Starportrait

Angelina Jolie

Starportrait -

Ihr Haar ist unter einem schwarzen Kopftuch verborgen, im blassen Oval ihres Gesichts können allein die sinnlichen Lippen Anstoß erregen - zumindest hier, im muslimischen Pakistan. Doch heute geht es um Wichtigeres. Es ist der 7. September 2010, und UN-Botschafterin Angelina Jolie besucht das zerstörte Dorf Mohib Bandi. Sie will auf die Not von 20 Millionen Menschen aufmerksam machen, die bei der Flut alles verloren haben. Sie steigt über Schuttberge, streichelt Kinder, tröstet heimatlos gewordene Familien - die Kameras immer dabei. Nur wenige Stunden später gehen die Bilder um die Welt: Eine weitere Zementierung von Jolies Image als Über-Wohltäterin - so, wie sie auch Über-Mutter, Über-Frau, Über-Star zu sein scheint. Allerdings: Wie viele Superlative kann ein Mensch glaubhaft verkörpern - oder ist Angelina Jolies Engagement mehr Schein als Sein? Immerhin ist sie die Königin der illusionsfabrik Hollywood...

Millionen für Bedürftige

"Ich halte es für wichtiger, Leben zu retten und für das Wohl der Allgemeinheit zu kämpfen als Leute zu unterhalten", sagt uns Angelina Jolie einmal in einem sehr persönlichen Gespräch. Wir sind uns sicher: Bei den meisten Stars wäre das ein auf Hochglanz polierter PR-Satz - aber La Jolie meint es ernst. Denn ihr Herz ist viel weicher, als es ihr kompromissloser Power-Panzer vermuten lässt. Allein im Jahr 2010 war sie für das Flüchtlingshilfswerk UNHCR auf Haiti, in Afghanistan, Bosnien, Somalia, Ecuador und Pakistan - das grenzt fast an Hilfs-Amok. Und immer ist sie da, wo es weh tut: in Slums, Lazaretten; ohne Berührungsängste. Andere Mildtäter tragen Handschuhe gegen Elend und Ekel. Sie packt beherzt - und pur - zu. Manche Reisen mögen nur Blitzbesuche sein, eingeschoben zwischen Filmpremiere und Familienauszeiten, dennoch: Die Welt nimmt Anteil - und sich vielleicht ein Beispiel. Wobei Jolie schwer zu toppen ist: Allein für Haitis Erdbebenopfer gab sie eine Million Dollar.

Durchgeknallt!

Manchmal fällt es uns selbst schwer, diese Frau mit dem halbirren Psycho-Vamp in Einklang zu bringen, der Angelina Jolie noch vor zehn Jahren sein wollte. Sie, die das Blut ihres zweiten Ehemannes Billy Bob Thornton um den Hals trug, über SM-Praktiken, Drogen und Lesben-Sex philosophierte und sich angeblich mit Messern selbst verletzte. Dieses Mädchen - ein Schutzengel für die Welt? Vielmehr schien es, als sei sie selber die Hilfbedürftige. Es war der Tod, der ihrem Leben eine neue Wendung gab. "ich sah einen Menschen direkt vor meinen Augen sterben", verrät sie einmal, doch über die Umstände schweigt sie sich aus. Gut möglich, dass es in Kombodscha war: Die dortigen Dreharbeiten zu "Tomb Raider: Lara Croft" (2000) legen die Grundfeste ihres neuen Selbst: Innerhalb eines Jahres adoptiert sie ihren kambodschanischen Sohn Maddox, wird UN-Botschafterin - und lässt sich scheiden.

Mission Menschlichkeit

Auch wenn sie deutlich mehr Sexappeal hat, heute gilt Angelina Jolie als eine Art moderne Mutter Teresa. Sie hat mehr als 20 Krisenländer bereist, zwei weiteren Kindern aus Elendsgebieten ein neues Zuhause geschenkt - und mit Brad Pitt einen Partner, der ihr leidenschaftliches Engagement teilt. Er steht ihr auch bei ihrem Regiedebüt "In The Land of Blood and Honey" zur Seite, das derzeit in Bosnien entsteht. Handlung: eine Liebe in Zeiten des dortigen Bürgerkriegs - ein Appell für mehr Menschlichkeit. Und Jolies bislang engste Verknüpfung ihrer beider Ichs: als Star und Wohltäterin.

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