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"The Last Guardian": Das beste PS4-Spiel im Jahr 2016?

Knapp 10 Jahre haben Fans auf "The Last Guardian" gewartet: Wir verraten euch in unserer Kritik, ob das PS4-Spiel von Fumito Ueda tatsächlich das erhoffte Meisterwerk geworden ist!

Ein kleiner Junge wacht einsam in einem höhlenartigen Gewölbe auf und hat keine Erinnerung daran, wie er hier gelandet ist. Neben ihm schlummert eine gewaltige Kreatur, die offensichtlich angekettet ist –  eine wilde Mischung aus Hund, Vogel, Katze und Ratte. Sie wirkt verwirrt, ängstlich und faucht den kleinen Protagonisten von "The Last Guardian" konsequent an, sobald er sich ihr nähert. Als der kleine Junge das Tier von seinen Ketten befreit und es das erste Mal füttert, beginnt vielleicht eine der intensivsten und mitreißendsten Videospiel-Erfahrungen der vergangenen Jahre auf der PS4!

Das Genie Fumito Ueda

Dass "The Last Guardian" nach einer fast 10-jährigen Entwicklungszeit (das Spiel sollte ursprünglich auf der PS3 erscheinen) tatsächlich in den Videospiel-Regalen erscheint, grenzt schon an ein kleines Wunder. Dass das Spiel aber nach dieser Ewigkeit auch spielerisch und vor allem atmosphärisch fasziniert, verblüfft und überwältigt, liegt wohl vor allem an der Vision eines Mannes: Fumito Ueda.

The Last Guardian Trico
Die Dramatik zieht immer wieder an!          SCEE

Ähnlich wie seine beiden Kollegen Hideo Kojima ("Metal Gear Solid"-Reihe) und Shigeru Miyamoto (Mario und Zelda-Schöpfer) gehört Fumito Ueda zur illustren Runde jener Videospiel-Kreativköpfe, deren Namen nicht nur weltweit hohes Ansehen genießen, sondern die mit ihren jeweiligen Spielen die Videospiel-Branche auf ein neues Level hieven. Mit "Ico" (2001/PS2) und "Shadow of the Colossus" (2005/PS2) revolutionierte Ueda mit seinen stilistisch reduzierten Abenteuern das Genre der 3D-Plattformer: Die bewusste graphische Spärlichkeit wurde von zeitlosen und äußerst emotionalen Geschichten kontrastiert – nicht Wenige haben bei "Shadow of the Colossus" eine Taschentuchbox neben ihren P2/PS3-Controller gelegt.

Forderndes Spielprinzip

Auch in "The Last Guardian" stehen die absoluten Videospiel-Basics im Mittelpunkt: Das Spiel beginnt ohne Umschweife und ohne umfangreiches Tutorial, Hinweise oder Hilfen: "The Last Guardian“ konzentriert sich von Anfang an auf die Beziehung zwischen einem kleinen Jungen und seinem gewaltigen Begleiter namens Trico. Schon zu Beginn wird klar, dass die beiden, die unzähligen Puzzle-Aufgaben, die das Spiel bereithält, nur gemeinsam lösen können: Teilweise hievt Trico seinen kleinen Freund auf hohe Ebenen, schlägt ein paar fiese Wächter platt oder springt mit seinem Gefährten auf dem Rücken über beängstigend tiefe Abgründe.

Die Suche nach Antworten und einem Ausweg aus der linearen, aber scheinbar gigantischen Spielewelt wird von Spielstunde zu Spielstunde intensiver und anspruchsvoller. Die Lernkurve ist optimal: Der Schwierigkeitsgrad der brillanten Rätsel steigt parallel zur steigenden Aufmerksamkeit der Spieler – nie wirkt das Spiel unlogisch, unfair oder frustrierend, wenn man seiner unmittelbaren Umgebung mit offenen Augen gegenübersteht. 

Eine Freundschaft zum Verlieben

Das wahre Herzstück von "The Last Guardian" ist allerdings die wunderschöne Interaktion und Beziehung zwischen dem kleinen Jungen und seinem Gefährten Trico. Wer schon einmal ein Haustier besessen hat oder zumindest kein notorischer Tierhasser ist, wird von den neugierigen und manchmal irrationalen Gepflogenheiten von Trico begeistert sein. Selten hat eine künstlich gesteuerte Spielfigur ein dermaßen authentisches Verhalten an den Tag gelegt – und sich so jegliche Empathie der Videospiel-Gemeinde verdient.

The Last Guardian Freundschaft
Eine außergewöhnliche Freundschaft         SCEE

Die mysteriöse Geschichte wird nur sehr behutsam weitererzählt und bleibt angenehm im Verborgenen – und doch liefert eine tiefe männliche Erzählstimme (auf japanisch mit Untertiteln) während des Spiels Hinweise darauf, was mit dem Jungen und Trico passiert sein könnte. Wer die Filme des weltberühmten Animationsstudios Studio Ghibli und ihres Masterminds Hayao Miyazaki kennt, wird sich vom Stil, von der Erzählweise und außergewöhnlichen Freundschaft im Mittelpunkt von "The Last Guardian" umgehend an jene Animationsmeisterwerke erinnert fühlen.

Atmosphärische Brillanz und technische Schwächen

Viel wurde über die potentiell veraltete Grafik des Spiels diskutiert, das eben schon seit 10 Jahren in Entwicklung ist. Wenn man "The Last Guardian" allerdings in Aktion erlebt, wird sofort klar, warum das Spiel in dieser Form niemals auf der PS3 hätte veröffentlicht werden können: Alleine das Federgewand von Trico und seine unglaublich-detaillierten Animationen hätten die Sony-Vorgängerkonsole in die Knie gebracht.

Die Texturen mögen zwar hin und wieder detailarm und weichgezeichnet sein, doch vor allem die tollen Lichteffekte und das fantastische Art-Design der gewaltigen Spielewelt gehören zum Besten, was man derzeit auf allen Konsolen erleben darf. Die Weitsicht in den Außenarealen ist teilweise gewaltig (und geht sogar so weit, dass Spieler spätere Abschnitte bereits von weitem begutachten können). Dass man "The Last Guardian" die lange Entwicklungszeit ansieht, stört jedenfalls gar nicht.

Allerdings trüben einige technische Mängel das Gesamtbild: Nach zwei kleineren Day-One-Patches spielt sich Version 1.02 auf der PS4 Pro insgesamt solide und kann zum Großteil die obligatorischen 30 Frames pro Sekunde halten. Selten, aber doch bemerkbar, gibt es vor allem bei aufwendigen Spielszenen starke Framerate-Einbrüche zu beklagen, die gerade bei so einer langen Entwicklungszeit nicht entschuldbar sind. Zum Glück geschieht dies meistens nicht bei wichtigen Situationen, in denen eine schnelle Reaktion verlangt wird.

Auch die Kamera wirkt nicht immer ganz solide: Vor allem, wenn man in engen Räumen auf die Hilfe von Trico angewiesen ist, wird es im wahrsten Sinne des Wortes etwas zu eng und zermürbend, wenn man die richtige Perspektive finden will.

So spielt sich "The Last Guardian"

Der vielleicht größte Streitpunkt an “The Last Guardian” könnte die Steuerung werden. 2016 sind wir gerade von Plattformern und Action-Adventures a la "Uncharted" eine möglichst responsive, logische und direkte Steuerung gewöhnt. Auch wegen Tricos Eigenarten fällt „The Last Guardian“ nicht unter diese Kategorie und ärgert in den teils aufregenden Sprungpassagen mit einer etwas schwammigen Bedienung. Hinzu kommt eine etwas gewöhnungsbedürftige Tastenbelegung (Dreieck-Taste für Sprung), die den Spieler das eine oder andere Mal zur Weißglut bringen könnte.

The Last Guardian Trico Liebe
Das Herz und die Seele eines tollen Spiels!          SCEE

Doch selbst diese Schwächen können den cleveren Plattform-Spaß nicht trüben: Man arbeitet sich gemeinsam mit Trico durch den gewaltigen Schlosskomplex, löst einmal größere, einmal kleinere Puzzles, lauscht dem Wind, wenn er durch die virtuelle Flora bläst und schaut zu, wenn Trico bei anschwellender Musik sehnsuchtsvoll und traurig in die Ferne schaut. „The Last Guardian“ ist wie ein wunderschöner Traum, der sich spielen lässt und auf ein melancholisches Finale hinsteuert. Auch wenn es manchmal weh tut und frustriert, will man hiervon einfach nicht mehr aufwachen!

Fazit

10 Jahre hatten Fans auf den Nachfolger von "Shadow of the Colossus" gewartet und tatsächlich kann Fumito Ueda mit "The Last Guardian" die gewaltigen Erwartungen der Spielergemeinde erfüllen: Das Plattform-Abenteuer zeichnet sich nicht nur durch eines der schönsten Art-Designs der jüngeren Spielegeschichte aus, sondern stellt eine absolut unvergessliche „Buddy“-Geschichte in den Mittelpunkt einer faszinierenden, emotionalen und mitreißenden Reise. Eine schönere Ablenkung als in den kalten, langen Winternächten mit Trico & Co. in eine ferne Welt abzutauchen, kann es zumindest für PS4-Spieler kaum geben. Absolute Kaufempfehlung!

Den fantastischen Trailer zu "The Last Guardian" seht ihr oben im Artikel!

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