Fernsehen

"Ein Mann, eine Wahl" - Klaas: "Merkel hatte keine Zeit für mich!"

Kurz vor der Bundestagswahl 2017 trifft Klaas Heufer-Umlauf in der ProSieben- Sendung „Ein Mann, eine Wahl“ auf die Spitzenkandidaten der Parteien. TV Movie sprach mit ihm über Humor in der Politik, Donald Trump und darüber, was Erstwähler sich wirklich von der Politik wünschen.  

Herr Heufer-Umlauf, Sie sprechen mit den Spitzenpolitikern der großen Parteien. Nur Angela Merkel hat ihre Einladung nicht angenommen… 

Klaus Heufer-Umlauf
Vor der Bundestagswahl 2017 lässt ProSieben Klaas Heufer-Umlauf auf die Spitzenpolitiker der Parteien los. In "Ein Mann, ein Wahl" scheut er sich nicht unangenehme Fragen zu stellen... Picture Alliance

Gern hätten wir jemanden aus der aktuellen Bundesregierung gehabt. Aber bei dem derzeitigen Umfrage-Hoch der CDU wird die Ansprache der jungen Leute wohl als nicht ganz so wichtig eingeschätzt. Nicht, dass jemandem noch ein falscher Satz rausrutscht! Natürlich verstehe ich aber, dass Angela Merkel auch wichtigere Termine wahrnehmen muss als ein Interview mit mir. Jens Spahn, der für sie einspringt, kennt die CDU-Linie gut, steht in vielen Fragen nah am Konsens der Partei. In anderen Fragen, das ist kein Geheimnis, steht er in konträrer Meinung zur Bundeskanzlerin. 

Wie holen Sie die oft so abgeklärt wirkenden Politiker aus ihrer Deckung?

Das muss ich gar nicht. Jeder Politiker, der mit Wortfühlsen und auswendig gelernten Phrasen um sich wirft, tut sich selber kein Gefallen damit. Einen positiven Effekt auf den Zuschauer hat das garantiert nicht. 

Wie viel Humor verträgt Politik?

Politiker sind keine Entertainer. Natürlich braucht man gewisse Qualitäten, um Leute in seinen Bann zu ziehen: Charisma und die Fähigkeit zur Selbstironie helfen ungemein, um einen guten Draht zum Publikum zu bekommen. Man muss aber auch den Zeitpunkt erkennen, in dem Seriosität gefragt ist. 

Sie haben für die Sendung auch mit Jungwählern gesprochen. Interessiert sich die Jugend überhaupt für Politik?

Es hat mich geradezu überrascht, wie sehr sie das tun. Viele sind erschrocken darüber, was uns alles abhanden kommen könnte, wenn wir nicht aufpassen. Es wäre falsch zu sagen, sie fangen jetzt an, sich aktiv für Politik zu interessieren. Vielmehr betrifft es sie immer öfter ganz direkt in ihrem Alltag. Die Jugendlichen merken, dass sich die Stimmung im Land verändert und entwickeln ganz automatisch ein politisches Bewusstsein.

Worauf legen Jungwähler heute besonders viel Wert, wenn sie sich für eine Partei entscheiden?

In erster Linie fühlen sich viele Jugendlichen von bestimmten Parteien vergessen. Sie wünschen sich mehr Unterstützung und Verständnis, zum Beispiel bei Einstieg ins Berufsleben. Außerdem haben sie den Eindruck, dass Politiker keine Ahnung von Digitalisierung haben und wie heutzutage kommuniziert wird. Die Jugendlichen fühlen sich damit so, als würde ihnen ihre eigene Oma erklären, wie man ein Smartphone zu bedienen hat.   

Ist deutsche Politik zu kompliziert für Jugendliche?

Es wird vieles komplizierter gemacht als es sein müsste. Es geht auch gar nicht darum, jeden Kleinkram zu verstehen. In einem jungen Alter hat man oft auch nur einen bestimmten Fokus, der einen interessiert. Als ich klein war, hat mir mein Vater beigebracht, die Tagezeitung zu lesen und die Zusammenhänge in der Politik zu verstehen. Wer so eine aktive Auseinandersetzung mit dem Weltgeschehen nicht beigebracht bekommt, fällt womöglich schnell auf weniger ausgewogene Nachrichten und Effekthascherei herein. 

Wie stehen Sie zu den Polit-Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen? 

Das steht und fällt mit der Auswahl der Gäste. Wenn dort immer wieder bestimmt Figuren sitzen, von denen man schon am Anfang weiß, dass sie sich am Ende nicht in den Armen liegen werden, dann hat das auch etwas von einem aufgesetzten Streit. Wenn sich aber durch verschiedene Blickwinkel und gute Argumente ein neues Bild zusammenfügt, dann finde ich das gut. 

Können Sie sich denn ein eigenes, regelmäßiges Politikformat im Fernsehen vorstellen? 

Jetzt haben wir ganz klar den Fixpunkt Bundestagswahl. Mal schauen, wie es danach weitergeht. Man könnte so etwas sicher auch in anderen Formaten unterbringen, da braucht es keine eigene Sendung. Eins ist klar: Ich werde jedenfalls nicht „Germanys Next Wolfgang Bosbach“.

In Ihrer Sendung wird auch diskutiert – und zwar zwischen drei Alter Egos von Ihnen. Gibt es am Ende ein Ergebnis?

Es wird nicht die eine Antwort geben, die den Leuten sagt, was sie zu wählen haben. Die Zuschauer sollen am Ende wissen, woran sie sind und erkennen, mit welchen Inhalten sie sich mehr und mit welchen weniger identifizieren können. Niemand wird nach der Sendung behaupten können, dass Politiker alle gleich sind und ausschließlich die gleichen Ziele verfolgen.

Klaas Martin Schulz
Klaas Heufer-Umlauf (r.) mit SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz (l.)          ProSieben

Es ist kein Geheimnis, dass Sie der SPD nahestehen, haben auch schon für diese geworben. Wird man dies in der Sendung merken?

Man wird zumindest merken, dass ich nicht stockkonservativ bin. Es geht aber auch gar nicht, dem Ganzen meinen persönlichen Stempel aufzudrücken. Es werden Fragen gestellt – und die Antworten kann jeder für sich selber interpretieren. Hauptsache die Zuschauer merken, dass es Parteien gibt, mit denen man möglicherweise eine Schnittmenge findet. 

Welche Rolle spielt die AfD in Ihrer Sendung?

Ich führe ein Gespräch mit Spitzenkandidatin Alice Weidel. Wobei es inhaltlich nicht viel mit dem zu tun hatte, was die AfD normalerweise propragiert. Ich kann das nicht ernst nehmen, wenn geschriebenes und gesprochenes Wort so gar nicht miteinander übereinstimmen, nur weil es gerade besser passt. 

Was kann die deutsche Politik von Donald Trump lernen?

Nicht persönlich werden, auch nicht im Wahlkampf. Natürlich gehören inhaltliche Attacken dazu, aber ein gewisser Kodex sollte dabei schon eingehalten werden. Wenn demokratische Protestler unter Wohlwollen des republikanischen Präsidentschaftskandidaten krankenhausreif geschlagen werden, läuft irgendwas schief. So etwas ist in Deutschland doch undenkbar und das sollten wir so beibehalten. Genauso wie die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlich ausgerichteten Parteien und die europäische Geschlossenheit. Sich nicht verführen lassen von Nationalisierung und Protektionismus, sondern die europäische Idee mit Leben füllen. 

Mit „Mutti Merkel“ und dem vorübergehenden Schulz-Hype überstrahlen Einzelpersonen ihre Partei. Ist diese Form des Wahlkampfs ein Problem, wo es doch um mehr als nur Sympathien geht?  

Das war in der Kohl-Ära doch genauso. Personenkult gab es auch um Gerhard Schröder in Gummistiefeln am Oderbruch. Das Vertrauen der Menschen geht zu demjenigen, der ein Gefühl vermitteln kann, das sinnbildlich für die Partei steht. Das ist wirksamer als jemand, der allein auf weiter Flur kämpft. Trotzdem sollten Wähler ganz genau hinschauen und sich nicht von einer Figur blenden lassen. Also einfach mal das Wahlprogramm durchblättern, so quälend langatmig es auch sein mag. 

"Ein Mann, eine Wahl" mit Klaas Heufer-Umlauf – am Montag, 11. und 18. September 2017, um 22:05 Uhr auf ProSieben.

Interview: Hendrik Thies

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