Serien-Kritik

„Absentia“ auf Netflix: Deshalb ist die Serie unglaublich schlecht

„Absentia“ will düster, spannend und komplex sein – doch am Ende ist die Serie vor allem eines: frustrierend unlogisch. Warum so viele Zuschauerinnen an den Entscheidungen der Figuren verzweifeln und die Serie trotzdem gerade in den Netflix-Charts durch die Decke geht.

 Emily Byrne (Stana Katic) steht mit Kapuze vor einem nackten Conrad Harlow (Richard Brake).
Ja, irgendwie wird man von „Absetia“ gefesselt, aber gut ist diese Serie leider nicht! Foto: © 2017 Sony Pictures Televisio / sony

„Absentia“ gehört zu jenen Serien, die beim Zuschauen eine Mischung aus Faszination und blanker Fassungslosigkeit auslösen. Die Grundidee klingt vielversprechend: Eine verschollene FBI-Agentin taucht nach sechs Jahren wieder auf, kämpft mit Gedächtnisverlust und wird zur Hauptverdächtigen im eigenen Entführungsfall und einer Reihe von Mordfällen. Thriller-Potenzial ist definitiv vorhanden. Doch die Umsetzung sorgt immer wieder für Stirnrunzeln – und trotzdem hält sich die Serie seit Wochen hartnäckig in den Netflix-Top-10, wochenlang sogar auf dem 1. Platz. Erst „Stranger Things“, dann „Sean Combs: The Reckoning“ und aktuell die neu auf Netflix erschienene Staffel von „The Rookie“ konnten „Absentia“ von der Spitze verdrängen.

Nick Durand: Der vielleicht schlechteste Ehemann der Serien-Geschichte

Einer der größten Aufreger der Serie ist und bleibt Nick Durand (Patrick Heusinger). Seine Ehefrau Emily Byrne (Stana Katic) verschwindet spurlos und wird für tot erklärt – doch statt jahrelanger Trauer beginnt Nick offenbar schon nach rund einem Jahr ein neues Leben. Selbes Haus, gemeinsamer Sohn mit Emily, gleicher Hund, neue Frau: Alice Durand (Cara Theobold). Und drei Jahre später? Heiratet er sie.

Als Emily plötzlich wieder auftaucht – verletzt, traumatisiert und absolut lebendig – reagiert Nick erstaunlich gefasst. Er fällt ihr nicht schluchzend in die Arme und lässt sie nie wieder los – so, wie man es erwarten würde, wenn die für tot erklärte große Liebe plötzlich zurückkehrt.

Stattdessen wird Emily direkt nach ihrer Krankenhausentlassung zu ihrem Bruder Jack Byrne (Neil Jackson) abgeschoben. Dabei stellt sich unweigerlich die Frage: Wenn eine Frau sich sechs Jahre lang nach ihrer Familie sehnt, sollte dann nicht eher die neue Partnerin vorübergehend das Feld räumen – bis die emotional völlig verworrene Situation in Ruhe geklärt werden kann?

Auch Fans im Netz sind irritiert. Kommentare reichen von „Wie kann er einfach neu heiraten?“ bis „Kaum ist sie zurück, wird sie behandelt, als sei sie ein Fremdkörper“. Der Tenor: Die emotionale Logik der Serie ist oft schwer nachzuvollziehen.

Emilys Gesetzesbrüche: Realistisch betrachtet wäre sie längst im Gefängnis

Auch Emily selbst sorgt für Kopfschütteln. Zwar wird sie am Ende von Staffel 1 von den Mordvorwürfen entlastet – doch die zahlreichen Straftaten, die sie auf dem Weg dorthin begeht, bleiben folgenlos:

  • Flucht vor der Polizei

  • körperliche Angriffe

  • ein Schuss auf ihren eigenen Mann

  • Einbruch in eine Psychiatrie

  • Fesseln ihres Psychologen

  • mehrfaches Auftreten als falsche FBI-Agentin

Und das sind nur einige wenige Beispiele einer langen Liste illegaler Handlungen!

Dass Emily in Staffel 2 sogar in den Polizeidienst zurückkehren darf, ist eine der unlogischsten Entwicklungen der Serie. Auch viele Zuschauer:innen kritisieren, dass Emily in jeder Episode aus ausweglosen Situationen entkommt, als sei das pure Routine.

 Emily Byrne (Stana Katic) reckt eine Pistole in die Kamera.
Emily Byrne (Stana Katic) spielt in „Absentia“ eine verzweifelte Ex-Ermittlerin, die ihrem traurigen Schicksal einfach nicht entkommen kann. Foto: 2017 Sony Pictures Television

Die Serie stolpert von Unlogik zu Unlogik – und Fans verlieren die Geduld

Ein Blick in die Diskussionen auf „Fernsehserien.de“ zeigt, dass sich dort ähnliche Kritikpunkte häufen:

  • Die zweite Staffel sei konstruiert und unglaubwürdig

  • Die permanente Dunkelheit vieler Szenen wirke künstlich und anstrengend

  • Nick Durand werde als Agent völlig unglaubwürdig dargestellt – und an Unfähigkeit kaum zu übertreffen

Ein Fan kommentiert frustriert, viele Serien würden heute wirken, „als wäre elektrisches Licht nie erfunden worden“. Ein anderer ergänzt süffisant, die Macher:innen hätten die Dunkelheit vielleicht genutzt, um „den Story-Müll zu verstecken“. Autsch!

Auch die professionellere Kritik ist ernüchtert. Auf „Film-rezensionen.de“ wird bemängelt, die Wendungen wirkten oft wie Selbstzweck, die Figuren seien wenig interessant und schauspielerisch bleibe vieles blass.

„Absentia“: Drei Staffeln Chaos, offene Fragen und trotzdem jede Menge Spannung

Trotz all dieser Schwächen hat „Absentia“ eine erstaunlich treue Fanbase – und dank der aktuellen Netflix-Präsenz sogar eine neue Generation neugieriger Zuschauer:innen. Manche loben das Finale der dritten Staffel, andere empfinden die Geschichte bereits nach Staffel 1 oder 2 als auserzählt.

Und viele sind sich einig: Nick Durand sei die größte Schwäche der Serie.

Gleichzeitig lässt sich nicht leugnen, dass „Absentia“ eine Sogwirkung entwickelt. Die Serie ist schnell, intensiv, emotional aufgeladen und liefert Cliffhanger am laufenden Band. Auch wenn die Logik manchmal auf der Strecke bleibt und wütendes Augenrollen vorprogrammiert ist, bleibt die Spannung stets hoch.

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Logisch und im eigentlichen Sinne gut ist die Serie nicht, aber spannend! Wer gerne Serien schaut, bei denen permanent etwas passiert und jede Szene neue Fragen aufwirft, wird trotz aller Trigger-Momente gut unterhalten.

„Absentia“ ist völlig unlogisch – und trotzdem erstaunlich fesselnd

„Absentia“ hätte mit einer stärkeren Figurenschreibung und mehr erzählerischer Konsequenz eine wirklich herausragende Thriller-Serie sein können. Stattdessen präsentiert sie ein chaotisches Konstrukt aus unlogischen Entscheidungen und überdramatischen Wendungen, das immer wieder irritiert.

Und trotzdem: Die Serie ist spannend, schnell konsumierbar und erzeugt einen Suchtfaktor, der sich nicht leugnen lässt. Viele Zuschauer:innen bleiben dran, weil die Stimmung packt – selbst wenn man sich gefühlt alle zehn Minuten aufregt.

Kurz gesagt: „Absentia“ ist die Art Serie, bei der man sich permanent fragt, warum man weiterguckt – und dann doch automatisch die nächste Folge startet.

Ob es Chancen auf eine 4. Staffel von „Absentia“ gibt, erfährst du hier >>>

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