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"Gilmore Girls"-Interview: Kelly Bishop verachtet Frauen wie "Emily"!

Zu "Emily" haben viele Fans der "Gilmore Girls" über die Jahre eine Hass-Liebe aufgebaut - auch Darstellerin Kelly Bishop. Im Exklusiv-Interview spricht sie darüber, welche Herausforderungen auf "Emily" in "Gilmore Girls: Ein neues Jahr" bei Netflix warten!

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge kehrte „Emily“-Darstellerin Kelly Bishop nach „Stars Hollow“ zurück. Jahrelang hatte sie sich für eine Fortsetzung der Kult-Serie stark gemacht. Doch als es dann tatsächlich so weit war, überschattete ein tragischer Tod die Rückkehr ans Set von „Gilmore Girls“: Denn Kelly Bishops langjähriger Co-Partner und Serien-Mann Edward Hermann war Ende 2014 verstorben. Emily ohne Richard? Eigentlich unvorstellbar.

Und genau das war auch das Gefühl, das bei der gesamten „Gilmore Girls“-Crew am Set der neuen Folgen herrschte. Doch sowohl für Kelly Bishop als auch für „Emily“ begann ein ganz neuer Lebensabschnitt – und der bringt natürlich wieder jede Menge Konflikte zwischen ihr und Lorelai ans Tageslicht. Im Exklusivinterview in New York verriet uns Kelly Bishop nicht nur, welche Probleme sich Emily in den neuen vier Folgen stellen muss, sondern auch, warum es fast kein Wiedersehen mit den „Gilmore Girls“ gegeben hätte.

TV Movie: Wie war es für Sie zurückzukommen? 

Kelly Bishop: Es war himmlisch. Es war für mich ein Gefühl, wie nach Hause zu kommen.  

Haben sie zunächst gezögert, als Sie von der Fortsetzung gehört haben?

Überhaupt nicht! Eigentlich habe ich ‚Gilmore Girls‘-Schöpferin Amy Sherman-Palladino über Jahre hinweg mit der Idee belästigt eine Fortsetzung als Film zu machen. ‚Sex and the City‘ hat ja dann auch den Sprung vom TV ins Kino geschafft. Aber Warner Bros. war ziemlich zögerlich, was eine Fortsetzung anging. Wahrscheinlich bekomme ich jetzt Ärger, aber ich sag es trotzdem: Sie wussten einfach nicht, was sie an Gilmore Girls hatten. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob sie die Show geschaut haben und überhaupt begriffen haben, was für eine Menge treuer und enthusiastischer Fans es gibt. Ich habe mal von einer lustigen Anekdote gehört: Ein Bundesrichter hat sich wohl Donnerstagabends immer um Punkt 20 Uhr in seinem Büro eingeschlossen und seinen Mitarbeitern gesagt, dass sie ihn in Ruhe lassen sollen, bis die neue Folge "Gilmore Girls" zu Ende ist!  

Gilmore Girls Rory Lorelai Emily
Beim Dinner mit Emily gibt es einen unerwarteten Gast          Netflix

Wie ging es mit dem Projekt dann weiter?

Dadurch, dass ich Amy die ganze Zeit belästigt habe, ist sie wohl auch an der Sache dran geblieben. Sie hatte aber große Probleme das Projekt Warner schmackhaft zu machen, da es natürlich auch ein ziemlich großes finanzielles Risiko darstellte. Also saßen wir da und waren alle ein wenig ratlos, wie es mit den "Gilmore Girls" weitergehen könnte. Und irgendwann haben wir diese ATX Convention in Austin, Texas gemacht. 

Die Fans vor Ort waren so enthusiastisch: Einige waren extra aus Australien oder Europa angereist, um uns zu sehen und uns zuzuhören. Und dieser Moment war wohl einer der ausschlaggebenden Gründe, warum alle plötzlich Feuer und Flamme für eine Fortsetzung waren. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich dann eben auch Netflix die Rechte gesichert. Zwar würden die wohl nie offiziell verraten wie oft ihre Sendungen geschaut werden, aber sie wussten wohl genau Bescheid um die Zugkraft der Serie. 

Hatten sie irgendwelche Vorbehalte oder Angst davor, dass die neuen Folgen den Erwartungen der Fans nicht gerecht werden? 

Für mich ist ‚Gilmore Girls‘ brillant geschrieben. Amys Stil ist unglaublich. Ich vertraue ihr blind. Ehrlich gesagt würde ich wohl jedes Projekt annehmen, wenn sie mich fragen würde. So sehr liebe ich ihre Arbeit. Ich hatte also überhaupt keine Vorbehalte. Die Tatsache endlich wieder mit Lauren (Anm. Lorelai) arbeiten zu dürfen, hat mich unheimlich glücklich gemacht. Ich bin verrückt nach ihr - wir lieben uns sowohl beruflich, als auch privat. Mein einziger privater Vorbehalt war es für den Dreh nach Kalifornien reisen zu müssen.

Wie war es für sie das erste Mal am Set ohne ihren verstorbenen Co-Star Edward Herrmann zu sein? 

Ich erinnere mich, dass meine erste Szene im Wohnzimmer war. Sie hatten natürlich am Ende der Serie das Set auseinandergebaut und ich war tatsächlich überrascht, wie gut sie alles wieder hinbekommen haben. Aber zu Beginn war da eine unglaublich Leere ohne Ed. Wir hatten das natürlich alle irgendwie erwartet, aber es hat sich trotzdem schrecklich angefühlt.

"Gilmore Girls" Richard
Der Verlust von "Richard"-Darsteller Edward Herrmann wiegt schwer!

An welchem Punkt ist Emily gerade, wenn wir sie das erste Mal in der Serie wiedersehen?

Die erste Episode "Winter" spielt zeitlich knapp sechs Monate nachdem Richard gestorben ist. Emily hat immer noch einige unausgesprochene Konflikte mit Lorelai und die wurzeln wiederum auf etwas, das bei Richards Beerdigung passiert ist: Die Zuschauer werden in einem Flashback erfahren, was genau vorgefallen ist. Emily versucht irgendwie ihr Leben wieder auf die Reihe zu kriegen, allerdings ist sie furchtbar überfordert und konfus. Sie versucht das natürlich nicht nach außen zu zeigen, aber innerlich ist sie vollkommen verloren und hat keinen Schimmer davon, wie ihr Leben weitergehen soll. In einer Szene sagt Emily: ‚Wir waren 50 Jahre zusammen. DIe Hälfte von mir ist einfach weg.‘ Und ich denke, dass kann jeder verstehen, der jemanden verloren hat, mit dem er einen Großteil des Lebens verbracht hat.

Wie schwierig war für Sie die Geheimniskrämerei um die Serie? Die Fans haben ja schon jeden Schnipsel des aktuellen Trailers analysiert, um womöglich versteckte Hinweise auf den Inhalt zu finden!

Ach, ich finde das ziemlich amüsant. Auch, wenn die Geheimhaltung natürlich ziemlich intensiv war. Netflix war zwar ziemlich tolerant, was den Besuch von Gästen am Set anging, allerdings mussten die dann natürlich auch eine ausführliche Geheimhaltungsvereinbarung unterzeichnen. Und natürlich darf ich auch nicht einfach so über den Inhalt der Folgen plaudern, was ich allerdings auch gar nicht machen würde. 

Aber gerade heutzutage finde ich es schön, wenn man Geheimnisse auch tatsächlich geheim halten kann. Wir sind in einer Gesellschaft, in der wenig verborgen bleibt und hier hat es sich dann tatsächlich so angefühlt wie ein Geschenk zu Weihnachten, dass man eben erst aufmachen darf, wenn der Weihnachtsmann angekommen ist (lacht).  

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Sie haben ja erwähnt, dass Sie der Dreh in Kalifornien etwas abgestoßen hat: Was stört Sie eigentlich am Reisen bzw. an der Westküste? 

Ich liebe San Francisco. Und wenn Los Angeles in San Diego wäre, wäre alles in Ordnung. Los Angeles ist trocken, flach und hat keine Architektur. Wenn es regnet, wird es schnell matschig und es sind einfach viel zu viele Autos unterwegs. Es gibt kein Zentrum. Wenn man einen Freund besuchen will, muss man mindestens anderthalb Stunden unterwegs sein. Ich fühle mich dort immer komplett verloren. Es ist einfach nicht meine Stadt. 

Ich lebe ja nicht mehr zentral in New York, aber man läuft egal in welcher Straße entlang und entdeckt immer wieder wunderschöne neue Ecken, obwohl ich hier schon 40 Jahre lebe. Und die Leute erst: Ich habe mit meinem Mann drei Jahre in L.A. gelebt. Als ich zurückgekommen bin und durch den Central Park spaziert bin, musste ich mich wirklich wieder daran gewöhnen, dass einem die Leute auch in die Augen schauen. 

In L.A. schaut man nämlich überwiegend Autos und Scheinwerfer an und zurückzukommen und tatsächlich Leuten in die Augen zu schauen, war eine Wohltat. Ich liebe Sound Stages und die Industrie. Die Promi-Glitzer-Welt ist einfach überhaupt nicht meine Sache.  

Was lieben Sie an Emily und weshalb ist diese Rolle solch ein Geschenk? 

Emily ist so unangenehm und unverschämt. Sie ist so von sich selbst überzeugt und versnobbt. Für mich repräsentiert sie viele Dinge, die ich an solchen Frauen verachte. Wenn ich die Chance bekomme so eine Figur zu spielen, dann hänge ich mich wirklich rein und versuche die Figur so unsympathisch werden zu lassen, wie nur möglich (lacht). Irgendwie habe ich sie wohl trotzdem zu sympathisch gespielt, denn die Leute hassen mich nicht (lacht). Man würde sie sich allerdings nicht als Mutter wünschen.  

Ist Emily eigentlich immer noch so altmodisch? 

Sie fängt an etwas moderner zu werden, aber auch nur, weil sie das Leben als Single-Frau erforscht. Nicht in dem Sinne, dass sie jetzt plötzlich anfängt zu daten, sondern einfach eine Art von Leben zu erkunden, das sie nicht mehr kannte. Sie hat Lorelai wohl sehr früh bekommen und war knapp 50 Jahre verheiratet: Natürlich beginnt sie da zu erforschen, was sie machen kann, weil sie nicht weiß, wie es weitergehen soll. Ich weiß noch nicht einmal ob sie tatsächlich nach Glück sucht. Es ist die verzweifelte Suche nach Trost, den sie einfach nicht finden kann. 

Die vier 90-minütigen Folgen von "Gilmore Girls: Ein neues Jahr" erscheinen am 25. November 2016 exklusiv auf Netflix! Welche empfehlenswerten Serien es noch beim Streaming-Anbieter zu sehen gibt, seht ihr hier:

 

Ihr wollt noch mehr über die Serienfortsetzung wissen? Dann schaut auf unsere "Gilmore Girls"-Seite.

Ihr braucht neuen Serienstoff? Holt euch Inspiration auf unserer Seite "Neu bei Netflix".



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