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Hollywood: Hat der Neuauflagen-Wahnsinn jemals ein Ende?

"Batman v Superman" Teuerste Produktion?
"Reboots" und "Remakes" sind zur grauen TV- und Kinorealität geworden: Doch ist der Siegeszug der "alten Stoffe im neuen Gewand" überhaupt aufzuhalten? 2015 Warner Bros. Entertainment Inc.

Spider-Man, Roseanne, Marvel oder Netflix: Derzeit dreht sich in Hollywood und der Medienindustrie gefühlt alles um Neuauflagen bereits erfolgreicher Formate. Doch wann hört der Reboot- und Remake-Wahn endlich auf?

Ob passionierter Kinogänger oder Free-TV-Veteran: Wir Menschen sind auch beim Medienkonsum absolute Gewohnheitstiere. Egal wie oft uns das Fernsehen dieselbe Reality-Show mit leicht veränderten Spielregeln verkauft oder die x-te Romantikkomödie mit derselben formelhaften Geschichte entwickelt - im Endeffekt springen wir doch darauf an und geben den Medienmachern, auch wenn wir uns öffentlich gerne dagegen sträuben, Recht. 

Wir haben akzeptiert, dass der achte "Fast & Furious"-Teil, der sechste "Paranormal Activity"-Ableger oder die süßen kleinen Viecher aus „Ich – Einfach Unverbesserlich 1 und 2“ die Kinokassen und damit auch unsere Sehgewohnheiten dominieren. Doch nach der Sequelmania, als der konsequenten Fortsetzung erfolgreicher Kinostoffe, haben die Film- und TV-Studios nun seit einigen Jahren ein ganz neues Geschäftsmodell für sich entdeckt: die Wiederaufbereitung von Klassikern, TV-Shows und erfolgreichen Stoffen im neuen Gewand. Mit dem „Reboot- und Remakewahn“ wurde vor nicht allzu langer Zeit noch das angeprangert, was in unseren Kinosälen und in unserem TV-Programm längst Realität geworden ist. 

 

"Spider-Man" vs. "Roseanne": Es reicht!

Spätestens mit dem gefühlt 10. Reboot der "Spider-Man"-Reihe (im nächsten Jahr) nimmt diese Entwicklung ein Ausmaß an, dass wohl die wenigsten in solch einer Drastik erwartet hätten. Gerade "The Amazing Spider-Man" mit Andrew Garfield stellt zumindest aus kreativer Sicht den absoluten Tiefpunkt der zweifelhaften Versuche dar aus erfolgreichen Stoffen möglichst effizient zu recyceln und abzukassieren: Wenn nicht einmal versucht wird die Geschichte eines „Original“-Films zu überarbeiten, sondern der Reboot quasi eine 1-zu-1-Kopie des Originals darstellt, dann darf man sich berechtigterweise fragen, was diese offensichtliche Abzocke am Zuschauer eigentlich soll!

Auch im TV-Bereich hat man die Goldenen 80er und 90er Jahre scheinbar als neues Prestigeobjekt auserkoren. Egal ob ein russisches (!) Reboot von "Roseanne", eine TV-Neuauflage von "MacGyver", Diskussionen über einen Neustart von "ALF" oder eine angekündigte Wiedergeburt von "Das A-Team": Die Liste der angekündigten Neuauflagen von erfolgreichen TV-Produktionen wird länger und länger. Gerade im Animationsbereich zeigt sich, dass die Fans nicht nur hocherfreut sind ihre liebsten nostalgischen Film- und TV-Erinnerungen in neuer Form wiederzusehen: Wenn der Pumuckl plötzlich sein Bäuchlein verliert oder die Biene Maja im hässlichen Digitallook zurückkehrt, wünschen sich die meisten Zuseher wohl lieber eine Neuausstrahlung ihrer liebsten Kindheitserinnerungen zurück, als eine lieblose Neuadaption.

 

Die positiven Ausnahmen

Doch es gibt sie noch: Die positiven Ausnahmen von der "schnellen Geldmacherei"-Regel. Was Netflix mit "Daredevil" und Fox mit "Hannibal" gemacht haben, ist bspw. herausragend. Reboots oder Remakes mit einem starken Ensemble und einer tollen Handschrift der Macher sollten eben niemals aus der Mode kommen. Auch das neu aufgelegte "Fuller House"-Projekt macht Lust auf mehr: Die „alte Garde“ überlässt den damals jungen Nebendarstellern nach über 20 Jahren die Bühne – finden wir super. Ähnlich gut auch die Idee eine großartige, wenn auch nicht gänzlich abgeschlossene Serie wie „Gilmore Girls“ noch einmal in vier Folgen mit den Original-Darstellern ordentlich zu Ende zu führen.

Doch wohin geht der Trend mit dem Reboot- und Remakewahn? Beim Blick auf das Kino- und TV-Programm der nächsten 12 Monate, in denen es gefühlt nur so von „Neuadaptionen“ wimmelt, kann einem schon einmal bange werden. Zum Glück haben wir Zuschauer es selbst in der Hand mit unseren Einschaltquoten und Kinotickets die zukünftigen Stoffe zu bestimmen, die wir sehen möchten. Und bei aller Schwarzmalerei gibt es sowohl im TV- als auch im Kino-Bereich genug Alternativen zum Einheitsbrei, der uns ansonsten gerne aufgetischt wird. Warum also immer nur "Reality-Schnitzel", wenn es so viele köstliche neue Speisen gibt?
 



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