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Das Anti-Glamour-Ich: Martin Tietjen veröffentlicht Buch „Selbstrufmord“ | RTL-Moderator im Interview

Der TV- und Radiomoderator Martin Tietjen (u.a. NJoy, NDR und RTL) hat mit seinem Buch „Selbstrufmord“ einen Bestseller gelandet. Es geht um das Erwachsenwerden.

Martin Tietjen Selbstrufmord
Martin Tietjen hat ein Buch über das Erwachsenwerden veröffentlicht. Foto: Nadine Dilly

In der Schule hatte Martin Tietjen gar keinen Ruf. „Ich war nie der Coole, ich war nie der Loser, ich war irgendwas dazwischen“, erinnert sich der heute 32-Jährige im Gespräch mit „TV Movie Online“-Redaktionsleiter Maryanto Fischer – nicht ohne zu bemerken, dass allein das Halten dieses mittelmäßigen Standings einiges an Arbeit und Voraussicht bedurft habe.

Genauso steht es übrigens auch in „Selbstrufmord“, das, so Tietjen, eben nicht als Autobiographie, sondern als Buch über das Erwachsenwerden angelegt sei, voll mit „Geschichten, die man eigentlich nicht erzählen sollte“.

Dass er sich doch dazu entschied, mit Anekdoten über das Versagen im Job, das Coming-Out oder skurrile Erlebnisse mit Prostituierten sowie in Darkrooms die nach dem Fachabitur mühsam aufgebaute Reputation als Medienpersönlichkeit trotzdem wieder zu zerstören, hat einen Grund: „In der Schule hat mich niemand wirklich respektiert. Die Leute fanden mich eher seltsam, aber eben auch komisch. Doch immer, wenn ich einen Lacher platzierte, hatte ich ihre volle Aufmerksamkeit.“

 

Die Leichtigkeit des Lebens

„Selbstrufmord“ ist ein unterhaltsames Buch über das Erwachsenwerden, übrigens auch mit Botschaft: „So schwer kann das Leben gar nicht sein“, fasst Tietjen zusammen, der, so kitschig das klingt, seit dem Fachabitur kompromisslos an seinen Träumen arbeitete. Und diese manchmal sogar selbst wieder zerstörte.

Beispielsweise, als er – endlich Moderator beim Jugendmusiksender VIVA – nach einem lautstarken Auftritt mit Bierdose in der Hand während einer Live-Schaltung zur Love Parade 2006 in Berlin die Showbiz-Ambitionen vorerst wieder begraben musste.

„Einmal Karriere und zurück“ nennt sich das Kapitel, das den ersten großen Selbstrufmord des Buches beinhaltet: „Etliche Jahre nach meiner VIVA-Zeit traf ich Collien Ulmen-Fernandes wieder. Sie konnte sich zwar nicht mehr an meinen Namen erinnern, aber eins wusste sie noch ganz genau: ‘Du bist doch der Betrunkene von der Love Parade‘“.

 
 

Familiengeschichten im Fokus

Allerdings wollen Tietjens Erinnerungen mehr sein als VIP-Event-Memoiren und Promi-Name-Dropping inklusive Oli Pocher, Klaas Heufer-Umlauf oder „Wie Gülcan (Kamps) bei der Musterung half“.

Der Hamburger erzählt über Freunde sowie Familiengeschichten, zum Beispiel über die Beziehung zu seinem Bruder, der das Down-Syndrom hat, oder das Outing als schwul vor seinem Vater. Im Buch geht es um massiv missglückte Dates oder die Frage, warum er das gelernte Ideal von Frau, Kinder, Hund und Bausparvertrag über den Haufen warf. „Meine Träume waren kreativer“, weiß er heute.

In den PR-Materialien seines Verlags liest sich dieser Umstand folgendermaßen: „Erwachsenwerden, Sex und Job hätten gut laufen können, aber es gab so viele andere Optionen…“

„Zehn Jahre später kann ich über viele dieser Situationen lachen“, überlegt Martin Tietjen, der einen Fehler auf jeden Fall nie wieder machen würden: „Beim dritten Date gemeinsam auf eine Kreuzfahrt gehen.“ Ansonsten bereue er, wie man so schön sagt, „Nichts!“. Schließlich habe ihn sein Leben zu dem gemacht, der er heute ist. Eine Plattitüde vielleicht, aber wahr. „Jeder muss eben selbst herausfinden, wie sein Leben funktioniert, und wie er sich selbst definiert.“

Nicht ohne den Hinweis, dass sein Vater es seltsam fand, dass Martin ein Buch über sein Leben schreibt, endet das Interview. Ein Gespräch mit seinen Eltern, die unfreiwillig zu Protagonisten des Selbstrufmords ihres Filius wurden, steht übrigens noch aus. Widererkennen sollten sie ihn auf jeden Fall.

 

Das Leben ist eben nicht perfekt

„Heutzutage zeigen wir uns auf den sozialen Medien immer von unserer geschönten Glamour-Seite, viele Menschen wollen einfach Fame“, stellt Tietjen abschließend fest. Genau das wolle er nicht. „Selbstrufmord“ ist für ihn ein „So war’s halt“ auf rund 330 Seiten. Nicht mit Anspruch auf Vollständigkeit, aber auf Authentizität.

„Manchmal weiß ich wirklich nicht, wer von euch beiden der Behinderte ist“, lässt er seinen Vater im Buch erklären. Warum Martin im Zug seiner Entjungferung einen Schal mit dem von Mutti eingenähtem Namensschild in einem Puff auf der Reeperbahn verlor, könnt ihr ja selbst nachlesen.

„Selbstrufmord“ ist als Taschenbuch in den Frankfurter S. Fischer Verlagen erschienen.

Martin Tietjen Selbstrufmord
Martin Tietjens "Selbstrufmord" ist im Handel. Cover-Foto: Sabine Skiba / S. Fischer Verlage

 



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