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Diversität in "Sex Education": Deswegen ist es die aktuellste Netflix-Serie

"Sex Education" ist der neueste Hit bei Netflix. Was die Serie so besonders macht und warum sie mehr zu bieten hat als blöde Sex-Witzchen, erfahrt ihr bei uns.

Sex Education Asa Butterfield Gillian Anderson
Otis und seine Mutter Jean haben in "Sex Education" eine sehr besondere Beziehung Bild: Netflix

Netflix ist für Serien-Fans eine wahre Goldgrube. Mit Eigenproduktionen wie „Stranger Things“, „Daredevil“ oder jüngst „You – Du wirst mich lieben“ liefert der Streaming-Dienst durchweg hochwertige Unterhaltung ab, die auch in den sozialen Netzwerken hohe Wellen schlägt. Doch mit „Sex Education“ ist Netflix ein echter Glücksgriff gelungen.

In der Serie geht es um den 16-jährigen Otis Milburn (Asa Butterfield). Otis hat einige Probleme mit seiner Sexualität, hilft jedoch als eine Art Teenie-Therapeut seinen Mitschülern bei deren Schlafzimmer-Problemen. Denn seine Mutter Jean („Akte X“-Star Gillian Anderson) ist selbst Spezialistin auf dem Gebiet. Bei den ganzen Sitzungen in ihrem Haus hat sich ihr Sohn den einen oder anderen Kniff abgeguckt.

 

Nur oberflächlich typisches Teenie-Drama

Wie es in vielen „Coming of Age“-Geschichten der Fall ist, wird die Serie vor allem vom Teenie-Drama beherrscht. Da ist zum Beispiel Maeve Wiley (Emma Mackey), das enorm kluge, aber von ihrer Familie vernachlässigte Mädchen, für das Otis schwärmt. Das Problem: Der Schulsprecher und generell beliebte Schüler Jackson (Kedar Williams-Stirling) steht ebenfalls auf Maeve.

Auch Jean hat mit der Pubertät ihres Sohnes zu kämpfen. Denn obwohl sie als Therapeuten weiß, was psychologisch vor sich geht, erträgt sie die Abkapselung von Otis von einem emotionalen Standpunkt aus nur schwer. „Sex Education“ bereitet all diese Themen mit viel Witz und Charme auf, allerdings hat man das alles bereits in vielen anderen Filmen und Serien gesehen. Was die Serie so besonders macht ist die Darstellung von Minderheiten.

 

Starke, diverse Figuren

Das fängt mit Diversität an. Die fiktive Stadt Moordale, in der die Serie spielt, wirkt wie ein Querschnitt durch die Welt. Auf die Schule gehen Menschen mit afrikanischen oder indischen Wurzeln, auch Skandinavier sind vertreten. Und das Tolle: Es ist egal. Die Geschichten, die „Sex Education“ erzählt, sind universell, von den kleinen bis hin zu den großen Problemen wie Cyber-Mobbing.

Noch stärker sind hingegen die homosexuellen Figuren. Für viele Moordale-Schüler gehört die Homosexualität zum festen Alltag. So therapiert Otis ein lesbisches Pärchen, sein bester Freund Eric (Ncuti Gatwa) ist schwul. Umso unangenehmer wird es, wenn die Kinder mit älteren Mitmenschen konfrontiert werden. Eine der dramatischsten Szenen der Serie spielt sich ab, als Eric als Frau verkleidet attackiert wird. Gerade dadurch, dass Homosexualität als etwas Natürliches dargestellt wird, wirkt der Angriff deutlich brutaler, als er eigentlich inszeniert wird.

Umso passender, dass Eric daraufhin von Gleichaltrigen gefunden wird, die ihn sofort versorgen. Otis ist in der gleichen Folge ebenfalls als Drag-Queen unterwegs. Doch statt dumme Kommentare hört er meist nur Komplimente für sein Outfit. Auch Schul-Schönling Jackson ist in das Thema verstrickt – als Sohn zweier Mütter. Doch auch dieser Fakt sorgt nur kurz für verdutzte Gesichter, wenig später wird es wie das Normalste auf der Welt behandelt.

 

Familie und Erziehung

Und so sollte es eigentlich sein. In einer Welt, in der es immer mehr Fremdenhass gibt, fühlt sich Moorland meist wie eine Utopie an. Es gibt extrem viel Teenager-Drama, doch nie auf Grund einer Hautfarbe oder Sexualität. Viel mehr ergeben sich viele Probleme – Otis Unsicherheit, Erics fehlende Akzeptanz innerhalb seiner Familie oder auch der Erwartungsdruck, dem Jackson als Schwimmer-Ass ausgesetzt ist – aus ihrer Erziehung oder den Fehlern ihrer Eltern. Das manifestiert sich vor allem in der Ball-Szene, in der der aggressive Adam (Connor Swindells) seinem strikten Vater die lange unterdrückten Emotionen ins Gesicht schreit.

Doch „Love Education“ klagt nicht nur an. Die Serie zeigt immer wieder, welche Wege Familien nehmen können, um mit ihren Liebsten wieder ins Reine zu kommen. Während bei Adam alles förmlich den Bach runtergeht, nimmt Erics Familie seine Homosexualität an und er fasst neuen Lebensmut. Es ist also kein Zufall, dass gerade diese beiden Figuren häufig auf einander treffen.

Und es tut gut, dass nach dem wunderschönen „Love, Simon“ nun auch eine Serie auf einem großen Streaming-Dienst zu sehen, die behutsam mit solchen Themen umgeht. Umso gespannter darf man auf eine eventuelle zweite Staffel sein, da gerade das Ende noch einiges an Zündstoff bietet. Bitte mehr davon!

Geschrieben von Matthias Holm

 


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