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"365 Days": Warnhinweis & Einordnung in Horror-Genre von Netflix gefordert!

"365 Days" (Originaltitel "365 Dni") wird kontrovers diskutiert. Die britische Organisation „Pro Empowerment“ fordert Netflix nun auf, die Handlung nicht weiter zu romantisieren!

Verherrlicht "365 Days"/"365 Dni" Vergewaltigung und das Stockholmsyndrom?
"365 Days" verharmlost sexuelle Gewalt und normalisirt Vergewaltigung und toxische Männlichkeit - so der Vorwurf von "Pro Empowernment"! Bild: Netflix

Der neuste Netflix-Hit „365 Days“ erzählt die Geschichte der 29-jährigen Laura, die entführt, sexuell genötigt und unterworfen wird und sich letztlich (aufgrund ihres Stockholmsyndroms) in ihren Peiniger verliebt. Trotzdem erfreut sich der Erotik-Streifen großer Beliebtheit und hält sich wacker in der Top 10 der gefragtesten Netflix-Inhalte. Laut der Steraming-Plattform fällt der Film in die Kategorie „Romantik“.

Genau daran stößt sich (neben vielen anderen Kritikern) die Organisation „Pro Empowernment“, die sich kürzlich in einem offenen Brief an Netflix wendet.

Das Schreiben beginnt mit einem Gedankenspiel: „Stellt euch eine Geschichte über einen Kriminellen mittleren Alters vor, der nach konventionellen Maßstäben als unattraktiv gilt. Seit fünf Jahren ist er von einer jungen Frau besessen, und zwar bis zu dem Punkt, an dem er überall Bilder von ihr aufhängt, die sie entdeckt, nachdem er sie unter Drogen setzt und entführt und in seinem Haus einsperrt. Um sie zu kontrollieren, nutzt er physische Gewalt, begrabscht sie und schüchtert sie ein. Er sagt: ‚Provozier' mich nicht, ich bin kein sanfter Mann‘.“ Dann die entscheidende Frage: „Das klingt wie die Storyline eines Enführungs-Horrorfilms, richtig?“. Die Organisation verweist darauf, dass man den mittelalten, unattraktiven Entführer anscheinend nur durch einen attraktiven, jungen Mann ersetzten müsse und schon habe man es mit dem meist-gestreamten Netflix-Film der letzten Wochen zu tun.

 

"365 Days" auf Netflix hat nichts in der Kategorie Romantik zu suchen und sollte als Horror-Film deklariert werden

365 Days - 365 Dni
Bild: Netflix

Die Tatsache, dass der Film als romantisch und als Erzählung voller „Leidenschaft“ ausgewiesen werde, sei schlichtweg „ekelhaft“, heißt es weiter. „Pro Empowernment“ fordert, den Film zumindest in die Kategorie „Horror“ oder zumindest „Thriller“ zu verlegen und mit einer „Trigger Warning“ auszustatten.

Um dies zu begründen, nennt der offene Brief gleich mehrere Szenen des Films, in denen sexualisierte Gewalt nicht nur unkritisch gezeigt, sondern sogar romantisiert wird, darunter die Szene zu Beginn des Films, in der Massimo eine Flugbegleiterin zum Oral-Sex zwingt. „Das ist eine Vergewaltigung und sollte auch als solche betrachtet werden.“ Die Sequenz werde zudem mit einer Selbstbefriedigungs-Szene der weiblichen Protagonistin Laura verknüpft, obwohl ein gewaltsamer Übergriff sexueller Natur niemals mit Selbstbefriedigung vermischt werden sollte, da er durch diesen Vergleich normalisiert und verharmlost werde.  

Des Weiteren wird darauf verwiesen, dass Massimo Laura mehrmals packt und würgt, weil sie ihm widerspricht oder als „ungehorsam“ bezeichnet, wenn sie sich gegen ihn zur Wehr setzt und ihr die Schuld gibt, als sie in einem Club sexuell belästigt wird, da sie „sich wie eine Hure angezogen und eine Show abgezogen hat“.

„Pro Empowernment“ prangert im Verlauf des mehrseitigen Briefs die toxische Männlichkeit, die verquere Darstellung sexueller Gewalt, die Gleichsetzung von Lauras Stockholm-Syndrom mit Liebe und viele weitere Schwachstellen des Films an.

„Idealerweise müsste der Film komplett von der Streamingplattform verschwinden, aber leider sind wir uns darüber im Klaren, dass dies ein unrealistisches Szenario ist. Der Film normalisiert so viele Dinge, gegen die Aktivis*innen, Feministin*innen und Pädagog*innen im Bezug auf die Filmindustrie seit einem Jahrzehnt kämpfen. Die Romantisierung dieser Probleme und Formen von Missbrauch innerhalb dieser Erzählung fühlen sich an wie ein riesiger Rückschritt, was uns als Organisation zutiefst traurig stimmt.“ Man halte eine Entschuldigung aufgrund der fehlenden Warnung vor dem verheerenden Inhalt und eine Entfernung aus dem Romantik-Genre jedoch für machbar und angemessen.

Netflix hat mittlerweile zu der Forderung Stellung bezogen! Wie der Streaming-Dienst auf die Vorwürfe und Bitten von "Pro Empowernment" reagierte, lest ihr mit Klick auf den unterlegten Link!

 


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