der „harte Schale, weicher Kern“-Typ, rebellierend, auf sich allein gestellt und einsam. Das Ganze wird durch ihre entsprechenden Tanzrichtungen stilistisch hervorgehoben – passend, aber auch nichts Neues: auch im „StreetDance“-Sequel „StreetDance: New York“ bediente man sich schon dem Gegensatz von Ballett und Street Dance, um Unterschiede im Leben der Protagonisten zu betonen.

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Holprige Dialoge und "coole" Jugendsprache

Natürlich nähern sich die Beiden dann beim gemeinsamen Tanzen auch immer mehr an und, na klar, verlieben sich. Wann bedenken Filmemacher endlich einmal, wie emotional und mitreißend auch eine innige Freundschaft sein kann? Die nimmt schließlich in der Jugend einen immer größeren Stellenwert ein. Und genau diese Zielgruppe ist es auch, die über die vermeintliche „Jugendsprache“ und den ein oder anderen stumpfen Dialog vermutlich gerade zum Auftakt des Filmes stolpern wird. Anglizismen hin oder her, die eingeworfenen Sätze auf Englisch wirken eher irritierend und gestellt als authentisch und spontan. Rebellische und scharfe Kommentare bleiben aus, daher liegt die FSK bei 0.

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Talentierte Tänzer und beeindurckende Choreos

Besinnt man sich jedoch auf die tänzerische Darstellungsleistung – es ist ja immerhin ein Tanzfilm - kann „Into the Beat – Dein Herz tanzt“ jedoch in voller Linie gerade Streetdance-Begeisterte überzeugen und steht seiner amerikanischen Konkurrenz in Nichts nach. Dies ist nicht zuletzt der Produktionsanteilnahme und Mitwirkung der „Flying Steps“ zu verdanken, die durch ihre atemberaubenden Choreografien internationalen Bekanntheitsgrad und Beliebtheit genießen.

Neben dem Entwurf der Tänze und einem Gastauftritt des Mitbegründers und künstlerischen Leiters Vartan Bassil unterrichteten die Flying Steps auch die beiden Hauptdarsteller Alexandra Pfeifer und Yalany Marschner monatelang in den aufwendigen Tanz-Choreografien. Und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen: die tänzerische und körperliche Leistung der Newcomer besticht nicht nur durch Präzision, sondern vermittelt spürbare Leidenschaft, ansteckenden Spaß am Tanzen und macht definitiv Lust auf mehr. Da verzeiht man den Beiden auch fehlende schauspielerische Erfahrung im Hinblick auf ihr erstes Kinodebüt.

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Tolle Bilder und Gute-Laune-Soundtrack

Dazu kommt die geschickte Kameraführung, die nicht nur die wildesten Choreos perfekt und übersichtlich in Szene setzt, sondern auch beeindruckende Bilder und wunderschöne Drehorte inmitten der Hansestadt Hamburg einfängt. Untermalt werden die Szenen mit einem gelungenen Soundtrack, den es bereits auf Spotify gibt und der dazu einlädt, gleich mal selbst den ein oder anderen Move auszuprobieren. Hierfür gibt´s auf YouTube auch direkt das passende Tutorial zum Film.

Für alle Tanzbegeisterten, die Lust auf beeindruckende Choreos haben und bereit sind, dafür bei Schauspiel und vorhersehbarerer Handlung ein Auge zuzudrücken, ist der Film also absolut empfehlenswert. Wer bei dem symbolischen Kampf von Selbst- gegen Fremdbestimmung in dem Coming of Age-Film jedoch charakterliche und dramaturgische Tiefe erwartet, wird wohl enttäuscht werden.

 

 

 


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