Disney+ wird abgemahnt: Wird das Abo in Deutschland jetzt günstiger?
Disney+ kann einige beworbene Qualitätsmerkmale derzeit nicht überall liefern. Jetzt schaltet sich die Verbraucherzentrale ein.

Ärger für Disney+ in Deutschland: Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hat den Streamingdienst am 29. Oktober 2026 abgemahnt. Im Mittelpunkt steht das teuerste Abo-Modell, Disney+ Premium.
Denn dieses wird unter anderem mit einer Bildqualität von bis zu 4K UHD beworben. Genau diese und weitere Premium-Funktionen standen in Deutschland zuletzt jedoch nicht auf allen Geräten zur Verfügung.
Die Verbraucherschützer wollen nun erreichen, dass Disney daraus Konsequenzen zieht. Besonders interessant: Es geht nicht nur um die Werbung, sondern auch um den Preis des Abos.
Wird Disney+ Premium jetzt günstiger?
Noch nicht. Die Abmahnung bedeutet zunächst lediglich, dass die Verbraucherzentrale Disney dazu auffordert, bestimmte Praktiken zu ändern. Ein Gericht hat bislang keine Preissenkung angeordnet.
Die Forderung der Verbraucherschützer könnte für Abonnentinnen und Abonnenten dennoch spannend werden.
Solange Disney die versprochene Premium-Qualität nicht vollständig anbieten kann, soll das Unternehmen nach Auffassung der Verbraucherzentrale den zusätzlichen Aufpreis für das Premium-Abo nicht verlangen.
Alternativ sollen betroffene Kundinnen und Kunden die Differenz zum günstigeren Standard-Tarif zurückerhalten.
Regulär kostet Disney+ Premium derzeit 15,99 Euro im Monat, während für Disney+ Standard 10,99 Euro fällig werden. Damit liegen fünf Euro pro Monat zwischen den beiden Tarifen. Aktuell gibt es zusätzlich zeitlich begrenzte Aktionspreise.
Ob Disney den Premium-Preis tatsächlich reduziert oder automatisch Geld zurückzahlt, ist allerdings noch völlig offen.
Deshalb wurde Disney+ abgemahnt
Hinter dem Problem steckt ein schon länger andauernder Patentstreit zwischen Disney und dem Technologieunternehmen InterDigital.
In dessen Folge verschwanden zunächst unter anderem Dolby Vision und weitere HDR-Funktionen. Zeitweise waren in Deutschland sogar 4K UHD und HDR insgesamt betroffen.
Mittlerweile hat Disney für 4K auf bestimmten Geräten eine alternative technische Lösung eingeführt. Dadurch ist die hohe Auflösung teilweise wieder verfügbar – allerdings längst nicht überall.
Die Verbraucherzentrale kritisiert deshalb, dass Disney weiterhin mit den Vorteilen seines Premium-Angebots werbe, obwohl Kundinnen und Kunden diese je nach Gerät oder Inhalt nicht wie erwartet nutzen könnten.
Die Abmahnung enthält deshalb mehrere Forderungen: Disney soll nicht mit Leistungen werben, die tatsächlich nicht verfügbar sind, Bestandskundinnen und -kunden transparent über Einschränkungen informieren und beim Preis reagieren, solange entscheidende Premium-Funktionen fehlen.
Disney+ hat bis November Zeit zu reagieren
Disney soll die geforderte Unterlassungserklärung bis zum 20. November 2026 abgeben.
Tut der Streamingdienst das nicht, will die Verbraucherzentrale weitere rechtliche Schritte prüfen. Aktuell handelt es sich also noch nicht um einen Gerichtsprozess und erst recht nicht um ein Urteil gegen Disney.
Entsprechend lässt sich auch noch nicht sagen, ob das Premium-Abo in Deutschland tatsächlich dauerhaft günstiger wird.
Denkbar wären mehrere Möglichkeiten: Disney könnte die technischen Probleme vollständig beheben, seinen Premium-Preis während der Einschränkungen reduzieren oder betroffenen Kundinnen und Kunden Geld zurückzahlen.
Disney+-Kunden können schon jetzt Geld zurückfordern
Wer Disney+ Premium nutzt und von den Qualitätseinschränkungen betroffen ist, muss aber nicht zwingend auf das Ergebnis der Abmahnung warten.
Die Verbraucherzentralen vertreten bereits seit Monaten die Auffassung, dass eine digitale Dienstleistung mangelhaft sein kann, wenn zugesagte Eigenschaften fehlen. Betroffene können deshalb versuchen, eine anteilige Rückzahlung ihrer Abo-Gebühren zu verlangen.
Auf ihrer Website stellen die Verbraucherzentralen sogar eine Musterformulierung zur Verfügung. Als mögliche Orientierung für die Höhe der Forderung nennen sie ebenfalls den Unterschied zwischen Premium- und Standard-Abo.
Eine automatische Erstattung gibt es derzeit allerdings nicht. Wer Geld zurückverlangen möchte, muss zunächst selbst gegenüber Disney aktiv werden.



