INHALT:
Eine Handvoll Radiorebellen steht im Mittelpunkt der Musik- und Radiogeschichte in den wilden Sixties. 1966 kommt zwar der weltberühmte Rock aus England, aber selten zu den Hörern der BBC, die pro Woche nur zwei mickrige Stunden Pop über den öffentlich-rechtlichen Äther schickt. Genauso unermüdlich wie illegal legen dafür die DJs des Piratensenders Radio Rock ihre Platten auf - mitten in der Nordsee, um nicht von der Regierung abgeschaltet zu werden, und mit einer gigantischen Fangemeinde...
KRITIK:
Der britische Regisseur Richard Curtis hat einen Film über die wilde Zeit der Popmusik Ende der sechziger Jahre gedreht, als die BBC nur zwei Stunden in der Woche Rock'n'Roll sendete. Das genügte über der Hälfte aller Briten nicht und sie lauschten lieber den britischen Piratensendern, die bis 1967 von Schiffen aus das Land mit den neuen Hits der Kinks, Hollies, The Who oder der Rolling Stones beschallten. Die launige Hommage an die tollkühnen DJs, die die Botschaften der Lieder selbst verkörperten, ist eine anfangs frische Comedy, die sich schnell in coolen Posen erschöpft. Der leicht verträumte, schlaksige Carl, gespielt von Tom Sturridge, begegnet auf dem Schiff Radio Rock, das in der Nordsee stationiert ist, den im ganzen Land berühmten Moderatoren. Nicht nur die heißen Platten, die sie auflegen, sondern auch ihre flotten bis schlüpfrigen Sprüche begeistern die britischen Zuhörer. Das zeigen dazwischen geschnittene kurze Szenen vom Festland. Patenonkel Quentin ist ein eleganter Gentleman, der schwarzen Humor und Schnoddrigkeit bestens beherrscht - eine Paraderolle für Bill Nighy.Nick Frost spielt den DJ Dave, einen dicken, sehr lebenslustigen Mann, der sich für den unerfahrenen Carl nicht nur als Mentor in Sachen Liebe erweist. Damit die Männer ihren Spaß haben, dürfen nämlich von Zeit zu Zeit weibliche Fans an Bord, was aber auch Kummer verursacht, an dem an den Radiogeräten die halbe Nation teilhaben darf. Auch ein Amerikaner ist unter den DJs, gespielt von Philip Seymour Hoffman. Seine Rolle ist die des heldenhaften Rock'n'Roll-Kapitäns, der das Schiff nie verlässt. Sein Alter passt allerdings eher zu den Fans, die in den Siebzigern bereits Radio hörten, als zum jungen Image der Piratensender-Rebellen.Zur Generation der bereits Erfahreneren zählt auch der Moderator Gavin, ein sexlüsternes Radioidol, der die Zuhörerinnen schier aus der Fassung bringt. Jünger ist Midnight Mark, auch er ein Sexsymbol und Mann der schläfrigen, sparsamen Worte. Eines Tages sitzt am Küchentisch ein Hippie mit grauem Wuschelkopf, den niemand kennt: Es ist Bob, der Moderator der ganz frühen Sendung, der die meiste Zeit in seinem Zimmer bleibt. Während diese bunte Crew an Bord ihren Spaß hat, herrscht in der britischen Regierung Frust: Der humorlose Minister Dormandy, gespielt von Kenneth Branagh, wird nichts unversucht lassen, um den Piratensender zu stoppen.54 Lieder der späten Sechziger schmücken den Film und illustrieren dabei das Geschehen an Bord: Wenn Carl Liebeskummer hat, singt Leonard Cohen 'So long, Marianne', wenn der Sender trotz gesetzlichen Verbots weitermacht, erklingen die Rolling Stones: 'Let's spend the night together'. Das sorgt für Stimmung, auch wenn der zeittypische Rausch jugendlicher Leichtigkeit zunehmend einer Selbstbespiegelung cooler Helden weicht. Weil Rock'n'Roll niemals stirbt, müssen sie immer locker bleiben und in einer Klamauknummer zeigen, wie die Titanic stilvoller hätte sinken können. Die Sechziger waren höchstwahrscheinlich unschuldiger.
FAZIT:
Coole Comedy über das Treiben an Bord eines britischen Piratensenders Ende der sechziger Jahre: Die Lieder sind das Beste.