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51. KVIFF – "Gleißendes Glück"

In Karlovy Vary strahlen einem in der Regel nur glückliche Gesichter entgegen. Nur in den schwer-verdaulichen Wettbewerbsfilmen ist das mit dem Glück so eine Sache. Ulrich Tukur und Martina Gedeck versuchen es in "Gleißendes Glück" auf ihre Art und Weise.

Gleißendes Glück Original Bliss
Eine außergewöhnliche Liebe: Martina Gedeck und Ulrich Tukur finden in "Gleißendes Glück" zueinander. Film Servis Festival Karlovy Vary.

Deutsches Kino. Post "Toni Erdmann". Es war klar, dass es nach Maren Ades Wunderfilm erst einmal ein Weilchen brauchen würde, um sich mit dem typischen Festival-Drama „Made in Germany“ wieder sinnvoll auseinandersetzen zu können. Dabei ist Sven Taddickens Roman-Verfilmung „Gleißendes Glück“, der gute Chancen auf einen Preis im offiziellen Wettbewerb des 51. "Karlovy Vary International Film Festivals" haben dürfte, in vielerlei Hinsicht ein „Glücksfall“.

Martina Gedeck spielt die schlaflose und sinnsuchende Helene Brindel, die irgendwann einmal vom Glauben abgefallen ist und seitdem pünktlich um 3 Uhr nachts aufwacht, um ihrem passiv-aggressivem Ehemann einen frischen Orangensaft für den kommenden Morgen auszupressen und auf dem Wohnzimmerboden vor dem laufenden Fernseher einzuschlummern. 

Eines Tages hört Helene im Radio von Professor Eduard E. Gluck (Ulrich Tukur). In seiner Stimme hallt etwas Bekanntes mit – Helene kann es nicht genau beschreiben. Sie nimmt ihren Mut zusammen und arrangiert ein Treffen mit dem vielbeschäftigten Ratgeber-Guru. Aus einem anfänglichen Gespräch wird ein Abendessen. Aus der quälenden Sinnsuche folgt auf einmal die Gewissheit, dass ihr Gegenüber ihr definitiv den lang ersehnten Seelenfrieden näher kommen lässt.

Martina Gedeck und Ulrich Tukur in Bestform

Doch auch Gluck hat mit einem heimlichen Laster zu kämpfen: Seine schwere Porno- und Masturbationssucht entlädt sich in einem obszönen Anruf bei Helene. Doch die Reise und äußerst fragile Beziehung der beiden Sinnsuchenden nimmt damit erst ihren Anfang – auch wenn zuhause auf Helene immer noch die unkontrollierbaren Aussetzer ihres frühen Lebens auf sie warten.

"Gleißendes Glück" beim 51. KVIFF

Porno-Obsession, verlorene Spiritualität und Gewalteskapaden: „Gleißendes Glück“ ist alles andere als leichter Tobak und droht oftmals an seiner thematischen Schwere zu zerschellen. Doch die wunderbar gespielte und fast schon zärtliche Beziehung von Ulrich Tukur und Martina Gedeck bietet einen wundervollen Kontrapunkt zur zwangsläufigen dramatischen Überladung des Stoffes.

Taddickens Inszenierung lässt keine Wünsche offen: Die Selbstkonditionierung der Hauptfiguren wird oftmals in quälend-klare Bilder verpackt. Doch immer wieder entladen sich humorvolle Noten im sehr präzisen, aber auch fast schon prätentiösen Gebilde: Eine finnische „Modern Dance“-Aufführung bietet nicht nur den Hauptfiguren den nötigen Eskapismus aus ihrem Seelenzustand. So bleibt ein insgesamt ein guter Eindruck eines stark gespielten Dramas zurück. Ob es für einen begehrten Kristallglobus reicht, werden wir in der kommenden Woche wissen.

Am 20. Oktober 2016 startet „Gleißendes Glück“ in den deutschen Kinos.

David Rams berichtet für TV-Movie.de vom Karlovy Vary International Film Festival


 

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