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Bürgerliches Trauerspiel: Miss Sarah Knappik entblößt das Reality-TV nach "Promi Big Brother"

Wahrscheinlich sprach ausgerechnet Sarah Knappik nach "Promi Big Brother" 2017 im Sat.1-Frühstücksfernsehen ein paar der beeindruckendsten Worte, die jemals ein Reality-Star hierzulande vom Stapel ließ.

Sarah Knappik
Reality-Star Sarah Knappik wirkte unter anderem in "Sharknado 4" mit David Hasselhoff, Ian Ziering und Tara Reid mit. Instagram/sarahknappik

Beeindruckend, weil sie jenseits aller selbst im Trash-TV branchenüblichen Eitelkeiten eine Sicht auf die Welt der zahllosen Nichtskönner-Promis zuließ, die uns auf diese Weise selten gewährt wird.

Was war passiert? Über eine Woche lang ertrug Sarah Knappik, die neben dem ehemaligen „Caught in the Act“-Sänger Eloy de Jong zu den bekanntesten Teilnehmer der 5. Staffel „Promi Big Brother“ zählte, 2017 das Mobbing ihrer Mitbewohner. Luxuswaren-Millionärin Claudia Obert bezeichnete sie vor laufenden Kameras als „Dumme Sau“, hinter ihrem Rücken würde gelästert und gehetzt – bis zu dem Punkt, an dem der Jenny-Elvers-Ex Steffen von der Beek sogar öffentlich anzweifelte, dass Knappiks Mutter wirklich an Krebs leide. Geschmacklos, ja, aber vor allem „real“.

 

Sarah Knappik und der „Real“-Faktor

Ironischerweise war es vor allem das Fehlen des „Realen“, das die Mitbewohner im Haus an Sarah kritisierten. Ihre Freundlichkeit sei dagegen „fake“ gewesen. Sie habe sich immer nur in den Mittelpunkt drängen wollen.

Weit gefehlt. Was wir in der Gladiatoren-Arena „Promi Big Brother“-Haus gesehen haben, war leider wirklich „real“ – und beschämend. Vielleicht ist der Begriff „Mobbing“ angesichts der vielen unreifen Schulhofstreitereien im Haus etwas hochgehängt, aber realer als diese Show kann Reality-TV fast gar nicht mehr sein. Oder wie Enthaarungsmillionär Jens Hilbert es ausdrückte: „Wenn ich Sarah hier zugucke, fühle ich mich manchmal, als ob ich gerade selbst Fernsehen schaue.“

Und da saß Sarah Knappik nun im Frühstücksfernsehen, mit dieser Art von Ehrlichkeit, die eben nicht befreiend, sondern beschämend wirkt. Beschämend nicht nur für die Mitbewohner, sondern auch für uns, die Zuschauer, die sich seit der dritten Staffel „Germany’s Next Topmodel“ zehn Jahre lang an Tragik und Komik des bürgerlichen Trauerspiels um Sarah Knappik ergötzten.

Denn eines dürfen wir nicht vergessen: Sie war wirklich einer der ersten großen Reality-TV-Stars in Deutschland. Während DSDS ein paar Jahre zuvor Alexander Klaws hervorbrachte, Popstars die „No Angels“ und GNTM Lena Gercke und Barabara Meier, die allesamt Fuß in der Unterhaltungsindustrie fassen konnte, ging es schon in Sarahs, der dritten Staffel „Germany’s Next Topmodel“, um etwas ganz andres. Oder erinnert ihr euch noch an die Siegerin Jennifer Hof aus dem hessischen Rodgau? Wohl kaum.

 

Sarah Knappik: Pionierin eines Berufsbildes

Gina-Lisa Lohfink und Sarah Knappik
Gina-Lisa und Sarah waren mal beste Freundinnen. Foto: Getty Images

Sarah Knappik und Gina-Lisa Lohfink galten hierzulande quasi als Pionierinnen des Berufsbilds Reality-Star. 2008 war das wirklich etwas Neues. Zwar schaffte es ihr Kampfspruch „Zack, die Bohne!“ nie wie das berühmte „Zig-ah-zig-ahh“ der „Spice Girls“ in ein Wörterbuch, allerdings wird der Ausspruch noch heute immer wieder verwendet. Er zählt zum deutschen Populärkulturgut.

Sarah Knappik – das ist eine andere Dimension als „Promi Big Brother“-Konkurrentin Evelyn Burdecki, deren Promi-Status vor der Show sich auf etwa zehn Minuten Sendezeit beim „Bachelor 2017“ beschränkte. Danach setzte sie Sebastian Pannek in der ersten Sendung vor die Tür der Luxusvilla.

Nach eigenen Aussagen brachte Knappiks Mutter ihre Tochter zum GNTM-Casting, damit der ehemals wegen Fettleibigkeit gehänselten Sarah endlich mal einer sagte, dass auch sie schön sei. Und das glaube ich ihr. Als ich sie vor zehn Jahren während ihrer Zeit in der Klum-Show zum ersten Mal interviewte, war da eine ganz andere Motivation als die einer Evelyn Burdecki, die alle zwei Minuten betonen muss, dass sie unbedingt berühmt werden will. Die zehn Jahre jüngere Sarah wollte einfach Spaß haben und "schaute einfach, was da passiert". Eine Aussage, die sie im Frühstücksfernsehen auf die Zeit bei „Promi Big Brother“ bezogen, wiederholte.

„Ich habe mich ganz normal mit den Leuten unterhalten. Das ist ja mein Job, ich lebe ja davon, das ist meine Arbeit. Ich habe mich irgendwann für diesen Weg entschieden und das war für mich das Richtige“, erklärte sie im Frühstücksfernsehen – Worte, bei denen sich viele der Reality-Sternchen, die auf Medien-Events exaltiert über rote Teppiche flanieren, eigentlich in Grund und Boden schämen sollten. Diese Trash-TV Siebt- oder Elftplatzierten, die Erstrunden-Rausflieger, die kurz ihre Brüste in einem teuren Kleid zeigen durften. Denn diese Art von Ehrlichkeit und Selbstreflexion ist quasi ein Reality-TV-Kulturschock.

 

Sarah Knappiks Realität

Wie Sarah Knappik berichtete, habe sie heute große Schwierigkeiten, Freunde zu finden. „Die Leute lachen dir ins Gesicht, wenn es läuft, wenn nicht, wenden sie sich von dir ab“, sagt sie. Eine Erfahrung, die sie auch im Moment mache. Allerdings habe sie ihr Job auch gestärkt, ihr Selbstbewusstsein gegeben. „Vielleicht nerve ich den einen oder anderen. Ich weiß nicht, ob ich immer alles richtig mache. Menschen machen Fehler, aber das mache sie auch liebeswert.“

Im „Promi Big Brother“-Haus habe sie keine böse Absichten gehabt. Was danach passierte, habe sie trotz zehn Jahren Branchenerfahrung aus der Bahn geworfen. „Das war unmenschlich, unter der Gürtellinie“, so Knappik, „ich bin schockiert, was Menschen tun, um Schlagzeilen zu generieren – auf meinen Schultern. Dinge, die erfunden werden, um sich nach vorn zu bringen, statt sich über die eigene Leistung nach vorn zu bringen.“

Zurückschlagen wollte Sarah Knappik nach dem Rauswurf nicht. „Ich bin reifer geworden. Ich will nicht auf diese Stufe. Ich will die Leute so behandeln, wie ich es mir gewünscht hätte. Nervig hin oder her, aber der Mensch braucht konstruktive Kritik.“

Ja, auch Sarah Knappik verdient mir ihrem Beruf Geld. Bei „Promi Big Brother“ angeblich eine Gage von rund 100.000 Euro. Der Preis für die dicken Schecks war ihr nicht immer bewusst. „Aber wenn deine Mutter vor dir sitzt und weint“, erzählte sie im Frühstücksfernsehen, „da hast du ‘ne Verantwortung, du trägst den gleichen Namen. Das können sich die Leute nicht vorstellen.“

Nach diesem Interview habe ich ganz persönlich das Gefühl, dass Sarah Knappik trotz allem wieder eine von uns ist, ein „Normalo". Und real. Auf Sat.1 blitzte wieder diese Ehrlichkeit, durch die sie vor zehn Jahren an den Tag legte, obgleich diese heute nicht mehr so leichtfüßig klingt wie damals. Ganz im Gegenteil.

Ich hoffe wirklich, dass uns Sarah Knappik als eine Ikonen des deutschen Reality-TV weiter im Fernsehen erhalten bleibt, dass sie weiter mit ihrem speziellen Job Geld verdienen kann, ohne sich öffentlich auf derart verletztende Weise bloßstellen lassen zu müssen, wie eine Woche lang auf Sat.1 zu sehen war. Das bürgerliche Trauerspiel ist nicht sie. Es ist das Umfeld, in dem sie ihren Beruf ausübt.

Maryanto Fischer, Redaktionsleiter TV Movie Online

 

Alle Infos zur diesjährigen "Promi Big Brother"- Staffel 2017 erfahrt ihr auf unserer Newsseite. Die Antwort auf die Frage: „Wer ist raus?“ erhaltet ihr mit Klick auf den unterlegten Link. Alle Infos über die Kandidaten findet ihr auf unserer Seite „Promi Big Brother: Das sind die Kandidaten!“

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