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„Die Protokollantin“ | Peter Kurth: „Ich liege nachts wach, weil ich immer den Bösewicht spielen muss“

Die Protokollantin: Hauptkommissar Henry Silowski (Peter Kurth), Protokollantin Freya Becker (Iris Berben)
„Die Protokollantin“ | Peter Kurth: „Ich liege nachts wach, weil ich immer den Bösewicht spielen muss“. Bild: ZDF und Alexander Fischerkoesen

Die Protokollantin“: Peter Kurth im Interview. "TV Movie Online"-Redakteurin Anna Peters verriet er: „Ich würde gerne mal den Sparkassen-Leiter spielen“.

Wer es sich regelmäßig Sonntags vorm Fernseher gemütlich macht und das Erste einschaltet, der kennt dieses Gesicht:

"Die Protokollantin": Henry Silowski (Peter Kurth)
"Die Protokollantin": Henry Silowski (Peter Kurth). Bild: ZDF und Alexander Fischerkoesen

Peter Kurth ist seit 2002 im Grunde Stammgast im „Tatort“. Das Sprichwort „Der Mörder ist immer der Gärtner“ könnte man eigentlich auch in „Peter Kurth ist immer der Böse“ umwandeln, denn meistens spielt der 61-Jährige Fieslinge und zwielichtige Gestalten.

Dabei ist der Schauspieler ein echtes Multitalent. Neben seinen Fernseh-Rollen steht er immer wieder auf der Theaterbühne. Auch auf der großen Kinoleinwand war er schon zu sehen, unter anderem in „Good Bye, Lenin!“ (2003), „Hallesche Kometen“ (2006) oder "Die Kleinen und die Bösen" (2015).

2004 wurde Kurth mit dem „Rita-Tanck-Glaser-Schauspielpreis“ der Hamburgischen Kulturstiftung gewürdigt, 2014 wurde er vom Theatermagazin „Theater heute“ zum Schauspieler des Jahres gekürt.

Derzeit ist er als Sittenbulle Bruno Wolter in der deutschen ARD-Serie "Babylon Berlin“ zu sehen. Doch das ist nicht die einzige Figur, mit der Kurth aus seinem üblichen Rollen-Schema ausbricht. 

 

"Die Protokollantin" mit Peter Kurth, Iris Berben und Moritz Bleibtreu

"Die Protokollantin": Protokollantin Freya Becker (Iris Berben), Henry Silowski (Peter Kurth)
"Die Protokollantin": Protokollantin Freya Becker (Iris Berben), Henry Silowski (Peter Kurth). Bild: ZDF und Alexander Fischerkoesen

Auch in der Mini-Serie „Die Protokollantin“ spielt er an der Seite von Iris Berben und Moritz Bleibtreu eine komplexe Figur, die nicht bloß (gut oder) böse ist: Hauptkommissar Henry Silowski. Der hält große Stücke auf Protokollantin Freya Becker (Iris Berben) und ahnt nicht, dass diese ein Doppelleben führt. Ihrer Abgründe ist sich Silowski dennoch bewusst, denn er war es, der vor Jahren das Verschwinden ihrer jugendlichen Tochter Marie (Zoe Moore) untersuchte.

Die fünfteilige Crime-Serie "Die Protokollantin" ist seit dem 20. Oktober 2018 im ZDF zu sehen. Bis zum 17. November laufen die Folgen im Wochentakt jeweils Samstags um 21.45 Uhr.

 

Peter Kurth im Interview zu "Die Protokollantin"

TV Movie Online: Ihre Figur des Henry Silowski hat ja quasi schon Legendenstatus bevor Sie in Folge Zwei überhaupt zum ersten Mal auf der Bildfläche erscheinen. War das auch gerade das reizvolle an der Rolle?

„Ja, nehm ich! Das kann man genauso stehen lassen. Das haben sie so schön formuliert, dass ich dem nichts hinzuzufügen habe“.

Beide lachen!

Okay, dann sollte ich die Fragen vielleicht weniger geschlossen stellen. Neuer Versuch: Oft spielen Sie zwielichtige Figuren. Woran liegt es ihrer Meinung nach, dass ihnen diese Rollen immer wieder angeboten werden?

„Ich habe keine Ahnung, wirklich nicht. Nachts liege ich wach und überlege, warum kriege ich immer diese Rollen, warum bekomme ich nicht mal den Leiter einer Sparkassenfiliale. Ich komm ums Verrecken nicht drauf!“ Lacht!

Würden sie den denn gerne mal spielen, den Leiter der Sparkassenfiliale?

„Ich weiß es nicht, ob ich das dann annehmen würde. Obwohl, doch, wenn es eine gute Rolle ist, wieso denn nicht. Natürlich, na klar. Eine gute Geschichte braucht es und eine gute Rolle muss es sein. Dann kann es auch ein Sparkassenangestellter sein. Aber das war doch jetzt ein Scherz!“

Na klar! Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich die Rolle weiter entwickelt! Nicht spoilern, bitte!

„Also bleiben sie dran? Sie wollen weiterschauen? Dann haben wir doch schonmal was geschafft. Das freut mich!“

In ihrer ersten Szene als Henry Silowski singen Sie „The Spell’s on Me“ von Ralf Denker. Gehört singen zu den Dingen, die Ihnen eher unangenehm sind, oder macht es besonders großen Spaß?

„Das gehört mit zu den Dingen, die ich gerne mache. Im Theater ist es schon öfter passiert, im Film war es in der Tat das erste Mal, dass ich singen musste“.

Aus der Serie ist mir das Zitat „Jeder gute Polizist fragt die anderen Polizisten, weshalb sie Polizisten geworden sind“ im Gedächtnis geblieben – Ist das unter Schauspielern genauso?

Lacht! „Das ist eine gute Frage. Aber ich kann sie nicht wirklich beantworten. Auf jeden Fall ist es keine typische Frage unter Schauspielern, nein.“

Wie oft mussten sie die Szene mit dem Hund drehen – die, in der Otto so stark auf Freya reagiert - bis Sie sie im Kasten hatten? Und wie ist die Arbeit mit Tieren?

„Das alte Sprichwort von Hunden und Kindern kommt nicht von ungefähr. Die Szene mussten wir sehr oft proben. Hunde reagieren eben auf Befehle und im Film soll es trotzdem dynamisch aussehen. Da muss natürlich viel getrickst werden. Daran haben wir ordentlich rumgetüftelt“.

Und was war der Trick? Hatte Iris Berben ein Steak in der Tasche?

„Nee, das sieht im Film ja auch immer viel schneller aus als es in Wirklichkeit abgelaufen ist“.

Henrys neue Kollegin Anne Liebig macht ihm starke Avancen, aber er bleibt standhaft. Hier wird ja ein bisschen mit Rollenbildern gespielt. Merkt man an solchen Szenen auch den Einfluss der vielen Frauen, die an der Serie beteiligt waren? 

Überlegt lange! „Mh, das ist ja auch wieder eine gute Frage. Nein, das habe ich so noch gar nicht gesehen. Sie machen das an dieser Szene fest? Ich verstehe. Das ist auch eine neue Sicht“.

Man kennt es ja eher so, dass der Mann in Krimiserien an seiner Kollegin herumgräbt und sie ihn abweist. Und hier wirft sich dem Kommissar eine junge, attraktive Kollegin förmlich an den Hals und er schafft es, sie sehr konsequent abzuweisen.

„Ich finde diese Szene sehr gut, weil sie sehr emanzipiert ist, eben von Emanzipation spricht und handelt. Dass es nicht klassisch ausgeht, finde ich gut. Aber darüber, dass es vielleicht eine Frauensicht sein könnte, musste ich nie nachdenken.“

Diese Frage habe ich auch schon Ihrem Kollegen Moritz Bleibtreu gestellt und bin gespannt, wie sie das sehen: Wie sehr kann man Küssen (als Schauspieler) wirklich faken? Bleibt es nicht immer ein bisschen echt?

Beide lachen! „Das sind ja lauter schräge Fragen. Ja, aber hauptsächlich ist es Teil der Arbeit.“

Wie stehen denn eigentlich die Chancen auf ein Tatort-Comeback? Von 2011 bis 2015 waren sie ja im Frankfurter „Tatort“-Team Steier und Mey als Kommissar Erik Seidel zu sehen.

„Es sind gerade zwei Tatorte abgedreht in denen ich mitgespielt habe.“

Allerdings in Nebenrollen, richtig? Darauf, sie als Kommissar zu sehen, sollten die Fans nicht hoffen?

„Ja oder Nein, das ist hier die Frage...“

Verraten Sie uns wenigstens, ob Sie in den beiden Tatorten wieder den Bösewicht spielen?

„Natürlich nicht! Ich bin doch immer der Gute!“ Lacht!

* Anna Peters 

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