„Das neue Stanford-Prison-Experiment“: Netflix belebt Skandal-Studie neu – so soll die Eskalation verhindert werden
Netflix wagt eine Neuauflage des berüchtigten Stanford-Prison-Experiments. Alle sechs Folgen sind jetzt verfügbar – doch diesmal gelten strenge Sicherheitsregeln.

Es gehört zu den bekanntesten und gleichzeitig umstrittensten Experimenten der Psychologiegeschichte: Beim Stanford-Prison-Experiment von 1971 wurden junge Männer zufällig zu Gefangenen und Wärtern erklärt und in einem simulierten Gefängnis untergebracht. Eigentlich sollte der Versuch ein bis zwei Wochen dauern. Doch bereits nach sechs Tagen wurde er abgebrochen.
Mehr als 50 Jahre später greift Netflix die Grundidee nun wieder auf. Seit dem 21. Oktober 2026 sind alle sechs Folgen von „Das neue Stanford-Prison-Experiment“ bei Netflix verfügbar. Aus einer wissenschaftlichen Studie wird diesmal allerdings eine Reality-Serie – und die Verantwortlichen haben zahlreiche Vorkehrungen getroffen, um die Fehler des Originals nicht zu wiederholen.
„Das neue Stanford-Prison-Experiment“: Darum geht es bei Netflix
Das Grundprinzip erinnert bewusst an 1971: 30 freiwillige Teilnehmer:innen ziehen für zwei Wochen in ein echtes Gefängnis ein und werden zufällig entweder zu Gefangenen oder Wärtern.
Im Zentrum steht erneut die Frage: Was macht Macht mit gewöhnlichen Menschen? Verändert eine Position mit Autorität das Verhalten? Ordnen sich Menschen der ihnen zugewiesenen Rolle unter – oder behalten sie ihre eigenen moralischen Grenzen bei?
Anders als beim historischen Experiment besteht die Gruppe diesmal nicht ausschließlich aus männlichen College-Studenten. Die Produktion wollte eine deutlich breitere Gesellschaft abbilden und wählte Teilnehmer:innen mit unterschiedlichen Geschlechtern, politischen Einstellungen, sozialen Hintergründen und Lebenserfahrungen aus.
Executive Producer Jane Lipsitz räumt ein, dass die Ankündigung des Formats zunächst für Kritik sorgte. Eine einfache Wiederholung des Experiments von 1971 wäre auch aus ihrer Sicht nicht vertretbar gewesen. Die Entwicklung des neuen Konzepts habe deshalb mehr als ein Jahr gedauert.
So will Netflix eine erneute Eskalation verhindern

Der wohl größte Unterschied zum Original liegt in den Sicherheitsmaßnahmen.
Alle Teilnehmer:innen wurden vor Beginn psychologisch untersucht und bewusst über das Experiment aufgeklärt. Außerdem erhielt jede Person ein Safeword, mit dem sie ihre Teilnahme jederzeit sofort beenden konnte.
Darüber hinaus standen 24 Stunden am Tag Psycholog:innen zur Verfügung. Sie beobachteten das Geschehen fortlaufend und konnten eingreifen, sobald Sorgen um das Wohlergehen eines Teilnehmenden entstanden.
Auch drei Expert:innen begleiten das Experiment: die Harvard-Verhaltenspsychologin Alison Wood Brooks, Pulitzer-Preisträger und Journalist Trymaine Lee sowie Michael Cantrell, der fast 30 Jahre im US-Strafvollzug gearbeitet hat.
Damit existiert eine externe Kontrolle, die beim berühmten Vorbild in dieser Form fehlte.
„Das neue Stanford-Prison-Experiment“ wurde rund um die Uhr gefilmt
Um die Situation möglichst wenig durch ein klassisches Produktionsteam zu beeinflussen, wurde im Gefängnis 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche aufgezeichnet.
Dafür kamen vor allem ferngesteuerte Kameras zum Einsatz. Selbst bei Interviews sollten die Teilnehmer:innen die Person, die ihnen Fragen stellte, nicht sehen. Die direkte Interaktion zwischen Produktion und Gruppe wurde laut Netflix bewusst auf ein Minimum reduziert.
Das Gefängnis ist zudem keine Kulisse: Gedreht wurde tatsächlich in einer echten Haftanstalt.
Lipsitz deutet an, dass sich während der zwei Wochen etwas entwickelte, womit selbst das Produktionsteam nicht gerechnet hatte. Was genau damit gemeint ist, können Zuschauer:innen nun selbst herausfinden.
Netflix versteht das Format ausdrücklich nicht als exakte Wiederholung der berüchtigten Studie. Statt ausschließlich zu fragen, ob Macht Menschen korrumpiert, soll die neue Version auch untersuchen, ob Menschen einer zugewiesenen Rolle widerstehen können.
Alle sechs Folgen von „Das neue Stanford-Prison-Experiment“ sind seit dem 21. Oktober bei Netflix verfügbar.







