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Ich war einmal ein Kinofilm

Ob "Psycho" oder "Dracula": Das US-Fernsehen setzt auf Neuauflagen großer Hollywoodfilme - als TV-Serien! Das funktioniert bei den meisten richtig gut, bei manchen allerdings gar nicht

"From Dusk Till Dawn"
"From Dusk Till Dawn" 1996 und heute

Fernsehen erzählt die Geschichten besser, heißt es. Ein Satz, den man jetzt perfekt auf den Prüfstand stellen kann! Denn derzeit produzieren die US-Sender Serien ohne Ende – die alle eines gemeinsam haben: Sie sind Adaptionen großer Filmklassiker, erfolgreicher Blockbuster oder Kult-Movies. Aber kann das TV dem Kino damit Konkurrenz machen?

Mehr Zeit, mehr Budget


„Wir erleben die künstlerisch reichste Zeit der TV-Geschichte“, stellte das New York Magazine kürzlich fest. Das liegt zum einen daran, dass die Sender bereit sind, viel Geld in neue Serien zu stecken: Einzelne Folgen können schon mal bis zu fünf Millionen Dollar kosten – mehr als so mancher Klassiker: Alfred Hitchcock drehte „Psycho“ zum Beispiel für nur 800.000 Dollar. Klar, das war 1960. Aber sicher ist: Je größer das Budget, desto aufwendiger kann produziert werden. Zum anderen setzen die Sender seit einigen Jahren vor allem auf Autoren-Serien, in denen die Story und die Entwicklung der Charaktere im Vordergrund stehen. Und  genau darum geht es auch in den Serien- Adaptionen großer Blockbuster: Im Film bekam die Geschichte nur rund 90 Minuten, um sich zu entfalten – nun hat sie so viele Folgen Zeit, wie sie eben braucht. Aber wollen wir wirklich Movies, die wir in- und auswendig kennen, noch einmal Häppchenweise erzählt bekommen? Ja! Wenn das Konzept dahinter stimmt…

Alte Story neu verpackt


Bei „Bates Motel“ (die erste Staffel lief bis Ende Mai bei VOX) ist das der Fall: Sie erzählt die Vorgeschichte zu Hitchcocks „Psycho“, versetzt sie aber ins Hier und Jetzt – so erhält der Zuschauer einen neuen Blick auf eine bekannte Filmfigur. Ein Rezept, nach dem auch „Hannibal“ (Staffel 2 startet im Herbst bei SAT.1) funktioniert. Und das gut ankommt: Beide Serien wurden gerade um eine dritte Staffel verlängert. Umgekehrt macht es die frisch in den USA gestartete Serie „Dominion“. Sie spinnt die Story des Fantasy-Thrillers „Legion“ (2010) weiter, ist also eine Fortsetzung. Auch „Sin City: A Dame To Kill For“ (Kinostart: 18.9.) und das Kino-Reboot von „Terminator“ (Kinostart: 2015) sollen im TV weitererzählt werden. Sogar Hollywood-Regisseure mischen bei diesem Trend mit: Die Coen-Brüder entwickelten aus ihrer kultigen Schnee-Groteske „Fargo“ (1996) ein gleichnamiges Serien- Spin-off: mit neuen Figuren, aber in ähnlicher Umgebung wie im Film. Dazu verpflichteten sie Stars wie Martin Freeman („Der Hobbit“) und Billy Bob Thornton („Bad Santa“)! Eine clevere Rechnung, die in den USA bereits aufgegangen ist.

Streckfolter-Gefahr


Schwieriger wirds für Regisseur Robert Rodriguez. In der TV-Neuauflage seines Kult-Streifens „From Dusk Till Dawn“ hält er sich stark ans Original – und bläht in der Auftaktfolge die ersten neun Minuten seines Vampir-Thrillers auf eine 45-minütige Langversion auf. Für die einen ein großer Genuss, für andere reine Folter… Auch das Serien-Remake von Roman Polanskis Klassiker „Rosemary’s Baby“ (1968) erzählt eine bekannte Story. Hier könnte es aber besser funktionieren: Die Macher haben sich für eine kurze Staffel mit vier Folgen entschieden. So wird der Storyentwicklung genug Raum gelassen, ohne künstlich überdehnt zu wirken. Bis dieser Trend auch uns richtig erreicht, müssen wir uns aber noch gedulden – deutsche Starttermine gibts erst wenige. Aber das Warten könnte sich lohnen. Denn Fernsehen und Kino stehen hier meist nicht in Konkurrenz, sondern gehen Hand in Hand. Für die Zuschauer verspricht das doppelten Spaß!

TEXT: Katharina Hofmann


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