Fernsehen

"Dickes Deutschland": Schmerzen durch Fettleibigkeit - Cannabis soll helfen

Dickes Deutschland“ begleitet Menschen mit Übergewicht, darunter auch LKW-Fahrer Reiner: Er wiegt 200 Kilo bei 2 Metern Körpergröße. Jetzt bangt er um sein Leben.

"Dickes Deutschland": Wenn das Gewicht lebensgefährlich wird
Reiner (51) muss bei "Dickes Deutschland" auf RTL II aus gesundheitlichen Gründen abnehmen. Foto: RTL II

Heute Abend, am Donnerstag, den 09. Mai, läuft die vorerst letzte Folge der RTL II-Sozialreportage "Dickes Deutschland". Um diese Problemfälle geht es in der aktuellen Folge.

Der 46-jährige Thomas bringt bei einer Körpergrößte von 1,78 Zentimetern 167 Kilo auf die Waage. Er wohnt in Duisburg - da ist laut Statistik jeder Zweite zu dick. Morgens führt der erste Gang des Hartz IV-Empfängers vor den Spiegel. Körperpflege ist ihm wichtig - und sein Schönheitsideal liegt in den 50er Jahren mit seinem Rockabilly-Style. Er liebt die alten Autos und die Musik - und auch die damaligen Körpermaße. Thomas glaubt, dass daher auch der Begriff "Wohlstandsplauze" kommt. Damals angesagt, heute verpöhnt. "110 Kilo zu wiegen würde mir schon reichen", sagt er. Ihm sei sehr wohl bewusst, dass er zu viel auf die Waage bringe. "Mein ganzes Leben bin ich stabil gewesen, selbst als Kind", so der 46-Jährige - dünn will er daher nicht sein. "Warum soll ich das ändern?" 

 

"Dickes Deutschland" auf RTL II: Kippchen rauchen, Pott Kaffee, Sofa

Durch seine Arbeitslosigkeit und die damit verbundenen Geldprobleme habe er nicht besonders viel im Kühlschrank, wie er berichtet: "Jetzt aber erstmal Kaffee und Kippchen, sonst geh' ich kaputt." Der gelernte Kfz-Mechaniker fühlt sich oft allein und vermisst eine Frau an seiner Seite - Frauen würden ihn oftmals nur als Freund sehen. Nach sieben Jahren enttäuschender Liebeleien wünscht er sich eine ernsthafte Beziehung. "Ich stehe eher auf Frauen, an denen was dran ist - Barbiepüppchen sind nichts für mich." Bei Facebook hat er eine Frau kennengelernt, die seinen Vorstellungen entspricht und verabredet sich mit ihr. Seit sieben Jahren ist der Elvis-Fan arbeitslos, vor Monaten verlor er den letzten Aushilfsjob. Doch jetzt ist er gedanklich erstmal bei seinem bevorstehenden Date: Die Hin- und Rückfahrt für 60 Euro kann er sich nicht leisten. Deshalb versucht er, seltene Elvis-CDs zu verkaufen. 

 

Ein folgenschweres Date bei "Dickes Deutschland"

Gestylt mit College-Jacke und Elvis-Hemd macht er sich schließlich auf den Weg. Simone schlägt vor, spazieren zu gehen. "Sieht zwar marode aus, aber hält!", kommentiert Thomas, als sich die beiden auf eine Bank setzen und diese daraufhin knackt. Die Fußpflegerin will wissen, warum Thomas so viel wiegt, betont dabei aber, dass sie ihn nicht verändern wolle. Trotzdem wünscht sie sich, dass er einige Kilos weniger auf die Waage bringt. "Die Bereitschaft ist auf jeden Fall da", so der Rockabilly-Fan. Später überrascht sie ihn mit einem Ausflug zu ihrem leidenschaftlichen Hobby: Dem Boogie-Woogie-Tanz. "Das ist nicht so mein Ding", sagt Thomas. Er bleibt während des Trainings auf der Bank sitzen und schaut zu. Ihm wäre es zu peinlich, seine ersten Tanzschritte vor der Kamera zu machen. Thomas gesteht sich ein, kein Tänzer werden zu wollen - für Simone ein No-Go. Sie lässt ihn abblitzen. Dennoch hat ihm das Date einen Denkanstoß gegeben.

 

Zu dick für's Arbeitsleben?

Jetzt will er sich auf einen Probetag für einen Job im Gartencenter konzentrieren. Auf einer Baustelle soll er bei Pflasterarbeiten zeigen, was er kann.  "Ich hab Kreuzschmerzen wie Hulle", räumt Thomas ein. Dass er durchaus bemüht ist, bescheinigt ihm ein Kollege später. Schneller muss er allerdings werden. Wiederkommen darf er jedenfalls - und die Jobchancen bestehen weiterhin. Vier Wochen später klingt das allerdings ganz anders: Thomas lässt den Job sausen. "Zu spontan" sei das alles gewesen und er hätte "mal so gar keine Ahnung von Gartenbau". Demnächst geplant: Den Lkw-Führerschein machen.

Rockabilly-Fan Thomas (47) kommt mit seinen Pfunden gut klar. Dennoch bringt er satte 167 Kilo auf die Waage. Foto: RTL II

 

"Dickes Deutschland": Ein Paar legt sich unter's Messer

Julia ist 36 Jahre alt und wiegt derzeit 104 Kilo bei 1,63 Zentimeter Körpergröße. Sie hat seit 2013 90 Kilo verloren und will jetzt den nächsten Schritt gehen. Ihr Partner Andreas (34) hat während einer vorübergehenden Trennung ebenfalls abgenommen - und zwar stolze 170 Kilo. Bewegen kann er sich dennoch kaum. Eine Operation bei beiden soll ihr Leben verändern. Bis dahin war das Essen für die beiden immer ein Trostpflaster gewesen. Andreas kann nach einer MRT-Untersuchung aufatmen: Der Arzt gibt ihm Grünes Licht für eine Fettschürzenamputation. Julia hingegen darf für den gewünschten Body-Lift nicht mehr als 85 Kilo wiegen - ansonsten wäre der Eingriff zu riskant. Beim Wiegen landet sie jedoch bei 90 Kilo. Ein herber Rückschlag für die 36-Jährige, denn der OP-Termin soll bereits in vier Wochen stattfinden. Mit dem Arzt kann sie sich schließlich auf einen Kompromiss einigen: Julia bekommt eine Bauchdeckenstraffung. Beide haben große Angst, denn schließlich gelten sie als Risikopatienten. Vor allem bei Andreas gestaltet sich die Operation schwierig. Selbst die Chirurgen haben Respekt vor dieser "Ausnahmesituation": Andreas wird laut Arzt weiterhin dick sein und nicht schön aussehen. Die Ärzte machen klar, dass sie aus ihm "keine Elfe schnitzen können". 15 Kilo Fett wurden Andreas in der Operation entfernt: Eine komplette Umstellung für den Organismus. Andreas hat viel Blut verloren und wird auf der Intensivstation überwacht. Julia ist hingegen schon aufgewacht und blickt optimistisch in die Zukunft. Julia und Andreas haben es geschafft. 

 

Elke aß bis zu 10.000 Kalorien pro Tag 

Die 58-jährige Elke bezeichnet sich selbst als "schwer essgestört". Beim Binge-Eating aß sie in ihren schlimmsten Zeiten rund um die Uhr. Das führte zu 160 Kilogramm bei 1,55 Zentimetern. Ihr Gewicht bereitet ihr beim Schlafen enorme Schwierigkeiten - bis hin zu Atemaussetzern. Einkaufen ohne Hilfe ist für die Bremerin ebenfalls nicht mehr möglich. Elke ist laut Krankenkasse ein Pflegefall der Stufe II. Die Rentnerin traut sich nur ungern in die Öffentlichkeit - mehrmals muss sie sich beim Einkaufen hinsetzen und sich am Wagen festhalten, um den Gang durch den Supermarkt zu schaffen. Bereits zwei Mal war sie aufgrund ihrer Essstörung in Behandlung. Mittlerweile hat sie ein festgelegtes Essensbudget von 200 Euro im Monat. Zusätzlich bezieht Elke Essen von der Tafel. "Vielleicht könnte mir Cannabis gegen meine Schmerzen helfen." Jetzt hofft sie erstmal auf eine Diagnose aus dem Schlaflabor - denn sie hat seit 20 Jahren keine einzige Nacht mehr durchgeschlafen. Sollte Elke nicht an Gewicht verlieren, wird sie zum Schlafen immer die Atemmaske tragen müssen. 

 

Flucht in die Online-Welt als einziger Draht zu Menschen

Wieder Zuhause angekommen, flüchtet sich Elke in die Online-Welt. Dort kann sie unbeschwert mit ihren Internet-Kontakten chatten. Der Kontakt zu ihren eigenen Kindern und Enkelkindern ist selten. Online pflegt sie ihre Freundschaften. Für einen Besuch ist es jedoch zu weit: 300 Kilometer wohnen ihre Freundinnen entfernt. Ihr wichtigster Punkt an der Tagesordnung ist die Messung ihres Blutzuckerspiegel. Zucker, Bluthochdruck und Gicht - Elke ist Profi im Umgang mit ihren Wehwehchen. Aufgrund ihrer unkontrollieren Essattacken hält sie es für unmöglich, abzunehmen. Von Diäten hält sie nichts. "Oma hat damals schon gesagt, dass ich essen soll, um groß und stark zu werden." 70 Kilo hat sie sich angefuttert, als es mit dem Vater ihrer Kinder krachte. Um ihre Lebensqulität zu steigern, bestellt sie sich einen neuen Sessel, den sie in Raten abbezahlen will. Als sich Internet-Freundin Monika ankündigt und sie zum Essen ins Chinarestaurant einlädt, ist die Freude groß. Wann sie zuletzt Ente gegessen habe? "Das ist bestimmt 15 Jahre her", so Elke.

Elke leidet an einer Essstörung: Binge-Eating, wiederkehrende Heißhungeranfälle, haben zahlreiche Diätanläufe der 59-Jährigen scheitern lassen. Foto: RTL II
 

Reiner wiegt 200 Kilo

Berufskraftfahrer Reiner wiegt bei über 2 Metern knapp 200 Kilo - und schafft es kaum noch, die Treppen in seine eigene Wohnung hinaufzusteigen. Sein Sohn macht sich große Sorgen um seinen Vater. Auch kleine Verletzungen können zum Problem werden: Nach einer Woche ist eine Wunde an Reiners Bein noch immer nicht verheilt. Er muss ins Krankenhaus. Beim Messen seines Bauchumfanges braucht die Ärztin sogar Hilfe von einer zweiten Person. 164 Zentimeter Bauchumfang - "Das ist ungefähr so viel, wie ich groß bin", kommentiert die Ärztin. Mit seinen 53 Jahren immt er jetzt schon die Dosis an Medikamenten, die sonst ein 80-Jähriger nehmen würde. Seine Ärztin sieht ihn "definitiv in Lebensgefahr". Der Ernährungsberaterin berichtet er von seiner Liebe zu Molkereiprodukten. "Was ich jetzt mache, ist nicht genug", so Familienvater Reiner. Die Schock-Diagnose seiner Ärztin muss er jetzt auch seiner Frau und seinen Kindern beibringen. Er muss sein ganzes Leben ändern. Nach vier Wochen hat Reiner zehn Kilo verloren und will sich jetzt gemeinsam mit seiner Familie an den Sport wagen. "Ich bin sicher, dass er mit Regelmäßigkeit seine Probleme in den Griff kriegt", so Fitnesstrainerin Hanna. Doch Reiner fällt in alte Muster zurück: Er hat wieder zugenommen. 

 


Tags:
Das könnte Sie auch interessieren
TV Movie empfiehlt