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ESC 2018 in Lissabon: Buxtehude gibt es wirklich | Michael Schulte mit Boypower für Deutschland

Michael Schulte ESC Deutschland
Michael Schulte fährt zum ESC nach Lissabon! #buxtehuderboypower Foto: Getty Images

Beim Vorentscheid des „Eurovision Song Contest“ (ESC) in Berlin haben wir gestern zwei Dinge gelernt: Deutschland geht auf Nummer sicher – und Buxtehude gibt es wirklich.

Wer neu in Norddeutschland ist, lernt zuerst zwei Dinge. Erstens: Stelle dich in jeden Sonnenstrahl, den du findest. Und: Ja, das sprichwörtliche Buxtehude gibt es wirklich. Tatsächlich hielt ich selbst die S-Bahn nach Buxtehude für einen Scherz, als ich mir an meinem ersten Tag als Wahl-Hamburger mit zwei schweren Koffern bepackt den Weg durch den Hauptbahnhof bahnte. Zuerst dachte ich an das „Harry Potter“-Gleis 9 ¾ am Londoner Bahnhof „King’s Cross“ – dem direkten Weg aus der realen Welt ins fiktive Hogwarts – und dann irgendwie auch an den „Zug nach Nirgendwo“.

 

Unser Michael gegen die Kümmerlichkeit

Das war 2012 – jenem Jahr, in dem Roman Lob („Standing Still“) für Deutschland mit Rang 8 die letzte einstellige ESC-Platzierung überhaupt holte, gefolgt von Debakeln deren Namen kaum mehr einer kennt, ausgenommen Ann Sophie vielleicht, die als Andreas Kümmerts Vertretung im herrlichen Kopenhagen kümmerliche null Punkte - und damit einen neuen Negativrekord einfuhr.

Sechs Jahre später weiß nun selbst Süddeutschland, dass es Buxtehude (40.000 Einwohner, Landkreis Stadt / nördliches Niedersachsen) wirklich gibt. Denn obgleich alles, auf dem der Stempel „ESC“ steht, zumeist ebenso abgetan wird wie sonst nur DSDS, GNTM oder derzeit die SPD, ist dann doch jeder im Bilde, wenn es um die deutschen Teilnehmer des Traditionswettbewerbs geht. Wenn nur, um nach dem Versagen eines Teilnehmers im Hauptwettbewerb begründet in das allgemeine „Und dafür zahle ich GEZ“-Gemeckere einfallen zu können.

Grund für das Schließen der süddeutschen Bildungslücke ist Singer und Songwriter Michael Schulte (27), der aus dem niedersächsischen Buxtehude an der Hamburger Peripherie stammt und Deutschland am 12. Mai beim ESC in Lissabon vertreten wird. In Vorentscheid Berlin siegte er sogar bei allen drei Entscheidungsträgern, nämlich dem Fernsehpublikum, der Fachjury und den ESC-Experten – ein neuer Abstimmungsmodus, mit dem die ARD demonstriert, dass sie nach den derben ESC-Untergängen der letzten Jahre diesmal auf Nummer sicher gehen will.

 

Buxtehuder Boypower für Deutschland

Michael Schulte hat den ESC-Vorentscheid gewonnen und fliegt nach Lissabon
Michael Schulte ist unser Boy für Lissabon. Foto: Getty Images

Schultes Lied „You Make Me Walk Alone“ ist gleichfalls eine sichere Nummer: Sympathischer Songwriter-Pop mit Mainstream-Flair und Herzschmerzfaktor. Überhaupt scheint ganz Deutschland in Lissabon auf Nummer sicher gehen zu wollen: Nachdem die deutschen Damen, die wir zuletzt in den Wettbewerb schickten, von Cascada bis Eliza nicht zünden wollten, muss es mal wieder ein junger Mann richten. Denn auch der klar erkennbare Aufwärtstrend –  2015 landete Ann Sophie auf Platz 27; 2016 verbesserte Jamie-Lee den Rang um einen auf 26, bevor es Levina 2017 auf den 25. schaffte – schien in Berlin kein Argument mehr zu sein. 24 Jahre will hierzulande wohl keiner auf die neue Lena warten, die, welch Ironie, gestern parallel zum Vorentscheid im ZDF bei „Die Goldene Kamera“ auftrat.

Ergo: Die Jungs müssen ran. In den letzten 15 Jahren schafften es tatsächlich auch nur zwei smarte Singer-Songwriter, Deutschland einstellig aus dem ESC gehen zu lassen. Neben bereits benanntem Roman Lob gelang 2004 auch Max (Mutzke) mit „Can’t Wait Until Tonight“ ein achter Platz. Zwanzig Jahre nach dem Erscheinen von „Spiceworld“ auf der Insel heißt es dahoam jetzt Boypower aus Buxtehude!

Wir wünschen „unserem“ Michael von ganzem Herzen alles Gute für den ESC in Lissabon: Mindestens einen 8. Platz, und dass ihn Deutschland am 13. Mai nicht dorthin wünscht, wo der Pfeffer wächst, nach Timbuktu oder eben back to Buxtehude! You go, bro!

An dieser Stelle auch herzliche Grüße an meinen Kumpel Finn aus Buxtehude! Maryanto Fischer, Redaktionsleiter 

 
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