„Firefly Wedding“: Diese Liebesgeschichte ist nichts für Zartbesaitete
Satoko will nur überleben – und macht dafür ausgerechnet einem Auftragsmörder einen Heiratsantrag. „Firefly Wedding“ überrascht mit einer Romance, die schnell ziemlich blutig wird.

Eine kranke Adlige, eine gemeine Stiefschwester und ein Auftragsmörder, der plötzlich ihr Ehemann werden soll: „Firefly Wedding“ bringt in seiner ersten Folge einige bekannte Shojo-Zutaten zusammen. Trotzdem fühlt sich die Geschichte schnell nach mehr an als nach der nächsten Romance mit leidender Heldin und geheimnisvollem Bad Boy.
Satoko hat mehr Kontrolle, als es zunächst scheint
Denn Satoko ist zwar sanft, höflich und körperlich nicht gerade in der stärksten Position – ihre Sanftheit sollte man allerdings nicht mit Schwäche verwechseln. Gerade im Umgang mit ihrer Stiefschwester zeigt sie, dass sie sich durchaus behaupten kann, ohne selbst laut oder grausam zu werden. Satoko bleibt ruhig, beobachtet genau und bewahrt auch dann ihre Würde, wenn andere versuchen, sie kleinzumachen.
Das wird spätestens nach ihrer Entführung wichtig. Körperlich kann sie sich gegen ihre Angreifer kaum wehren, dafür erkennt sie ziemlich schnell, wo ihre Chance liegt: Shinpei Goto. Der Auftragsmörder ist nämlich nicht nur gefährlich, sondern hat einen sehr ausgeprägten Wunsch nach Nähe und Liebe. Satoko versteht das – und nutzt es aus. Ihr plötzliches Heiratsversprechen ist deshalb kein romantischer Moment, sondern vor allem ein ziemlich cleverer Überlebensplan.
Shinpei wiederum ist erfreulich wenig geheimnisvoll. „Firefly Wedding“ zeigt von Anfang an, was für ein Mensch er ist: Er tötet, er ist blutrünstig und seine Gewaltbereitschaft wird nicht erst nach und nach enthüllt. Gerade das macht ihn interessanter als den typischen Bad Boy, bei dem irgendwann die vermeintlich liebevolle Seite hinter der harten Fassade zum Vorschein kommt.

Optisch trifft „Firefly Wedding“ den richtigen Ton
Auch optisch hat „Firefly Wedding“ einiges zu bieten. Der Zeichenstil passt gut zur historischen Welt der Geschichte und wirkt gerade bei Satoko elegant und detailreich. Sobald Shinpei auftaucht, wird der Look allerdings deutlich düsterer: Rottöne, starke Kontraste und sein markantes Charakterdesign geben seinen Szenen sofort eine andere Stimmung.
Die Animation selbst schwankt dabei etwas – einzelne Einstellungen wirken weniger detailliert –, insgesamt überzeugt der Anime aber vor allem durch seine Farbgestaltung und Bildkomposition. Besonders schön ist, wie der Look die beiden Seiten der Geschichte miteinander verbindet: Satokos eher zarte Welt und Shinpeis blutige Realität.
Ganz ohne Schwächen kommt die erste Folge jedoch nicht davon. Einige Nebenfiguren bleiben recht eindimensional, und auch die Gegenspieler funktionieren zunächst eher als Mittel, um Satoko und Shinpei zusammenzubringen. Manche Entwicklungen gehen zudem ziemlich schnell.
Die erste Folge von „Firefly Wedding“ macht Lust auf mehr
Trotzdem tragen die beiden Hauptfiguren die Episode problemlos. Satoko ist gerade deshalb interessant, weil sie nicht in die Rolle der schwachen, zu rettenden Heldin passt. Und Shinpei muss ebenfalls nicht erst entschlüsselt werden – wir wissen sofort, dass er gefährlich ist. Spannend ist vielmehr, was seine Sehnsucht nach Liebe mit dieser Gewaltbereitschaft macht.
Für mich liegt genau darin die Stärke des Auftakts: „Firefly Wedding“ nimmt vertraute Shojo-Motive, gibt ihnen aber eine deutlich düsterere und blutigere Richtung. Ausgerechnet zwischen einer sanften Adligen und einem Auftragsmörder entsteht dadurch eine Dynamik, bei der längst nicht feststeht, wer hier eigentlich wen kontrolliert. Und das macht neugierig darauf, wie weit diese ungewöhnliche Beziehung noch gehen wird.






