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Kino

"Aus meiner Haut" - Filmkritik: Eine etwas andere Liebesgeschichte

"Aus meiner Haut" von Alex Schaad ist der einzige deutsche Beitrag bei den 79. Filmfestspielen in Venedig. Was kann die Sci-Fi-Liebesgeschichte?

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Tristan (Jonas Dassler, "Der Goldene Handschuh") und Leyla (Mala Emde, "Charité") versuchen ihre Beziehung zu retten. Foto: Walker + Worm Film
Inhalt
  1. "Aus meiner Haut": Rätselhafter Körpertausch
  2. "Aus meiner Haut" beschäftigt sich mit tiefsinnigen Fragen
  3. Tolle Schauspieler:innen, wenig überzeugendes Ende

Zu Anfang von Alex Schaads Langfilm-Regiedebüt "Aus meiner Haut" ist die Verwirrung bei den Zuschauer:innen groß: Tristan (Jonas Dassler, "Der Goldene Handschuh") und Leyla (Mala Emde, "Charité") wollen ihre frühere Freundin Stella besuchen. Doch als die die beiden auf einer einsamen Insel empfängt, ist es nicht das bekannte Gesicht, das sie sehen, sondern ein alter Mann (Edgar Selge) steht vor ihnen.

 

"Aus meiner Haut": Rätselhafter Körpertausch

Erst dauert noch einige Zeit, bis der Film dieses Rätsel auflöst. Stella führt eine abgelegene Kommune an, in der jedes Jahr verschiedene Paare für zwei Wochen zusammen zu kommen, um für einige Zeit in den Körper von anderen zu schlüpfen. Stella ist nun im Körper ihres Vaters gefangen, weil er an einem Aneurysma starb, als er im Körper der jungen Frau steckte. Am ersten Abend werden jeweils zwei Paare zusammengelost, die in einer geheimnisvollen Zeremonie ihre Körper tauschen. Tristan und Leyla werden mit dem Chaoten Mo (Dimitrij Schaad) und seiner Freundin Fabienne (Maryam Zaree), die bereits zum zweiten Mal teilnimmt, zusammengebracht.



Während sich Leyla, die mit Depressionen zu kämpfen hat, nach dem Tausch im wahrsten Sinne des Wortes wie neu geboren fühlt, kann Tristan mit der neuen Erfahrung wenig anfangen. Nach kürzester Zeit macht er von der einzigen Regel im Camp Gebrauch: Die Beteiligten können jederzeit den Wechsel abbrechen. Leyla ist entsetzt von der Entscheidung ihres Freundes und stürzt in eine tiefe Krise, als sie ihren Körper und die Last die damit einhergeht, zurückbekommt - bis ihr ein weiterer Tausch angeboten wird...

 

"Aus meiner Haut" beschäftigt sich mit tiefsinnigen Fragen

Bei aus "Aus meiner Haut" handelt es sich um eine Sci-Fi-Liebesgeschichte. Doch trotz des fiktionalen Hintergrundes kommt man nicht umhin, sich einige Fragen zu stellen. Dass das Ritual, das in einer schmalen, weißen Gebäude stattfindet, nicht näher erläutert wird, ist dabei das geringste Problem. Ungeklärt bleiben vor allem die genauen Hintergründe zur Entstehung der Gemeinschaft und auch die Motive der Nebendarsteller:innen. Im Fokus steht dabei voll und ganz Leyla und ihre Hoffnungen bezüglich des Körpertausches.

Dass das Publikum trotz der Logiklücken dran bleibt, ist dabei vor allem der emotionalen Darstellung der Schauspieler:innen zu verdanken. Die Figur der Leyla wird im Laufe des Films von Mala Emde, Maryam Zaree und Thomas Wodianka verkörpert. Der Kontrast zwischen der tief betrübten (Emde) und voller Energie steckenden Leyla (Zaree, Wodianka) wird im Film auf berührende Weise herausgestellt.

Die besondere Stärke von "Aus meiner Haut" machen aber die Denkanstöße aus, die das besondere Experiment mit sich bringt. Während am Anfang noch die Frage gestellt wird, ob in einer Beziehung das "Ich" ohne das Äußere ausreicht, wird im weiteren Verlauf des Films auch die Verbindung zu unserem Körper thematisiert. Leyla fühlt sich von ihrer Hülle gepeinigt und will sie um alles in der Welt loswerden. Als sie gegenüber ihrem Freund offenbart, dass ihr egal sei, was mit ihrem Körper passiert, ist der von dieser Offenbarung geschockt. Eine der stärkesten Szenen des Films, die zeigt, wie sehr Depressionen auch den Körper befallen.

 

Tolle Schauspieler:innen, wenig überzeugendes Ende

Darüber hinaus befasst sich der Film auch mit Geschlechteridentiäten und Sexualität. Als Leyla mit Roman, dem Partner von Stellas verstorbenen Partner, die Körper tauscht, muss sich Tristan fragen, ob er Leyla auch noch lieben kann, wenn sie im Körper eines Mannes steckt. Langsam nähren sich die beiden trotz Tristans Überforderung an. Die tiefe Verbindung zwischen den beiden über ihr Äußeres hinaus wird von Jonas Dassler und Thomas Wodianka stark und glaubwürdig darstellt.



Letzter zeigt sein ganzes Können vor allem gegen Ende, wenn Leyla im Körper von Roman innerlich zerissen ist: Kann sie Romans Körper behalten und ihn einfach in ihrer, von Schmerzen geplagten Hülle zurücklassen? Die Auflösung am Ende des Films wirkt dann allerdings wieder allzu offensichtlich und angesichts der vorherigen Ereignisse weniger überzeugend. Nichtsdestotrotz bleibt "Aus meiner Haut" ein Film, der das Publikum mit Sicherheit über entscheidende Lebensfragen nachgrübeln lässt.

Wir haben "Aus meiner Haut“ bei den Filmfestspielen in Venedig gesehen, wo er in der Sektion „Settimana Internazionale della Critica“ zu sehen war."Aus meiner Haut" soll Anfang 2023 in die Kinos kommen. Ein genauer Starttermin steht noch nicht fest.

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