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Filmkritik: "Aufbruch zum Mond" mit Ryan Gosling | Nicht von dieser Welt

Es scheppert, knarzt, brummt, ruckelt, dröhnt. Dieses Flugzeug, in dem Neil Armstrong sitzt, es ist zerbrechlich, nur eine dünne Metallhülle trennt den Piloten vom sicheren Tod; diesem dunklen Mysterium, mit dem er durch den viel zu frühen Krebstod seiner nur zwei Jahre alten Tochter Karen konfrontiert wird. In nur wenigen Einstellungen zeigt „Aufbruch zum Mond“ bereits in den ersten Minuten, was ihn, den ersten Menschen auf dem Mond, ausmacht, ihn antreibt und bewegt.

Aufbruch zum Mond
Das Ziel im Blick; den Mond im Blick: Ryan Gosling als Neil Armstrong. / Universal

Immer wieder schweift der gierige Blick Armstrongs und damit auch des Zuschauers zum Mond, diesem grauen Erdtrabanten, diesem Sehnsuchtsziel. Überhaupt sieht der Zuschauer oft das, was auch die Astronauten sehen, hört dasselbe, und, noch wichtiger: fühlt dasselbe.  

 

Nicht einfach, aber authentisch

Neil Armstrong war ein stoischer Mensch und wird von Ryan Gosling als solcher gespielt. Hier liegt eine der wenigen Probleme des Films – es ist schwer für den Zuschauer, sich mit dem gefühlskalten Astronauten zu identifizieren. Schwer, aber authentisch. Kurz bevor Armstrong auf seine Reise zum Mond geht, sehen wir ihm mit seinen Kindern am Esstisch sitzen – „Wir haben echtes Vertrauen in diese Mission“, antwortet er auf die Frage, ob er zurückkehren wird, nicht, als würde er mit seinem kleinen Sohn, sondern mit einem Journalisten sprechen, als würde es nicht um sein Leben, sondern um ein Arbeitsprojekt gehen.

 

Claire Foy glänzt ebenso wie Ryan Gosling

Auch Claire Foy überzeugt wie schon in ihren vorherigen Rollen hier vollkommen als Janet Armstrong, einer beeindruckend starken Frau, die mit der ständigen Gefahr leben muss, am nächsten Morgen als Witwe aufzuwachen. Sie sieht die Mitarbeiter der NASA als das, was sie letztendlich sind, als einen Haufen Jungs, die Modelle aus Holz basteln und stets mit dem Tod spielen.

Wir alle wissen, dass diese Geschichte ein Happy End haben wird. Trotzdem fühlen wir die stetige Gefahr, wenn wir mithilfe von ruckeligen Bildern von Handkameras durch Armstrongs Augen die ungewisse Reise zum Mond miterleben.

 

Schon wieder ein Meisterwerk von Damien Chazelle

Nach „La La Land“ ist „Aufbruch zum Mond“ nicht der Nachfolger, den wir von Regisseur Damien Chazelle erwartet hätten. Kein Musik-, sondern ein Historienfilm; das Portrait eines amerikanischen Helden. Genau wie Chazelles Regiearbeit ist auch der gleichzeitig majestätisch und zurückhaltende Soundtrack von Oscar-Preisträger Justin Hurwitz, wie schon zu erwarten war, fantastisch. Und auch der restliche Sound von „Aufbruch zum Mond“ weiß zu überzeugen, ob nun als ohrenbetäubendes Wummern der Maschinen oder in der absoluten Stille des Alls.

Körperlichkeit statt Computeranimationen; weniger Effekthascherei, mehr Realismus, das scheint das Motto Chazelles zu sein. Die hervorragende Kamera lässt uns alles fühlen, was auch Armstrong fühlt: die unbarmherzige Härte des Raketenmetalls, den feinweißen Staub der Mondoberfläche, die sonnengeküssten Locken seiner krebskranken Tochter.

 

Für immer die Menschen

Am Ende wird Neil Armstrong dort oben auf dem Mond stehen, wir teilen diesen Moment mit ihm, authentisch, intim und eindrucksvoll; ein imposantes Bild, ein Gefühl, das wir noch lange im Gedächtnis behalten werden. Endlich ist er angekommen. Doch erst hier, 384.000 Kilometer entfernt von Zuhause, wird ihm und uns klar, was wirklich zählt: Die Menschen, die unten auf uns warten.

Ein beeindruckender Film, der uns wieder ins Gedächtnis ruft, warum wir ins Kino gehen – und definitiv ein vielversprechender Anwärter für die Oscars 2019. „Aufbruch zum Mond“ startet am 8. November in den deutschen Kinos. Den Trailer zum Film seht ihr hier:

 

Von Janna Fleddermann



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