Stars

Daniel Küblböck: Erst Mobbing an der Schauspielschule, dann Hasstiraden im Netz

Wie es scheint, sprang Daniel Küblböck von Board der AIDA. Ein Brief im Netz, der von Mobbing erzählt, könnte Aufschluss über die Gründe geben. Doch die Menschen haben nichts dazu gelernt. Ein Kommentar.

Daniel Küblböck
Daniel Küblböck: Erst Mobbing an der Schauspielschule, dann Hasstiraden im Netz. Ein Kommentar. Foto: Sascha Steinbach/Getty Images
 

Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass Sänger und Schauspieler Daniel Küblböck (33) am vergangenen Sonntagmorgen absichtlich in den Tod gesprungen ist, ließe das tief blicken. Denn eine solche Tat begeht ein Mensch nur dann, wenn er in Not ist. Nicht als PR-Gag, nicht für Aufmerksamkeit, nicht aus Berechnung. Eben nicht für andere, aber vielleicht wegen ihnen.

Depression und Selbstmord sind schon lange keine Tabuthemen mehr. Zumindest vordergründig. Denn mit Stigmatisierung gehen sie nach wie vor einher. Was die Menschen nicht verstehen, das verurteilen sie eben.

 

Daniel Küblböck: Mobbing an seiner Schauspielschule?

Am Tag von Daniel Küblböcks Verschwinden tauchte auf dem Facebook-Account „Offizieller Fanclub von Daniel Küblböck“ ein offener Brief auf, den der Entertainer an seine Fans geschrieben haben soll. Darin heißt es:

„Liebe Fans, leider geht es mir psychisch und physisch immer noch nicht besser. Ich muss diesen Schmerz der letzten Monate erst noch verkraften. Dieses wochenlange Mobben an meiner Schule in meiner Klasse hat mich doch zutiefst in meiner Seele erschüttert. Ich musste Wochen mit hohen Hacken über Steine laufen, dann wurde mir meine Bühnengarderobe zerschnitten und mir wurde Sabotage unterstellt, da jemand Wasser über die Technik geschüttet hat. Ich meine, ich bin seit Jahren im Showgeschäft und so etwas habe ich doch gar nicht nötig. Aber am schlimmsten fand ich, dass unsere Dozentin nicht eingegriffen hat.“

Ob diese Worte wirklich von Daniel Küblböck stammen, ist im Nachhinein schwer zu beurteilen. Doch vielleicht ist das auch gar nicht entscheidend.

Genauso wenig entscheidend ist, ob der Sänger in seinen letzten Tagen an Board der AIDALuna wirklich Frauenkleidung trug.

Denn die Vermutung, dass der Sänger auf Grund seiner „Andersartigkeit“ immer wieder mit Ablehnung und Anfeindungen zu kämpfen hatte, liegt leider nahe. Denn wer – auf welche Weise auch immer – von der Norm abweicht, an dem stören sich die Menschen.

Und das selbst nach seinem vermeintlichen Sprung von Board eines Kreuzfahrtschiffes, wie zahlreiche geschmacklose und erschreckende Kommentare im Netz beweisen.

„Der lässt scheinbar nichts aus, um in die Schlagzeilen zu kommen“, „Daniel Küblböck angeblich von Bord eines Kreuzfahrtschiff gesprungen. An Bord liefen wohl seine greatest Hits“ oder  „die armen Fische. Klimawandel, Ölpest, Überfischung und jetzt auch noch das. Denen bleibt auch nichts erspart. Er will bestimmt mit Arielle und Sebastian ‚Unter dem Meer‘ singen“, lesen sich nur einige davon.

Wieso sich manche User dazu berufen oder ermächtigt fühlen, Witze über einen eventuellen Selbstmord zu machen, ist mir schleierhaft. Ein Zitat meines ehemaligen Lateinlehrers kommt mir dabei in den Sinn: „Manchmal kann Lachen ein Zeichen von Ohnmacht sein“. Gerne würde ich glauben, dass das die Erklärung für die geschmacklosen Witze ist.

Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Art des Umgangs mit dem Leid eines Menschen schiere Unwissenheit und Beschränktheit zu Grunde liegen, erscheint mir jedoch deutlich höher.

* von Anna Peters

Hinweis der Redaktion:

Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden oder jemanden kennen, der daran leidet, suchen Sie das Gespräch mit ihren Mitmenschen oder lassen Sie sich von der Telefonseelsorge helfen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

Das könnte Sie auch interessieren
TV Movie empfiehlt