Kino

Kritik: „Die Schöne und das Biest“ mit Emma Watson: Hipster und Lumbersexuals frohlocken

Endlich läuft Bill Condons Neuauflage des Disney-Klassikers „Die Schöne und das Biest“ im Kino. Doch brauchten wir diese Neuverfilmung wirklich? Darüber lässt sich streiten.

Mit dem Zeichentrick-Klassiker von 1991 schuf Disney einen Kinohit, der bis 2010 der einziger Animationsfilm bleiben sollte, der in der Kategorie „Bester Film“ für einen Oscar nominiert wurde. Der Streifen zählt für viele Kinder der 80er und 90er zu ihren schönsten Kindheitserinnerungen. Die Messlatte liegt also extrem hoch.

Schöne und das Biest
Disneys "Die Schöne und das Biest" aus dem Jahr 1991. © Walt Disney

Fakt ist, dass die Disney-Realverfilmung von „Die Schöne und das Biest“ andere Akzente setzt, als ihr Zeichentrick-Vorgänger. So weht beispielsweise ein feministischer Hauch durch die Gassen des verschlafenen Provinzstädtchens, in dem Belle (Emma Watson) mit ihrem Vater Maurice (Kevin Kline) lebt, wenn Emma Watson „there must be more than this provincial life“ singt.

Belle ist den übrigen Dorfbewohnern intellektuell meilenweit voraus. Sie sehnt sich nach Bildung und träumt davon, die Welt kennenzulernen. Ihre besondere Leidenschaft gilt britischer Literatur und so zitiert sie mit Vorliebe Shakespeare.

 

„Die Schöne und das Biest“: Emma Watson als selbstbestimmte Belle

Gastons (Luke Evans) Avancen lassen Belle hingegen völlig kalt. Als dieser sich irgendwann fragt, was an Belle ihn trotz ihrer Ablehnung eigentlich so verrückt macht, hilft ihm sein Kumpel LeFou (Josh Gad) auf die Sprünge: „Dignity“ – ihre Würde. „It’s outrageously attractive“, entgegnet Gaston. Auch an anderer Stellen steht Disney (gerade seinen jungen) Zuschauern in Form eines kommentierenden LeFou mit Rat und Tat zur Seite. So lernen wir beispielsweise, dass es den oder die Eine(n) gar nicht gibt: „There is no ONE“.

 

Disney setzt in „Die Schöne und das Biest“ auf Emanzipation und Vielfalt

Eine weitere Neuerung ist, dass Disney diesmal auf „Diversity“ setzt. So gibt es neben einem, durch Regisseur Bill Condon geouteten LeFou auch endlich afroamerikanische Charaktere in der Märchenwelt. An dieser Stelle sei kurz gesagt, dass sich der 2017er LeFou auch nicht homosexueller gebärdet als sein Zeichentrickvorgänger. Der Wirbel, der deshalb von Homophoben auf der ganzen Welt veranstaltet wurde, ist also auf mehr als einer Ebene unnötig und unbegründet.

In der Tanzszene, in der das Biest und sein Hofstaat noch in ihrer menschlichen Gestalt gezeigt werden, tauchen neben Audra McDonald und der britischen Schauspielerin Gugu Mbatha-Raw viele schwarze Debütantinnen auf. Auch Darstellerinnen mit asiatischen Wurzeln sind mit von der Partie.

 

Wieso Fans des Disney-Originals von 1991 enttäuscht sein könnten

Abgesehen von dieser neuen und erfrischenden Vielfalt und einer emanzipierteren Belle hält sich der Film allerdings recht genau an das Disney-Original. Bill Condon bleibt den Dialogen, Songs und Kameraeinstellungen der animierten Version peinlich genau treu und erlaubt sich nur wenige Freiheiten. Darin liegt allerdings die Crux dieser Neuverfilmung, denn Liebhabern der 1991er-Verfilmung könnte diese Tatsache bitter aufstoßen.

Mit dem Charme ihrer Zeichentrick-Vorgänger können es die Schauspieler und Neu-Animationen nicht ansatzweise aufnehmen. Vor allem das Teeservice-Duo Mrs. Potts (Emma Thompson) und ihr kleiner Sohn Chip (Nathan Mack) verlieren in Condons Verfilmung viel von der Niedlichkeit, die sie eigentlich ausmacht.

Chip in "Die Schöne und das Biest"
Chip in "Die Schöne und das Biest". © Walt Disney

Auch Lumière (Ewan McGregor) und Cogsworth (Ian McKellen) gehen eine gehörige Portion Pfiff und Humor verloren. Schuld daran sind allerdings keinesfalls die wirklich guten Darsteller, sondern einzig die Nostalgie, mit der man den Zeichentrick-Originalen nachhängt.

Lumière und Cogsworth in "Die Schöne und das Biest"
Lumière und Cogsworth in "Die Schöne und das Biest". © Walt Disney

Auch die Animation des Biest (Dan Stevens) ist nicht gänzlich gelungen. Zwar sieht man ihm an, dass seine Schöpfer mit viel Mühe und Liebe zum Detail am Werk waren, allerdings gelingt es bei seinem Anblick nicht vollends in die „Die Schöne und das Biest“-Märchenwelt einzutauchen. Die Enttäuschung, die die Rückverwandlung des Biestes im Disney-Original auslöste, bleibt den Zuschauern dafür erspart, denn Dan Stevens ist um einiges ansehnlicher als sein gezeichneter Vorgänger.

"Die Schöne und das Biest" - Emma Watson und das Biest
Belle und das Biest teilen ihre Leidenschaft für Literatur. © Walt Disney
 

„Die Schöne und das Biest“: Ist die Neuverfilmung dennoch sehenswert?

Trotz einiger Kritikpunkte lohnt sich der Gang ins Kino für eingefleischte Disney-Fans dennoch, denn Emma Watson ist wie geschaffen für die Rolle der Belle. Mit ihrer Natürlichkeit und dem extravaganten Ohrschmuck in der berühmten Tanzszene ist sie ihrer Zeichentrick-Konkurrentin sogar überlegen.

Emma Watson als Belle in "Die Schöne und das Biest"
Emma Watson in "Die Schöne und das Biest" © Walt Disney

Auch Komponist Alan Menken, der auch schon die Musik des Films von 1991 zuständig war, übertraf sich diesmal selbst. Die altbekannten und heißgeliebten Musical-Klassiker bleiben uns erhalten, wurden jedoch teilweise etwas aufgepeppt. Als Bonus gibt es drei neue Lieder.

 

Bill Concon-Verfilmung, Top oder Flop: Fazit

Wer die alte Verfilmung des Disney Klassikers kennt und liebt, wird ganz automatisch hart mit der Neuverfilmung ins Gericht gehen. Trotz einiger Mankos, wie dem nicht ganz überzeugenden Biest und den etwas weniger charmanten Hausrat-Fabelwesen, kann das Märchen Zuschauer dennoch in seinen Bann schlagen. Der Film profitiert von seinen tollen Darstellern - darunter Audra McDonald in der Rolle der Madame Garderobe oder Luke Evans, der Gaston zu einem neuen Level an Arroganz verhilft. 

Besonders Emma Watson, „Harry Potter“-Star und bekennende Feministin, erbringt eine solide schauspielerische Leistung und verleiht Belle eine ungekannte Frische. Der feministische Touch steht der Schönen gut zu Gesicht. Wer vor kleineren Enttäuschungen gefeit ist und sich nicht an Disneys Hang zum Kitsch stört, wird die Kinovorstellung also genießen können.

Absolutes Highlight des Films ist und bleibt übrigens Emma Watsons Schlussbemerkung: „How would you feel about growing a beard”. Hipster und ‚Lumbersexuals‘ werden sich freuen, wenn der glattrasierte Prinz ihre Frage mit einem zustimmenden „Grrr“ beantwortet. 

* von Anna Peters

 
Das könnte Sie auch interessieren
TV Movie empfiehlt