Die wahre Geschichte hinter „Die Fotografin“ ist noch bewegender als der Film
Heute läuft „Die Fotografin“ um 20.15 Uhr in der ARD. Doch wie viel Wahrheit steckt hinter dem Film mit Kate Winslet? Die bewegende Geschichte der Kriegsfotografin Lee Miller, das berühmte Badewannenfoto und die historischen Hintergründe im Überblick.

Heute Abend (20.15 Uhr) zeigt die ARD mit „Die Fotografin“ eines der eindrucksvollsten Filmdramen der vergangenen Jahre. Oscar-Preisträgerin Kate Winslet verkörpert darin die legendäre Kriegsfotografin Lee Miller, deren Bilder die Schrecken des Zweiten Weltkriegs für die Nachwelt festhielten. Besonders eine Aufnahme ging um die Welt: Lee Miller sitzt in Adolf Hitlers Badewanne – ein Foto, das bis heute als eines der berühmtesten Bilder des Kriegsendes gilt.
Doch wie nah bleibt der Film an den historischen Ereignissen? Tatsächlich basiert „Die Fotografin“ auf einer außergewöhnlichen Lebensgeschichte, die in weiten Teilen auf realen Begebenheiten beruht.
Wer war Lee Miller wirklich?
Bevor Lee Miller zu einer der bedeutendsten Kriegsfotografinnen des 20. Jahrhunderts wurde, machte sie sich zunächst als Model einen Namen. Später wandte sie sich jedoch der Fotografie zu und bewegte sich im Umfeld der europäischen Avantgarde. Künstler wie Pablo Picasso und die Surrealisten prägten ihren Blick auf Motive und Bildkompositionen.
Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, lebte Miller in London. Dort arbeitete sie zunächst für die britische Vogue und dokumentierte den Alltag während der deutschen Luftangriffe. Ihre Bilder zeigten Frauen, die Verwundete versorgten, Suchscheinwerfer bedienten oder das Leben unter Bombenangriffen meisterten.
Weil Frauen aus Großbritannien zunächst nicht an die Front geschickt wurden, erhielt Miller schließlich über ihre amerikanische Staatsangehörigkeit eine Akkreditierung als Kriegskorrespondentin für den Verlag Condé Nast. Damit konnte sie den Vormarsch der Alliierten unmittelbar begleiten.
Das berühmte Foto in Hitlers Badewanne entstand tatsächlich
Der wohl bekannteste Moment des Films gehört gleichzeitig zu den berühmtesten Fotografien der Zeitgeschichte.
Am 30. April 1945 erreichte Lee Miller gemeinsam mit ihrem Kollegen David E. Scherman München. Während Adolf Hitler im Berliner Führerbunker Suizid beging – eine Nachricht, die sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht überall herumgesprochen hatte –, gelangten die beiden in Hitlers Privatwohnung am Prinzregentenplatz.
Dort entstand das ikonische Bild, das Lee Miller in Hitlers Badewanne zeigt. Das Foto wirkt auf den ersten Blick spontan, war jedoch bewusst komponiert. Millers schmutzige Armeestiefel stehen auf der hellen Badematte, neben ihr lehnt ein Porträt Hitlers. Gerade dieser Kontrast machte die Aufnahme zu einem kraftvollen Symbol: Die Frau, die die Verbrechen des NS-Regimes dokumentierte, sitzt ausgerechnet im privaten Badezimmer des Diktators.
Bis heute gilt das Bild als Sinnbild für das Ende des Nationalsozialismus und die Niederlage des NS-Regimes.
Die Schrecken des Krieges veränderten Lee Miller für immer
Der Film zeigt eindrücklich, dass Lee Miller weit mehr dokumentierte als militärische Ereignisse. Sie gehörte zu den ersten Fotografinnen, die nach der Befreiung das Konzentrationslager Dachau betraten.
Ihre Fotografien hielten fest, was viele Menschen damals kaum glauben konnten: die Verbrechen der Nationalsozialisten und das unvorstellbare Leid der Opfer.
Diese Erlebnisse hinterließen tiefe Spuren. Zeitzeugen und spätere Berichte beschreiben, dass Miller nach dem Krieg unter den Erinnerungen litt. Sie zog sich zunehmend zurück, sprach kaum über ihre Erfahrungen und verschloss viele Negative und Dokumente auf dem Dachboden ihres Hauses.
Erst nach ihrem Tod wurde ihr Werk vollständig entdeckt
Obwohl Lee Miller bereits zu Lebzeiten als Fotografin bekannt war, wurde das gesamte Ausmaß ihres Schaffens erst Jahre nach ihrem Tod sichtbar.
Nach ihrem Tod im Jahr 1977 entdeckte ihr Sohn Antony Penrose Tausende Negative, Fotografien und Dokumente aus ihrer Kriegszeit. Diese Funde machten deutlich, welchen historischen und künstlerischen Wert Millers Arbeiten tatsächlich besitzen.
Auf Penroses Biografie „The Lives of Lee Miller“ basiert auch der Film „Die Fotografin“.
Kate Winslet setzte sich jahrelang für den Film ein
Dass die Geschichte überhaupt verfilmt wurde, ist maßgeblich Kate Winslet zu verdanken. Die Schauspielerin produzierte das Projekt selbst und engagierte sich über Jahre dafür, Lee Millers Leben einem breiten Publikum bekannt zu machen. Über ihre historische Vorlage sagte Winslet: „Sie ist eine Inspiration dafür, was man erreichen kann, was man ertragen kann und was man tun kann, wenn man sich traut, das Leben fest in die Hand zu nehmen und es mit Vollgas zu leben.“
Gerade deshalb konzentriert sich der Film nicht nur auf historische Ereignisse, sondern auch auf die Frau hinter den weltberühmten Bildern – ihre Entschlossenheit, ihren Mut und die seelischen Folgen dessen, was sie an der Front erleben musste.






